White Island
Wie auch immer White Island früher geheißen haben mag, der Name ist im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten. Den Namen des Schutzheiligen dieser Insel kennt man auch nicht. Auch ist es unmöglich, den Ort jeder Kirche herauszufinden, die in früheren Schriftstücken erwähnt werden.

Es gibt aber keinen Zweifel daran, dass es auf White Island eine frühe Kirche, möglicherweise ein Kloster von mäßiger Größe gegeben hat. Der Winkel der Insel, auf welcher die zu Ruinen verfallene Kirche liegt, ist durch einen Wall und einen Graben abgegrenzt. Heute ist alles verwittert und wenig beeindruckend, aber es sind die ursprünglichen klösterlichen Grenzen. Innerhalb dieser Grenzen befanden sich sowohl das klösterliche “Dorf” wie auch die Kirche und der Friedhof. Hier gab es Zellen und Werkstätten, Scheunen und Kuhställe, Gärten, Acker- und Weideland und möglicherweise ein Gästehaus nahe am Ufer für die Besucher. All diese Gebäude waren aus Holz und so ist bis heute nichts Sichtbares außer dem Grenzwall übriggeblieben außer.


Die Kirche, die sich innerhalb einer neuen Steinmauer befindet, ist eine kleine rechteckige Ruine.


 

Die Kirche ist einfach gehalten, wenn man von ihrer wundervollen Südtür einmal absieht. Diese Tür ist im Norden ein seltenes Überbleibsel der Geschichte, sie ist die einzige unversehrte romanische Tür in Nordirland. Sie hat sorgfältig bearbeitete Säulen mit Kapitellen und Basen.

Oberhalb der Säulen befindet sich ein halbrunder Bogen, dessen oberer Teil hervorsteht und mit tropfenförmigen Perlen verziert ist. Aufgrund der Einzelheiten der Tür, sind sowohl die Tür als auch das ganze Gebäude um 1200 entstanden. Die Tür wurde weitgehend abgerissen und wiederaufgebaut, als die Kirche 1928 restauriert wurde. Das schmale östliche Fenster wurde ebenso teilweise wiederaufgebaut, Teile von einem zweiten Fenster wurden in die südliche Mauer integriert und ein Weihwasserbecken für das heilige Wasser wurde an die Innenseite der Tür umgesetzt. Die kleine Steinplatte, die an der modernen Einfriedungsmauer auf der westlichen Seite befestigt wurde, wurde 1958 gefunden. Sie ist eine frühchristliche Grabkennzeichnung. Auf ihr erkennt man ein Kreuz, das nur leicht eingeschnitzt wurde und oberhalb des Kreuzes eine kurze Inschrift, welche möglicherweise „Delmne“ bedeutet, obwohl der erste und die letzten Buchstaben nicht gut zu erkennen sind.


Auf dem oberen Bild sieht man das Fenster auf der südlichen Seite, dessen Reste hier in die Mauer eingefügt wurden. Dieses Bild entstand 2004, das untere 2006 und wie man auf dem unteren Bild erkennen kann, ist das Fenster hier leider nicht mehr vorhanden. Dafür kann man auf dem unteren Bild das Fenster in der östlichen Mauer erkennen.

1959 stellte man durch eine kleine Grabung im südöstliche Bereich der Kirche fest, das der steinernen Kirche eine Konstruktion aus Holz aus verschiedenen Zeitabschnitten vorangegangen war. Getrennt wurde dieser Bereich von dem Bereich der Kirche aus Stein durch ein Stadium der Nichtnutzung. Man ist versucht zu spekulieren, dass es sich hierbei um eine frühe hölzerne Kirche gehandelt haben mag, die bei einer Katastrophe, vielleicht bei einem Überfall der Wikinger, niedergebrannt wurde, aber um das zu belegen, sind weitere Grabungen nötig. Als die Steinkirche ungefähr 1200 errichtet wurde, diente sie wahrscheinlich nicht mehr als Klosterkirche sondern als Gemeindekirche für die Gemeinde von Magheraculmoney. Ausgrabungen auf dem Boden der Kirche brachten auch eine verbrannte Holzkonstruktion eines Daches zu Tage und die Innenfläche der südlichen Tür ist gerötet und von einem Brand beschädigt. Man weiß nicht genau, wann die Kirche verlassen wurde, aber schon um 1600 gab es hier eine Ruine. Auf einem Grabstein erkennt man, dass die Beerdigungen hier ab dem 18. Jahrhundert wieder stattfanden.
Die Figuren sind seit dem 19. Jahrhundert stufenweise ans Licht gekommen und sie wurden oft bildlich dargestellt und besprochen. Die meisten von ihnen oder alle wurden als Baublöcke für die Kirche wiederverwendet. Die dritte Figur wurde erst 1958 gefunden und es könnten noch mehr Figuren im Verborgenen sein. Die Figuren sind in ihrem Umfang, ihrer kraftvollen Modellierung und in ihrer Individualität der Gesichter, trotz einer allgemeinen Ähnlichkeit sehr eindrucksvoll. Alle Figuren starren unbeweglich nach vorne. Die Augen sind gewöhnlich rund und die Augenbrauen treten hervor. Sie haben schmale Münder und die Hände und die Füße sind sehr klein. Viele von ihnen tragen eine lange Tunika, die unten einen Saum und manchmal eine Naht an der Vorderseite hat, wie sie einem durch Manuskripte und Darstellungen von Priestern vertraut ist. Die Figuren sind nummeriert und sie sind, so wie sie ausgestellt sind, von links nach rechts beschrieben.

Zitat aus:
www.ehsni.gov.uk/pubs/publications/WhiteIsland.pdf , frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

Zu den Figuren habe ich im Internet und auch auf White Island selbst mehrere Bedeutungen gefunden. Drei von diesen Bedeutungen möchte ich an dieser Stelle wiedergeben. Hierzu werde ich einfach mehrere Schriftfarben verwenden. Die Links zu den einzelnen Farben hänge ich dann wie üblich unten an. Ich werde sie auch von links nach rechts beschreiben.

  1. mit überkreuzten Beinen, vermutlich weiblich, mit einem Umhang, mit einem Grimasse schneidenden Gesicht und Pausbacken, wahrscheinlich symbolisiert die Figur die Versuchung oder die Sünde der Sinneslust.

    Eine schmale weibliche Figur mit gekreuzten Beinen mit einem Umhang, einem Grimasse schneidenden Gesicht und Pausbacken, sie stellt wahrscheinlich die Lust dar.

    Diese groteske Figur wird oft als heidnisch betrachtet, sie könnte eine Sheela-na-Gig darstellen. Hickey zieht aber eher in Betracht, dass sie als eine Warnung für die Mönche vor der Sünde des Fleisches dienen sollte.

 
  1. anscheinend sitzend, die Figur hält ein rechteckiges Objekt (ein Buch oder ein Schrein?), das obere Gesicht ist beschädigt.

    Kleine sitzende Figur, die ein rechteckiges Objekt, möglicherweise einen Bücherschrein, hält.

    Diese Statue könnte möglicherweise auch Christus darstellen, sie ähnelt einer Abbildung vom sitzenden Christus im „Book of Kells“, das bestätigt Hickey’s Ansicht, dass sich die Figur auf einen Ambro abstützt. Ein Ambro ist eine Kanzel oder ein Rednerpult und es wird von den Geistlichen benutzt, um das Evangelium zu proklamieren.
 
  1. die Figur gilt als Geistlicher, der eine Glocke und einen Bischofsstab, die Zeichen für einen Abt oder für die Bischofswürde, bei sich hat. Wahrscheinlich ist er ein wirklicher Priester oder Christus als „Abbot of the World“ (Vorsteher der Welt).

    Ein größerer Stein, ein stehender Geistlicher, ein Bischof oder ein Abt, 1958 gefunden. Der Geistliche trägt sowohl die gesäumte Tunika mit der Naht an der Vorderseite als auch eine Haube und er hält eine Glocke und einen Bischofsstab.

    Die Figur mit der Glocke und dem Bischofsstab wurde als Patrick, Christus „Abbot of the World“ (Vorsteher der Welt) oder Constans, dem Gründer der Abbey, identifiziert.
 
  1. Eine Hand hält einen Stab, die andere Hand zeigt zum Mund und ein beutelähnliches Objekt hängt an der Taille. Möglicherweise stellt diese Figur David den Hirten und Psalmendichter dar.

    Eine leicht kleinere Figur mit einem markant modellierten Gesicht und mit einer Hand vor dem Mund, die andere Hand hält einen kurzen Stab, mit einem beutelähnlichem Objekt an der Taille, möglicherweise David der Hirte oder der Psalmendichter.

    Möglicherweise David mit einer Hand, die zu seinem Mund zeigt. Ein Verweis auf Davids Rolle als Psalmendichter, eine übliche Darstellung in der frühen christlichen Kunst. (Höhe 105 cm)
 
  1. Die Figur mit unterschiedlich lockigem Haar hält die Hälse von zwei Kreaturen in der Hand, die teils Vögel, teils tierisch sind. Diese Kreaturen könnten Greife sein, die die doppelte Natur von Christus, die teils menschlich, teils göttlich ist, darstellen sollen. Eine Platte aus verflochtenen breiten Bändern auf der rechten Seite von diesem Stein soll den Eindruck eines Stuhles schaffen.

    Eine Figur mit gelocktem Haar, die die Hälse von geflügelten Kreaturen mit Vogelköpfen und mit vier Beinen mit Klauen festhält. Die Kreaturen sehen aus wie Greife. Die Platte aus leicht verflochtenen breiten Bändern auf der rechten Seite des Steines gleicht der Verzierung auf einem Stuhl mit einer hohen Lehne.

    Die Figur ist ungefähr 80 cm hoch. Von Hickey wurde sie als Christus mit Greifen identifiziert.

 

Greif
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Der Greif (lateinisch gryphus, dies aus altgriechisch γρυψ, gryps) ist ein Fabelwesen; der Sage nach lebt er in den Bergen und erreicht ein Alter von bis zu 60 Jahren.

Minoischer Flügelgreif aus Kreta (Schema)
Aussehen
Der Rumpf des Greifs ähnelt dem eines Löwen und der Vorderleib samt Flügeln, Krallen und Kopf dem eines Adlers. Es können aber auch die Vorderbeine des Löwen und als Hinterbeine die Beine des Adlers vorkommen. Aristeas erzählte in seinem Gedicht Arimaspeia, dass der Greif in Indien und auf den Rhipäischen Bergen die Goldgruben gegen die Arimaspen bewache. Herder u. a. wollten (fälschlich) des Moses Cherub im Greif wiederfinden. Aischylos lässt den Okeanos auf ihm reiten und ihn vor seinen Wagen spannen.
Die Vorstellung von dem Greifen stammt vermutlich aus dem Orient. Darstellungen finden sich bereits an den Pforten von Persepolis und auf persischen und babylonischen Tapeten, weiterhin auf Helmen, z. B. auf dem der Athene Parthenos des Phidias, Brustharnischen und auch auf Münzen, z. B. auf denen von Opus, Teos, Abdera sowie als Arabesken, besonders auf römischen Säulen, sowie als Akroterien auf Tempeln.
Es gibt Vermutungen, dass frühe Funde von Fossilien des Protoceratops, einem in der Kreidezeit häufig vorkommenden Dinosaurier, zur Vorstellung des Greifen führten. Er verfügte über einen Schnabel und einen entfernt löwenähnlichen Körper.
In der Antike galt der Greif als Symbol scharf blickender Klugheit und des Sehertums und ist daher Attribut des Apollon.
Im Mittelalter glaubte man an das Vorhandensein des Greifen und führte ihn in den Bestiarien, den Naturgeschichten des Tierreichs, auf. Er fand in der Ornamentik, namentlich in der Textilindustrie, vielfache Verwendung und war auch in der dekorativen Plastik der Renaissance sehr beliebt.
In dem auf Schweizerdeutsch (Aargauer Dialekt) überlieferten Märchen der Brüder Grimm Der Vogel Greif reißt der Held Hans dem Christen fressenden "Vogelgrif" eine Feder aus dem Schweif. In einem anderen Grimm'schen Märchen, Das singende, springende Löweneckerchen, haust der Vogel Greif am Roten Meer.
Die so genannten „Greifeneier“, die in den Inventaren mittelalterlicher und späterer Kirchenschätze und fürstlicher Schatzkammern vorkommen, sind als Pokale gefasste Straußeneier.

Zitat aus:
http://de.wikipedia.org/wiki/Greif
  1. Krieger mit gelocktem Haar, der eine ringförmige Stift-Brosche trägt und ein kleines rundes Schild über ein kleines Schwert hält. Die Interpretationen umfassen den kämpferischen Christus und David, der Krieger.

    Sie hat die gleiche Größe wie die Figur Nummer 5. Auch hat sie gelocktes Haar. Ein Edelmann oder ein Krieger, der ein kleines, kreisförmiges Schild über einem kurzen Schwert hält und der eine ringförmige Stift-Brosche trägt. Möglicherweise könnte die Figur den kämpferischen Christus oder David, der Krieger, darstellen.

    Die Figur ist ungefähr 80 cm hoch. Von Hickey wurde sie als Christus, der Krieger mit Schwert und Schild identifiziert. Bemerkenswert ist die ringförmige Stift-Spange auf der rechten Schulter von der Art des 9. oder 10. Jahrhunderts.
 
  1. Ein grob behauenes, aber unfertiges Stück. Es ist von Interesse, da es nahe legt, dass die Figuren an diesem Ort geschnitzt wurden.

    Eine unfertige, grob behauene Figur, die vermuten lässt, dass die Figuren auf dieser Insel geschnitzt wurden.
 
  1. Ein einzelner, finster blickender Kopf, mit spitz zulaufenden, ovalen Augen und einer flach gewellten Kappe oder einem flach gewellten Pony. Er stammt vermutlich aus einer späteren Zeit als die anderen Figuren.

    Finster blickende Maske, die aus einer Steinplatte starrt, wahrscheinlich späteren Datums als die anderen.
 

Die Art und Weise der Schnitzarbeiten hat vermutlich ihren Ursprung in der heidnischen Vergangenheit, es gibt aber keinen Zweifel daran, dass die Figuren christlich sind und biblische Botschaften überbringen sollen.
Die Einfassungen in den Köpfen und die unebenen Stummel unter den Füßen weisen darauf hin, dass die Steine Mitglieder einer Gruppe waren, die in irgendetwas eingesetzt waren und die etwas anderes auf ihren Köpfen hatten. Man hat aber das Problem, sich vorzustellen, wie sie genutzt worden sind, entweder einzeln oder als Paar. Die Möglichkeiten schließen eine bauliche Unterstützung in einer Kirche, in einer großen Predigkanzel, in einem umfangreichen Heiligenschrein oder in der inneren Ausstattung einer Kirche ein. Es ist unwahrscheinlich, dass sie früher entstanden sind als die bedeutenderen, mit Figuren versehenen Hochkreuze. Es ist glaubhaft, dass sie im 9. oder 10. Jahrhundert entstanden sind, bevor die hölzerne Kirche verlassen wurde. Die Figuren waren für die Erbauer der romanischen Kirche sicherlich von keinem Interesse, denn sie benutzten sie einfach als Baumaterial.

Zitat aus:
www.ehsni.gov.uk/pubs/publications/WhiteIsland.pdf , Hinweisschild auf der Insel White Island, http://www.chrono.qub.ac.uk/local/fermanagh/WhiteIsland/ ; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga