20.4.2007

Das Handy weckt uns um 8 Uhr. Ich mache die Heizung an und krabbele noch mal ins warme Bett. Doch nicht für lange, denn Sonne und blauer Himmel locken uns hinaus.
Nach einem ausgiebigen Frühstück weihen wir das Dinghy ein, fahren eine Stunde auf dem Kilglass-Lough herum und werfen an sonst unzugänglichen Stellen unsere Angeln aus.

Nach Eroberung und Erkundung einer Mini-Insel (Crannóg) üben wir noch mit dem Dinghy das Anlegen. Dabei knicke ich in einer engen Kurve am Schiff entlang Matthias Angelspitze ab, Anlegen ist wirklich nicht mein Ding!

Um 12 Uhr machen wir uns auf den Weg Richtung Grange, wo wir nach einer schönen Fahrt um 13 Uhr ankommen. Ein kräftiger, wenn auch unbeabsichtigter Rempler nach vorne verschafft uns den nötigen Platz am Plastik-Jetty. Das Ding wirkt ziemlich stabil, finde ich, das hatte ich mir anders vorgestellt.


Stabiler Plastik-Jetty in Grange

Im Umbau, aber geöffnet
 

Das Pub sieht aus, als sei es wegen Umbaus geschlossen, doch als wir näher kommen, sehen wir, dass es nicht nur geöffnet, sondern auch knallvoll ist! Also haben wahrscheinlich viele Leute unser nicht ganz fachmännisches Anlege-Manöver beobachtet!
Matthias nimmt gebackenen Schinken mit Spitzkohl und Ofenkartoffeln, ich ein Putensandwich mit Chips und Lettuce. Beide Gerichte sind lecker und die Portionen riesig, wir können beide nicht komplett aufessen. Einschließlich zweier Getränke zahlen wir € 14,00, was wir für recht preiswert halten.
Nach einem Kaffee an Bord machen wir uns wieder auf den Weg. Unser Navi zeigt genau an, wie wir fahren müssen, man brauchen nur auf dem Strich zu bleiben (grins). Da wir uns aber nicht komplett darauf verlassen wollen, haben wir auch noch diverse Gewässerkarten vor uns liegen und in den engen und flachen Passagen der Loughs bugsieren wir auf Sicht durch die zahllosen Seerosenblätter.

 

Wir fahren Richtung Lanesborough. Ich habe SMS-Kontakt mit Tina und mit Bine, die erst am 23.4. nach Irland kommt.
Im Centra in Roosky kaufen wir noch einige Kleinigkeiten. Dabei beeilen wir uns, denn wir wollen das Schiff nicht lange unbeaufsichtigt lassen, haben doch neben uns an der Hafenmauer Flusszigeuner angelegt, die uns aber freundlich beim Anlegen behilflich sind.
Wir denken an Wolfgang Buck! Tony der Schleusenwärter war übrigens nett und freundlich mit uns.

In Tarmonbarry drehen wir eine Warteschleife, nachdem wir im Anfahren auf die Brücke einmal gehupt hatten. Schon beginnt der Schleusenwärter, den dichten Autoverkehr zu stoppen und die Brücke für uns hochzukurbeln.
Die Schleuse ist auch für uns geöffnet, also hinein mit uns. Der Lock-Keeper ist ein goldiger, sympathischer Mann. Er meint, in etwa einer Stunde sollten wir in Lanesborough ankommen. Das wäre dann etwa 18 Uhr. Eine gute Zeit, um für die Nacht anzulegen, wir peilen Ballyleague an! Doch alles kommt ganz anders!

Kurze Zeit später telefoniere ich nämlich mit Inga und Holger und sie erzählen mir zu meiner Überraschung, dass sie schon auf dem Weg nach Killinure sind und dort übernachten wollen. Ursprünglich wollten sie auch zum Forums-Treffen am 23.4. kommen. Nun werden wir sie wahrscheinlich nur im Vorbeifahren kurz sehen.
Das gefällt uns gar nicht, deshalb rufe ich Norbert an, um ihn zu fragen, ob wir es wohl noch am Abend bis zum Point schaffen könnten. Er meint, wir müssten es noch schaffen, es sei lange genug hell. Lange Rede kurzer Sinn: Lanesborough 18.45 Uhr – Killinure 21.15 Uhr !

Also Hebel auf den Tisch und Volldampf über den See, immer auf der vorgegebenen Route des GPS und ich mit Karte und Fernglas bewaffnet, damit uns bloß kein Fehler unterläuft. Von hinten, bzw. der Seite treibt uns ein kräftiger Wind und wir pflügen zwei Stunden lang durch die Wellen, mit einer dunkelgrauen Wolkenwand im Rücken, die ihre Vorboten über uns hinwegjagt.

Zum Schluss wird es dann doch recht dämmrig und Matthias immer nervöser. Tina, der ich geschrieben hatte, dass wir den See noch überqueren, wird auch immer unruhiger und versucht mich telefonisch zu erreichen, kommt aber nicht durch.

Die Strecke ist echt anspruchsvoll und wir stoßen jede Menge Dankgebete für Dave aus, der die Shannoncharts erstellt hat, ohne diese hätten wir die Überfahrt am heutigen Abend nicht gewagt ! Die letzten Minuten rund um Hare-Island sind richtig haarig. Das GPS führt uns links herum am Hexagon Shoal vorbei und wir wagen nicht, die Leitlinie zu verlassen, obwohl diese Route die gefährlichere ist. Deshalb sind wir vom Point aus auch erst relativ spät zu sehen.

Als wir am Killinure-Point um die Ecke biegen, sehen wir Norbert, Holger und Sekunden später auch Inga noch schemenhaft am Jetty stehen. Norbert hatte uns vorher schon genau beschrieben, in welcher Box wir anlegen sollen. Sie machen einen besorgten Eindruck, als sie Matthias so in voller Fahrt auf sich zurauschen sehen. Aber dieser bremst rechtzeitig ab und gleitet in die vorgesehene Parklücke. Alles Weitere übernehmen dann Norbert und Holger.
Erleichtert fallen wir allen in die Arme. Jetzt ist es schlagartig ganz dunkel, wir hätten keine Minute später ankommen dürfen!
Norbert wird leider nicht den Abend mit uns verbringen, er ist schon verabredet!


Ein lustiger Abend

Holger und Inga, die wegen der ganzen Aufregung noch nicht zum Abendessen gekommen waren, verbringen den Abend mit uns auf unserem Schiff. Erst mal gibt es belegte Brote, für Inga mit Banane, und hinterher Guinness und Smithwicks. Es wird ein langer, lustiger Abend!

Gegen 24 Uhr fallen Matthias und ich todmüde ins Bett. Ich glaube nicht, dass Matthias noch „Gute Nacht“ gesagt hat, ich hätte es aber auch mit Sicherheit nicht mehr gehört, ich bin sofort eingeschlafen!

Das Wetter heute: Vormittags schön, dann mehr und mehr eintrübend, aber kaum Regen und nur schwach windig (zum Glück)!

 

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