Donnerstag, 01.05.2008

Um 6.24 Uhr schaue ich zum ersten Mal auf die Uhr. Jetzt wäre in Deutschland schon fast halb acht. Um 7 Uhr stehe ich auf, ziehe mich an und räume meinen Koffer in der vorderen Kabine aus.
Kurz danach steht auch Matthias auf und da alle Nachbarn wach sind, werfen wir den Motor an, damit aus der Heizung auch warme Luft kommt, denn es ist „bibber-kalt“ im Schiff. Bei einer Gasheizung wäre das jetzt nicht nötig gewesen!

Wir erwarten Uwe und Karin um halb neun zum Frühstück, aber sie kommen auch nicht als wir, wie verabredet, kurz hupen. Uwe ist wohl noch unter der Dusche und Karin noch nicht fertig, also fangen wir schon mal allein an, denn das Rührei ist fertig und muss gegessen werden.
Sie kommen eine viertel Stunde später, als auf dem Nachbar-Boot schon die Einweisung beginnt.

Nach dem Frühstück erledigen wir den Büro-Teil und bitten um mehr Decken, Hand- und Abtrockentücher, wie unsere Freunde auch, die nachts ziemlich gefroren hatten.
Also geht Linda mit uns ins Wäschelager, in dem es nicht ganz so ordentlich ist, wie wir uns das vorgestellt hatten.

Nachdem ich die Wäsche an Bord verstaut habe, sehe ich zwei Schiffe am Außenanleger festmachen. Eine große Noble-Captain mit amerikanischer Flagge und eine Duke.
Die Leute winken mir zu und ich renne los. Es sind Uve und Renee mit Familie, die mir gestern geschrieben hatten, sie würden gleich in den Kanal fahren und erst am 7.5. mit uns zusammentreffen!

Die Heizung an Bord ihres Schiffes funktioniert nicht, deshalb sind sie zu MHM zurückgekommen. Des Einen Pech ist des Anderen Glück! Ich freue mich wie verrückt
sie zu sehen und kann noch zur Lösung eines anderen technischen Problems beitragen: Sie hatten die ganze Nacht einen leisen Piepton an Bord und ich weiß sofort woher dieser kommt, denn wir hatten ihn auch, wenn auch nur kurz! Es ist das Radio, das auf Sendersuchlauf ist! Durch Abschalten hört auch der Piepton auf 
Als der Techniker kommt und beginnt das Sofa zu zerlegen bin ich im Weg und verabschiede mich, wenn auch ungern.

Auf der Duke nebenan sind drei junge Leute an Bord, die wie wir heute ihre Reise beginnen, also stelle ich mich Frank, Maike und Tina vor, denn man trifft sich ja doch immer wieder.

Unsere Freunde haben die Einweisung hinter sich gebracht und so legen wir jetzt in verschiedene Richtungen ab. Wir fahren Richtung Norden, alle Anderen Richtung Süden nach Enniskillen zum Einkaufen.

Es herrscht ein kräftiger Wind und die Wellen sind auch nicht ohne!
Deshalb fahren wir im Windschatten der Inseln nach Norden.

 

 

Unser Weg führt uns an den ehemaligen Anlegestegen der riesigen Flugboote aus dem zweiten Weltkrieg und an Aghinver vorbei durch den Kesh River nach Kesh. Diese Strecke zählt zu unseren Favoriten. Die Sonne scheint, die Blumen blühen, die Lämmer spielen auf den Weiden und die Kühe schauen uns träge hinterher. Bäume und Wolken spiegeln sich im Wasser – es ist zu schön um wahr zu sein, aber wir sind wieder hier! Ich lasse einen lauten Quietscher los, irgendwie muss ich die Freude in mir heraus lassen!

 

 

Am Jetty in Kesh liegen schon drei ABC-Boote, eine Schweizer Anglergruppe!
Sie haben jede Menge Barsche gefangen, die sie heute Abend braten wollen. Hm, da würde ich gerne mitessen!

Bummeln, einkaufen, Mittagessen im Le Bistro! Matthias nimmt Huhn und ich natürlich Fisch, beides mit Chips und Salat. Sehr lecker! Danach noch ein langer Verdauungsspaziergang durch Kesh mit einem kurzen Stop beim Metzger.

Die Schweizer sind immer noch beim Angeln. Für sie ist am Samstag schon Schluss. Die Ärmsten!!! Sie hatten nicht gerade Superwetter, erzählen sie uns.

 

 

Wir wünschen ihnen noch ein paar schöne Tage und machen uns auf den Weg nach Lusty Beg. Es hat noch mehr aufgefrischt, deshalb packe ich alles, was herumsteht in die Spüle, mit Handtüchern dazwischen und dann reiten wir los!
Es sieht schlimmer aus als es ist, unsere Chief kann das ziemlich gut wegstecken!

In Lusty Beg liegt kein einziges Schiff. Wir beschließen meinem Wunsch zu folgen und einmal rund um die Insel zu laufen. Der Wald ist eine Mischung aus Urwald und Märchenkulisse, immer wieder unterbrochen von schönen Blicken auf den Lower Lough Erne. Wir können uns kaum satt sehen und schießen ungezählte Fotos. Leider beginnt meine Digicam zu spinnen. Sie macht nur noch Fotos, wenn ich ihr kleine Klapse verabreiche!!!

 

 

Meine Lieblingsblumen, die Bluebells, stehen in voller Blüte! Allein davon mache ich bestimmt hundert Fotos, aber auch die anderen Blumen werden eifrig fotografiert!
 

 

Der Anblick von Bluebells macht mich glücklich, vor allem in solchen Mengen!

Wenige Minuten nach uns treffen auch Uwe und Karin am Steg ein, jedoch aus einer ganz anderen Richtung kommend.

Wir beschließen zusammen im schicken Restaurant des Feriendorfes essen zu gehen. Das Lokal ist gut besucht, trotzdem bekommen wir einen schönen Tisch zugewiesen.

 

 

Nach dem leckeren Essen trinken wir noch einen Absacker bei unseren Freunden, aber um 23.30 Uhr liegen wir alle selig schlummernd in unseren Betten!

Das Wetter heute: Wolkig, sehr windig, ab nachmittags super!

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