18.04.2006

Das große Rennen oder Rushhour auf dem Erne.

 

 

Nach der gestrigen Feier hatten wir alle lange geschlafen. Holger und ich aßen wie fast jeden Morgen Kellogg’s Frosties zum Frühstück. Das war zwar ein sehr schnelles Frühstück, aber trotzdem war man recht lange satt und das war ja auch gut so, denn meistens aßen wir erst wieder etwas, wenn wir unseren nächtlichen Liegeplatz erreicht hatten. Nachdem wir uns fertig gemacht hatten und alle ausgeliehenen Gegenstände wieder an Bord genommen hatten, verabschiedeten wir uns von allen und legten um 11:40 Uhr in der Trial Bay, gleich nach Paolo, ab.

 

 

 

Unsere grobe Richtung heute war Norden und so fuhren wir erst einmal an den Inseln Inisherk Island, Bleanish Island und Dernish Island vorbei.

 

Bleanish Island
Bleanish Island oder „Flower Island“ (Blumeninsel) ist im Sommer meistens mit Inisherk Island verbunden. Die Binsen und die Seegräser wachsen in dieser Jahreszeit im Wasser sehr dicht und hoch.
In den 1990er Jahren wurde die Zebra Muschel eingeführt und aufgrund dieser Millionen zugewanderten Muscheln wurde das Wasser klarer, da die Muscheln die organische Verfärbungen des Wassers einfach aufsaugen. Das wiederum ermöglichte das Wachstum des Seegrases und dadurch konnte das Seegras viele Passagen zwischen den Inseln so stark wachsen, dass einige von ihnen beinahe unpassierbar wurden. Zu einer Zeit war Bleanish Island das Heim von Tom und Kate Bailey und ihrer Tochter Josie. Heute lebt keiner mehr auf der Insel.

Tom hatte hier seinen eigenen „Drop of the Crater“ oder auch „Poteen“ (schwarz gebrannter Whisky) gebrannt. Auf der Insel soll auch ein Schatz vergraben sein und es sollen dort auch Kobolde und Feen leben, so glaubt man.

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Dernish Island
Auf Dernish Island oder „Oak Island“ (Eicheninsel) befindet sich ein Ráth (ein Rundfort mit Befestigungen aus Holz). Um dieses Ráth herum kann man noch drei oder vier kleinere Ráths finden. Das nördliche Ufer hat eine Verbindung zu Crehan (einem Steinpfad, der um den See herum führt).

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Unterwegs sahen wir trotz des schlechten Wetters etliche Angler an dem Ufer des Sees sitzen, alle waren jedoch mit Schirmen ausgestattet, so dass die Angler einigermaßen im Trockenen sitzen konnten.

 

 

Wir passierten Inish Rath. Diese Insel ist auch unter dem Namen „Hari Krishna Island“ bekannt. Da wir die Insel so passierten, dass sie rechts von uns lag, hatten wir zu unserer linken Seiten den Anleger von Geaglum, in dessen Nähe die Viehfähre zu finden ist. Dieses Mal sahen wir keine Fähre, die von Geaglum nach Inish Rath fuhr, um die Besucher für die „International Society for Krishna Consciousness“ (Internationale Gesellschaft für das Krishna Bewusstsein) auf die Insel zu bringen. Wahrscheinlich war es noch zu früh im Jahr.

 

 

Geaglum

 

 

 

Geaglum war die Heimat einer weiteren wichtigen Familie der vorletzten Jahrhundertwende. Es waren die Massy-Beresfords. Ihr Haus wurde St. Hubert’s genannt und es befand sich gleich am Flussufer gegenüber von Inish Rath. (Von jetzt an die Adresse von den „Crystal Lotus Studios“).
 

 

Bis vor wenigen Jahren gab es in dem Feld in der Nähe des Anlegers einen schönen Flur aus Mosaiksteinchen zu sehen, der wohl früher der Hausflur in dem Massy-Beresford Haus gewesen sein musste. Einer der berühmtesten Namen der Familie war Monica, die 1894 geboren wurde und die die Tochter und das erste Kind von George und der Ehrenwerten Alice Massy-Beresford war. Sie führte ein einsames Leben, da die Söhne von allen großen Häusern zu einer externen Schule geschickt wurden, während die Töchter ausnahmslos zu Hause von einer Gouvernante unterrichtet wurden.

 

Ihr Vater war ein energischer Befürworter der Selbstverwaltung in Irland und er befehligte das „Fermanagh Detachment“ (die Fermanagh Abteilung) von die „Ulster Volunteer Force“ (die Truppe der Freiwilligen von Ulster). Monica besuchte mit ihm die Parade am Morgen und sie erwarb Schießpraxis. Sie war eine exzellente Schützin und eine erfahrene Reiterin. Sie half ihrem Vater beim Waffenschmuggel, indem sie die Waffen, die sie den Männern ihres Vaters in Fermanagh bringen sollte, unter ihrem Kostümrock verbarg, während sie die Kontrollen in Belfast und in Dublin passierte.

Ihre wahren Interessen lagen in der Politik und in der Geschichte. Ihr Bruder Jack fiel im Ersten Weltkrieg. Sie selbst half den Kriegsanstrengungen, in dem sie Soldaten in einer Kantine am östlichen Ende von London bediente. 1916 heiratete sie Jorgen de Wichfeld, der Ehrenwerte Attache von dem dänischen Außenministerium. Sie zogen in sein Familienanwesen nach Engestofte in Maribo in Dänemark, wo sie Mutter von drei Kindern wurde.

 

 

 

Sie trat der Widerstandsbewegung während des Zweiten Weltkrieges bei und sie übte Sabotageakte aus und unterhielt eine illegale Zeitung. 1943 halfen sie und ihre Tochter gesuchten Männern zu entkommen. 1944 wurde sie an die Gestapo verraten und zum Tode verurteilt, später jedoch begnadigt. Sie starb am 26. Februar 1945 in Waldheim an einer Lungenentzündung.

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Monica de Wichfeld (1894 bis 1945)
Sie wurde als Tochter eines irischen Großgrundbesitzers Massy-Beresford in London geboren und wuchs in Irland auf. Die Eltern hatten einander wenig zu sagen, und die Mutter tröstete sich in der Sorge um die Kinder und später um die Enkel. Monica, Tim und Jack waren mangels anderer Kinder in der Nachbarschaft aufeinander angewiesen, und besonders nahe standen sich Monica und Jack. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges genossen die jungen Massy-Beresfords die Lebensfreude der Gesellschaft in London. Die Meldung von der Ermordung des österreichischen Thronfolgers in Sarajewo erfuhren Monica und ihre Eltern, als sie mit dem Auto durch eine kleine Stadt fuhren, in der es plakatiert war.

Sie maßen dem keine Bedeutung bei, doch etwa fünf Wochen später wurde der Krieg erklärt, und Mutter und Tochter waren dann allein im Haus und mussten den Zeitungen die Nachrichten über den Tod von Freunden entnehmen. Monica arbeitete ab Anfang 1915 in einer Soldatenkantine in London; ihr Vater als Sanitätsfahrer in Frankreich, und die beiden Brüder waren im Feld. In jenem Jahr lernte sie auch ihren Ehemann kennen, den dänischen Gutsbesitzer Jorgen de Wichfeld, wobei das Interesse zunächst auf seiner Seite wesentlich größer war. Dass sie miteinander hervorragend tanzen konnten, überzeugte sie dann aber, ebenso seine Korrektheit und Unaufdringlichkeit. Sie heirateten 1916 und waren dann zumindest vier Jahre ausgesprochen glücklich miteinander. Als Jack kurz vor Kriegsende fiel, verlor Monica ihr "alter ego" - und begann die Deutschen lebenslang zu hassen.
Monica bekam ihre Kinder Ivan, Varinka und Viggo, und die Familie reiste immer wieder durch Europa, wo sich die gute Gesellschaft eben aufhielt. 1922 war sie zum ersten Mal auf dem Gut ihres Mannes, Engestofte, an einem See liegend. Da Monica sexuell wenig mit ihrem Ehemann verband, begann sie ein Verhältnis mit einem ihrer Nachbarn, Kurt Haugwitz-Reventlow. Da seine Familie eigentlich deutsch war, obwohl seit Ewigkeiten in Dänemark ansässig, sträubte sie sich zunächst dagegen. Tatsächlich begleitete Kurt dann auch die ganze Familie oder Monica und Jorgen auf jenen Reisen, die zunächst mit dem eigenen Geld und dann mit dem der Freunde bezahlt wurden. Mit dem großen Börsenkrach von 1929 verloren aber die meisten der zahlreichen Freunde aus Europa und den USA ihr Vermögen.

Monica wurde nun aus dem Stand heraus eine Art Karrierefrau, in dem sie erfolgreich mit Modeschmuck und Möbeln handelte. Kurt wollte, dass sie sich von Jorgen trennt, doch sie beendet die Beziehung mit ihm, weil sie für ihre Familie sorgen muss. Die Sommermonate wurden traditionell in der italienischen Küstenstadt Rapallo verbracht, auch noch zu Zeiten des Faschismus. Doch ab dem Kriegsausbruch, von dem Monica erfährt, als sie vom morgendlichen Schwimmen kommt und Leute um ein Kofferradio stehen sieht, wurde die Lage für Ausländer in Italien immer schwieriger. Zwei Jahre später mussten sie schließlich das Land verlassen und nach Dänemark zurückkehren, das seit April 1940 von den Nazis besetzt war.

Die Durchschnittsdäninnen hatten zu Beginn nicht unter den Besatzern zu leiden, da es keine massive Repression wie in Norwegen oder Polen gab, und der Kriegsbedarf an Fabrikgütern und Nahrungsmittel ließ die Wirtschaft blühen. Zwar waren die meisten Menschen gegen die Deutschen, doch der Widerstand zeigte sich zunächst nur mit eher harmlosen Sabotageaktionen. Schließlich wird aber die wichtige Versorgungslinie zwischen dem norwegischen Erzabbau und Deutschland, die über Schweden und Jütland per Bahn läuft, durch ständig gesprengte Gleisanlagen gestört, und wenn die Alliierten Bomben auf dänische Betriebe abwerfen, werden diese leider nicht entschärft. Monica de Wichfeld organisiert den Widerstand in ihrer Region, bietet den See vor dem Gut für den Abwurf von Material einschließlich Waffen an. Da sie oft in der Nacht mit den geborgenen Gütern übers Wasser rudert, sind ihre Hände voll Schwielen, was sie dem ahnungslosen Ehemann mit dem kriegsbedingten Fehlen von Handcreme und anderer Pflegeprodukte erklärt. Für sie ist selbstverständlich, den sensiblen und naiven Mann, der seinen Garten und die Jagd liebt, nicht in ihre Arbeit einzuweihen, ebenso wenig Sohn Ivan.

Hingegen wird die Tochter Varinka selbst zur Widerstandskämpferin, und Viggo reagiert nach Monicas Verhaftung geistesgegenwärtig genug, um seiner Schwester eine Warnung zukommen zu lassen. Einmal versteckt Monica auch Juden, was für den Widerstand eigentlich verboten war, weil so das ganze Netz gefährdet wurde (in Dänemark wurden 95% der jüdischen Bevölkerung meist über Schweden von ihren Mitbürgerinnen gerettet). Ironischerweise waren untrainierte Widerständlerinnen letztlich zuverlässiger als die zahlreichen Agenten des britischen Special Operations Executive. Monica und die von ihr geleitete Gruppe wurden Anfang 1944 verraten, als die Gestapo einen dieser Agenten verhaftet hatte. Ihre "Mitverschwörer" wurden zum Tode verurteilt, ihr aber die Begnadigung angeboten, da seit einer Hexenverbrennung im 17.Jahrhundert in Dänemark keine Frau mehr hingerichtet wurde. Monica will aber nur dann verschont werden, wenn dies für die drei Männer auch gilt. Schließlich überreden sie Freunde dazu, und sie entscheidet sich dadurch für einen langsamen Tod - sie stirbt erschöpft und krank vom Aufenthalt in zahlreichen deutschen Gefängnissen Ende Februar 1945. Sie erfährt aber, dass der Massenaufstand, den die Deutschen im Falle ihrer Hinrichtung befürchtet hatten, doch stattfand. Zermürbt von der immer zahlreicheren Sabotage verhängten die Nazis eine Ausgangssperre im nordischen Sommer mit seinen langen Abenden, mit Schießbefehl bei Verstößen. Das war den Menschen zuviel, und sie errichteten Barrikaden, das Personal der öffentlichen Verkehrsmittel, bei der Telefongesellschaft und in zahlreichen Fabriken streikte. Die Deutschen reagierten darauf durch Unterbrechung der Energie- und Wasserversorgung. mussten aber schließlich aus Kopenhagen abziehen. (Info: "Monica - Eine Frau im Widerstand gegen die deutsche Besatzung" von Christine Sutherland, Schöffling und Co.)

Zitat aus: http://www.ceiberweiber.at/ownpages/history/herstoryw.htm

 

Inish Rath
Inish Rath, früher auch unter den Namen „Coney Island“ (Kaninchen Insel) oder „Rabbit Island“ (Hasen Insel) bekannt.
Heute heißt sie allgemein „Hari Krishna Island“ (Hari Krishna Insel), da hier die „International Society for Krishna Consciousness“ (Internationale Gesellschaft für das Krishna Bewusstsein) ihre Heimat gefunden hat.

Die Insel liegt zwischen Derryadd und Geaglum und sie ist über den Anleger von Geaglum erreichbar.

 

 

 

Neben der „International Society for Krishna Consciousness“ (Internationale Gesellschaft für das Krishna Bewusstsein) ist die Insel auch die Heimat für Pfauen, Fischreihern und Schwäne.

 

 

 

 

 

Die Cavendish-Butlers bauten hier ein schönes Haus, welches nun das „Visitor Centre“ (Besucherzentrum) der Gemeinschaft beherbergt.

 

 

Das Ráth (ein Rundfort mit Befestigungen aus Holz) auf der Insel stammt aus dem Jahr 1850 und die Butlers lebten hier bis 1951. Natürlich gehörten diese Butlers zu der Butler Familie, die in Lanesborough Lodge in Quivvy lebten. Die Butlers liebten das Segeln und sie liebten es mit ihren Freunden, den Tippings, den Ernes of Crom und den Saundersons vom Castle Saunderson an den Segel-Regatten teilzunehmen, die am Upper Lough Erne stattfanden.
Es bestand immer eine große Rivalität unter ihnen und die Anhängerschaft eines jeden Bootes hatte so ihre eigenen Tricks, um sicher zu gehen, dass ihr Team gewinnen würde! Wenn man sich entschließen sollte, am Anleger von Geaglum festzumachen, dann kann man die Inselgemeinschaft besuchen, indem man mit der Fähre über den Erne setzt. Auch gibt es bei St. Hubert’s Stable eine Glasbläserei, die „Crystal Lotus Studios“.

 

 

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Heinz Werner musste mit seiner Crew gleich nach uns abgelegt haben, denn kurz hinter Inish Rath, der „Hari Krishna“ Insel hatte er uns vor der Brücke bei Trasna Island eingeholt und überholen können. Mal sehen, wo wir uns wieder treffen würden.
Nach der Brücke entschieden wir uns dazu, den nördlichen Kurs zu nehmen, dass heißt, wir würden rechts an Trannish vorbeifahren. Heinz Werner nahm hingegen die westliche Passage, er fuhr als links an Trannish vorbei.

 

 

Trasna Island
Trasna Island, zwischen Lisnaskea und Derrylin, meint „The Crossing Island“ (die Überquerungsinsel) und in der Tat ist die Insel ein Sprungbrett auf der Reise von einem Ufer zum anderen. Eine andere Übersetzung gibt den Namen der Insel mit „The Strand of Swimming“ (das Schwimmufer) wieder und bis vor kurzem schwamm das Vieh in der Tat über den See, zu den Inseln und wieder zurück. Das führende Tier war dabei angeseilt und wurde von Männern in einem Boot gezogen. Der Rest der Herde folgte dann dem führenden Tier. Trasna Island ist heute durch die „Lady Craigavon Bridge“ (Lady Craigavon Brücke; von ihr stammt auch das Foto) im Osten und der „Lady Brook Bridge“ (Lady Brook Brücke“ im Westen mit dem Festland verbunden. Beide Brücken wurden ursprünglich in den 1930er Jahren gebaut, sie sind aber unter den Einheimischen unter dem Namen „The New Bridges“ (die Neuen Brücken) bekannt!

 

 

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Wir kamen in die Nähe des Share Holiday Centres und hier fand scheinbar eine Segelregatta statt oder es waren viele Segelboote unterwegs, die hier das Segeln übten. Ich glaube aber, dass eher das Erstere zutraf. Holger musste beim Fahren jedenfalls gehörig auf die Segelboote aufpassen, die auch schon mal unsere Fahrroute kreuzten.

 

Share Holiday Centre
Das Share Centre und der Smiths Strand sind nur ein paar Meilen von Lisnaskea entfernt. Diese Distanz kann man auch zu Fuß schaffen, wenn man keine Angst vor einer gut befahrenen Straße haben sollte. Der Smiths Strand ist eine Gemeinbedarfseinrichtung mit einem Strand und einer geschützten Schwimmzone. Das Share Holiday Village schräg daneben ist für jugendliche Gruppen oder für leicht behinderte Gruppen und es bietet eine große Anzahl von Übernachtungsmöglichkeiten für Selbstversorger oder mit Halb- oder Vollpension.

Zu dem Share Centre gehört ein Anleger, an dem man über Nacht anlegen kann (gegen eine Gebühr) und von wo aus man an vielen Aktivitäten teilnehmen kann.

 

 

Hier gibt es auch ein Cafe, in dem man auch Essen bestellen kann und weiter gibt es hier Konferenzräume, eine Bühne für die Künste genauso wie ein Schwimmbad, einen Campingplatz und einen Platz für Wohnmobile. Der kleine Laden verkauft Postkarten, Bücher über die lokale Geschichte und hier befindet sich auch eine Rezeption mit sehr freundlichem Personal. Das Share Centre war früher einmal ein Bauernhaus in dem Bezirk Shanaghy, welcher möglicherweise „The Place of the Meadow“ (der Platz der Aue) geheißen hat, da er immer recht feucht war und zur Überflutung neigte.

1948, in dem Jahr des großen Schnees, kam die Familie Smith, George und Ethel und ihre vier Kinder Austin, Yvonne, Betty und Ethel aus Cavan hierher, um hier diesen Bauernhof von Mr. und Mrs. William Graham zu kaufen. Die Farm besaß 35 oder 40 Acres (Acre ≙ Morgen; Acker; Flächenmaß; 1 Acre ≙ 4048 qm) und es gab einerseits noch Land am Ufer und andererseits noch ein Torfmoor. Das ursprüngliche Bauernhaus hatte eineinhalb Etagen und es war mit Stroh gedeckt. Obwohl der Ort einfach war, war Mrs. Smith immer gastfreundlich und so machte sie William Rooney, dem Briefträger, der in Inishturk (Boar’s Island) lebte, jeden Morgen Frühstück. Leider erfror William Rooney zusammen mit seinem Bruder auf dem See im Winter 1961. 1981 wurde die Farm in ein Veranstaltungszentrum für Gruppen mit speziellen Bedürfnissen umgewandelt und es ist sehr erfolgreich.

 

 

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

 

 

 

 

Die Segelregatta in der Nähe vom Share Holiday Centre.

 

 

 

 

 

Nachdem wir alle Segelboote hinter uns gelassen hatten, konnte Holger wieder etwas gelassener fahren. Wir ließen jetzt die Insel Inishore links von uns liegen.

 

Inishore (Gold Island)
Gleich im Norden vom Share Holiday Centre befindet sich eine kleine Insel, die Inishore oder auch „Gold Island“ (Gold Insel) genannt wird. John Reihill, der ehemalige Besitzer von Innishcorkish Island, erzählt einem gerne, dass hier einer der Orte war, wo regelmäßig „Poteen“ (schwarz gebrannter Whisky) hergestellt wurde und es war auch der Ort eines Geistes, der hier von einem einheimischen Priester mit einem Bann belegt worden war. Er glaubt auch, dass eine Menge Sand vom Fluss in den See gewaschen wurde und dieses könnte der Grund für den Namen „Gold Island“ (Gold Insel) sein. In der Nähe von Lisnaskea hatte es auch einmal einen Goldrausch gegeben, während dem zwei Männer im Fluss ertranken, als sie sich um rivalisierende Claims stritten.

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Nach Inishore kamen wir an Innishcorkish Island vorbei und beim Passieren von Innishcorkish hatten wir es wirklich bedauert, dass das alte Ehepaar nicht mehr das Restaurant führte, denn wie gerne hätten auch wir einmal diese Romantik erleben wollen. Jeder hatte uns davon vorgeschwärmt, wie schön es doch dort wäre und wie gastfreundlich doch John und Sheila Reihill wären. Da wir aber mittlerweile in Erfahrung gebracht hatten, dass die Insel derweil verkauft worden war und dass man hier nun nicht mehr anlegen sollte, fuhren wir einfach an Innishcorkish Island vorbei. Trotzdem hatten wir den doch recht gageligen Anleger vor Augen, an dem wir letztes Jahr noch kurz angelegt hatten und das war wirklich ein Abenteuer für sich gewesen.

 

 

Wir hielten uns weiter entlang des nördlichen Kurses und so konnten wir das Boot von Heinz Werner öfters mal auf seinem Weg sehen.

Das Wetter wurde immer schlechter, es regnete und es wurde zunehmend diesiger, das lag aber wohl mehr daran, dass die Scheiben immer mehr beschlugen, leider funktionierte das Gebläse für die Scheiben nicht mehr, das hätte uns hier sicherlich gut geholfen. Zwischen den Markern 33K, bei der Insel Inishleague und 33H, bei der Insel Inishcreagh, konnte man den Weg Richtung Norden kaum erkennen. Schon im letzten Jahr hatten wir hier Probleme, denn da standen wir plötzlich neben diesen Markern. Eigentlich nichts schlimmes, aber seit 2005 ist dieser Abschnitt gesperrt.

Damals fuhren wir ganz, ganz langsam aus diesem Gebiet wieder heraus, passiert war zum Glück nichts. Nachdem wir Marker 33J gefunden hatten, dieser Marker befindet sich auf der anderen Seite von Inishcreagh, konnte Holger das Fernglas zur Seite legen, denn der Rest des Weges würde nur noch auf dem Fluss zurückgelegt werden. Wir passierten Belle Isle. Hier machte ich ein Foto von dem weißen Turm an der südlichen Spitze von Belle Isle. Dieses ist jedoch recht krisselig geworden, da es dort gerade heftig regnete.

Weiter ging es entlang von Belle Isle, die wir natürlich so passierten, dass sie rechts von uns lag, denn man konnte zwar auch anders fahren, doch konnte man so nicht um die gesamte Insel herum fahren. Ein Teilabschnitt war in unserer Karte gesperrt.

 

Belle Isle
Belle Isle war früher der Sitz des Mc Manus Klans und ursprünglich hieß die Insel Bally Mc Manus oder Shanid (synod ≙ Synode). Belle Isle war in Fermanagh immer als ein Ort des Lernens bekannt. Der MacManus Klan war ein Zweig der Maguires. Sie waren die Nachkommen von einem Manus Maguiere, daraus entstand dann Mac oder Sohn von Manus. Ihr Häuptling, Cathal og Mc Manus, ein gelehrter Schreiber des 15. Jahrhunderts, verfasste eine der besten Sammlungen der „Annals of Ulster“ (Annalen von Ulster), ohne die die Historiker verloren gewesen wären. An einer Straße außerhalb von Belle Isle gibt es eine Gedächtnistafel, die an ihn erinnert. Auf ihr steht nachfolgendes zu lesen:
„Cathal og Mc Maghnusa 1438-1498. Compiler of the Annals of Ulster.”
(Cathal og Mc Maghnusa 1438-1498. Der Verfasser der Annalen von Ulster.)

Rory Lunny half ihm dabei, seine Aufgabe zu erfüllen. Noch heute gibt es Lunnys in diesem Areal. Cathal wurde Gemeindepriester von Inishkeen, Kanonikus und Generalvikar von Clogher und Dekan von Lough Erne.
Er war ein verheirateter Mann und er hatte Kinder, welches beides nicht ungewöhnlich in Irland zu dieser Zeit war. Er starb 1498 an Pocken. Auch Alfred, der König von den Sachsen Northumbrians, nicht Alfred der Große, weilte hier für eine lange Zeit um zu studieren und um das Schreiben in Irisch zu lernen. Ursprünglich gab es hier mehrere Eiben, die hier wuchsen, die alt genug waren, um die Mc Manuses mit Holz für ihre Bögen zu versorgen, die sie brauchten, um Rotwild und die Wolfsrudel zu jagen.

Die Eiben versorgten die Menschen auch mit den Dingen, die sie brauchten, um ihre religiösen Feiern zu feiern, zum Beispiel schnitten sie sich Wedel von den Eiben, um den Palmsonntag zu zelebrieren.
Einige von den Mc Manuses waren Bootsmänner von den Maguires, aber das verhinderte nicht den Überfall auf Belle Isle, der 1492 stattgefunden hatte. Philip und Edmond Maguire kamen mit „Cots“ (Flachbodenbooten), um Belle Isle zu überfallen, sie töteten zwei Farmer, wurden aber wiederum davongejagt. Ihre Cots sanken und vierzehn Männer der Maguire ertranken. Als sie an Land geschwommen waren, erhoben sie Anspruch auf die heiligen Plätze von Belle Isle und das war nun wirklich sehr ironisch! Das Reiten auf Vieh war zu diesen Zeiten ein verbreitetes Ereignis, es war schon fast wie Sport angesehen.

Die Festung der Maguire erschien auf der Karte von 1590, aber während der „Plantation of Ulster“ (die staatlich geförderte Ansiedlung protestantischer Migranten im Irland des 17. Jahrhunderts) wurde Sir Paul Gore dieses Land zugesprochen und er baute hier 1629 ein Haus. Dadurch, dass er ein abwesender Landlord war, denn er lebte in Donegal, beschäftigte er sich nicht viel mit den baulichen Arbeiten des Hauses und so wurde das Haus 1720 von Sir Ralph Gore, dem späteren Viscomte Bellisle und Earl of Ross, saniert und verschönert. Verschiedene schöne landschaftliche Besonderheiten wurden hinzugefügt, wie ein Tempel auf dem Hügel. Lord Ross hatte gewöhnlich ein so großes „Cot“ (Flachbodenboot), dass er seine Kutsche und seine Pferde über den See bringen konnte, um sie dann auf der anderen Seite ausbooten zu lassen. Man vermutet, dass sich sein Lieblingsausritt auf der Knockninny Seite des Sees befunden haben könnte. Auch wird gesagt, dass sein Geist nach seinem Tod immer noch das Haus besucht.
Der Reverend John Grey Porter reparierte das Haus im Jahr 1837 und er baute auch die in der Nähe gelegene „St. Michael’s Church“ (St. Michael’s Kirche), von welcher er der Amtsinhaber wurde. Er war ein großer Philanthrop (Menschenfreund), der es hasste, dass Leid der Menschen während der Jahre des „Great Famine“ (der Großen Hungersnot) mit ansehen zu müssen.

Sein Sohn, John Grey Vesey Porter baute den Pferdestall mit Innenhof und er gestalte das Haus in den herrschaftlichen Stil um, auch fügte er 1890 den Turm im Südosten hinzu.
Mr. Porter unterhielt eine ausgezeichnete Bibliothek an historischen Büchern und er sammelte nationale Antiquitäten, eine davon war eine Urne, die wohl die Asche eines früheren Königs oder eines Adligen enthielt.

 

 

 

 

 

Mr. Porter gründete auch die lokale Zeitung, die Lisbellaw Gazette. Er hatte einen großen Plan. Er wollte Enniskillen, Belleek und Belturbet zu den Hauptpunkten eines großen Netzwerkes der inländischen Schifffahrt machen, die sich über ganz Irland ausbreiten sollte. Das bedeutete, dass das Flussbett des Lough Erne ausgebaggert und ausgebaut werden musste, die Flüsse müssten untereinander verbunden werden und es müssten Wehre, Schleusen und Siele gebaut werden, welche das Wasser auf einen Pegel das gesamte Jahr über halten würden. Auch könnten die beinahe veralteten Kanäle wieder dazu gebraucht werden, Güter zu transportieren. Er versuchte die Menschen zu überzeugen, dass die Eisenbahn und die Schifffahrt gut nebeneinander existieren könnten und dass sie nicht nur Konkurrenten wären. Er kaufte 1880 „The Steam Ship Belturbet“ (das Dampfschiff Belturbet), um damit Fahrten von Belturbet nach Enniskillen zu unterhalten. (Dieses wurde im Ersten Weltkrieg konfisziert, um den Bedarf an Alteisen zu decken, das Steuerrad aus Eisen lag jedoch für Jahre herrenlos herum, bis es von George Morrisey aus Belturbet wieder gefunden wurde. Heute hängt es im restaurierten Bahnhof in Belturbet.) Das andere Dampfschiff von Mr. Porter hieß „The Knockninny“.

Aber auch eine Tragödie passierte hinter der großen Fassade des Gebäudes. 1863 heiratete John Grey Vesey Porter Elizabeth Jane, die Tochter von Richard Hall of Inishmore. (Er war damals 47 Jahre alt, sie jedoch nur 18 Jahre alt.) Irgendwann danach bemerkte Mr. Porter, dass seine Frau eine Liaison mit Capain Pointer hatte. (Dieser gehörte dem 16. Regiment an, das in Enniskillen stationiert war.) Mr. Porter, führte Captain Pointer hinters Licht, indem er sich in die Kleider seiner Frau kleidete und entführte ihn mit einem Boot. Nachdem er seinem Feind eine Seite seines gewachsten, drei Zoll langen Schnauzbartes abgeschnitten hatte, zwang er seine Frau dazu, aus dem Fenster zuzusehen, wie ihr Geliebter ausgepeitscht wurde. Elizabeth Jane verließ danach ihren Mann endgültig. Von der ganzen Affäre wurde in den Zeitungen berichtet und das wiederum rief einen Skandal herauf. Als ein Archdale nach John Grey Vesey Porter den Titel erlangte, wechselte er den Namen in Porter Porter um.

Belle Isle musste schon früh ein wichtiger lokaler Ort für die Gemeinschaft gewesen sein, sogar schon vor der Zeit der Mc Manuses, denn es gibt hier zwei kreisrunde Ráths (Rundforts mit Befestigungen aus Holz). Eines von ihnen ist mit Fort Hill auf der Karte markiert. Eine feine Brosche, die auf 500 nach Christus zurückdatiert werden konnte und die auf Belle Isle gefunden wurde, befindet sich heute im National Museum von Dublin.

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

Nach kurzer Zeit kamen auch schon die ersten privaten Anleger von Carrybridge in Sicht und Holger musste jetzt die vorgegebenen 5 km/h einhalten. Es regnete immer noch in Strömen. Zum Glück wollten wir hier keine Pause zum Tanken einlegen, denn das hatten wir ja gestern zum Glück in Belurbet geschafft. Wir passierten die Brücke von Carrybridge und sahen noch recht viele private Boote an Land liegen. Die wurden erst jetzt nach und nach zu Wasser gelassen und heute war gewiss kein guter Tag dafür.

Manche von diesen Booten an Land waren wirklich so gesichert worden, das einem schon beim Anblick die Haare zu Berge standen. Das die Boote so den Winter an Land überlebt hatten und nicht ins Wasser gerutscht waren, grenzte förmlich an ein Wunder.

 

 

Auch ein Boot von Linssen sahen wir an Land liegen. Von diesem Bootshersteller stammte auch das neue Boot von Waveline. Die privaten Anleger, gerade vor der Brücke, waren aber auch schon recht gut gefüllt. Man merkte doch, dass die Bootssaison schon gestartet war. Rechts von uns lag jetzt die Insel Inishmore, die größte Insel des Upper Lough Erne.

 

 

Inishmore Island
Inishmore ist die größte von allen Inseln des Upper Lough Erne und sie war der Sitz von R. Hall, Esq, J.P., der in Inishmore Hall in Derrybrusk lebte, einem hübschen viktorianischem Haus mit einem schönen Grundbesitz. (Richard Hall war der Vater von Elizabeth Jane Hall, die wiederum die fremdgehende Frau von Mr. Porter von Belle Isle war.) Das Gebäude ist schon seit langem verschwunden, aber seine vier Säulen sind ein Teil der „War Memorial Gates“ (Kriegsgedächtnistore) bei der „Portora Royal School“ (königliche Schule von Portora) in Enniskillen. Inishmore Island ist heute mit einer Brücke auf der einen Seite und einem Viadukt auf der anderen Seite mit dem Festland verbunden.

 

Die Brücke bei dem Carrybridge Hotel wurde im Dezember 1956 von der IRA in die Luft gejagt, genauso wie die Lady Brooke Bridge bei Trasna Island.

Trotzdem es hier eine alte Kapelle und einen alten Friedhof bei Tully, im Nordwesten der Insel gibt, gab es hier nie eine klösterliche Ansiedlung. Man glaubt, das könnte daran liegen, dass im 7. Jahrhundert St. Ultan, der Bischof von Clogher, den inländischen See verflucht und trocken gelegt hatte, nachdem die Einwohner von Arda sein Vieh gestohlen hatten und es auf einem Crannóg (Crannόgs = künstliche, befestigte Inseln in Ufernähe eines Sees, die während der Eisenzeit angelegt wurden) versteckten. Aus diesem Grund blickten auch alle zukünftigen Erbauer eines Klosters nicht gefällig auf diesen verfluchten Ort.

 

Dieser Ort war jedoch offensichtlich ständig bewohnt, denn es gibt hier eine Anzahl von Ráths. Sir Henry Spottiswoode, der Sohn von dem Bischof of Clogher wohnte auch hier im 16. Jahrhundert und er schuf eine Ansiedlung um ihn herum.
Das Carrybridge Hotel besitzt ein gutes Restaurant, eine gute Bar und eine gute Unterhaltung. Entlang der Anleger, der Marina und der Tankstelle für Boote gibt es eine Reihe von schätzenswerten Geschichten.

 

 

 

Bevor der Ort als Carrybridge bekannt wurde, hieß die Gegend Caradh Ui Bhanain, welches „The Fish Weir of Bannon“ (das Fischwehr der Bannon) bedeutet. Die Familie der Bannon war eine sehr frühe Familie in Fermanagh und sie war eine der Herenach Familien von Derryvullen. (Die Herenachs waren Familien, die das Land bewirtschaftete und sich um die Kirche kümmerten. Der Titel Herenach wurde vererbt.) So steht also Carrybridge für ein Fischwehr, welches verschwand, als die Fahrrinne vertieft wurde. Auch das kleine Bootshaus aus Stein, das sich in der Nähe des Ufers unterhalb des Hotels befindet, hat eine Geschichte zu erzählen. Es war hier, vor mehr als hundert Jahren und vor dem Bau der Brücke, als ein Bootsmann, der hier lebte, arbeitete und ein „Cot“ (Flachbodenboot) ruderte, für 6d (6 Pence), die er als Fahrgeld verdient hatte, ermordet wurde.

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Nachdem wir die 5 km/h Begrenzung von Carrybridge hinter uns gelassen hatten, konnte Holger wieder etwas mehr Gas geben und so näherten wir uns recht schnell Knock Island. Hier wies uns ein recht ramponiertes Schild im Wasser auf den Weg nach Knockninny hin, also einmal wieder zurück, was wir ja nun nicht wollten. So schlugen wir vor Knock Island den westlichen Kurs ein, der ist sogar nach Enniskillen ein paar Meter kürzer und zu sehen gab es bei dem Wetter ohnehin nicht viel. Langsam wurde es auf dem Erne voll. Vor uns fuhren eine ein Privatboot, ein Boot von CarrickCraft und eine Penichette.

Wir überholten alle Boote, da diese recht langsam fuhren. Kurz nach der Brücke, die Knock Island mit dem Festland verbindet, blickten wir uns um und sahen natürlich das Boot, das wir ja gerade überholt hatten, aber auch noch ein weiteres Boot, das eine große Deutschlandflagge führte. Udo hatte sich hinter uns eingereiht. Er hatte sich scheinbar auch Enniskillen als Ziel ausgesucht. Noch sahen wir das Boot von Albert nicht, aber weit entfernt konnte es nicht sein, denn wo Udo ist, ist Albert nicht weit.

 

 

Kurz vor Cleenish Island sahen wir wieder Hinweisschilder im Wasser stehen. Das eine zeigte uns wieder einen Weg zurück, das andere wies jedoch nach Enniskillen und dem fuhren wir dann auch nach.

 

 

 

Wir kamen nun an Cleenish Island vorbei, wo sich mehrere Angler zum Angeln eingefunden hatten.
 Natürlich hatte auch hier jeder seinen Schirm dabei. Nun sahen wir auch das Boot von Albert, das sich hinter dem Boot von Udo eingereiht hatte. Die Angler wunderten sich sicherlich darüber, dass jetzt schon das dritte Boot mit einer Deutschlandflagge an ihnen vorbei gefahren war, denn nicht nur Udo führte sie, sondern auch Albert und wir natürlich ebenfalls. Auch hier war das Wetter leider nicht besser geworden. Es regnete immer noch in Strömen. Hoffentlich hatten wir wenigstens in Enniskillen ein paar trockene Abschnitte, denn dort wollte ich ja noch ein paar Bilder von der Stadt machen.

 

 

Cleenish Island
Cleenish Island oder „The Sloping or Slanting Island“ (die abschüssige oder die sich neigende Insel) ist sehr interessant. Neben den Angelstegen gibt es dort einen alten Friedhof innerhalb einen der Ráths, der alle Historiker fasziniert. Man glaubt, dass es einer der ältesten in der Gegend ist, der bis in die Mitte des 6. Jahrhunderts zurückdatiert werden kann. Zu dieser Zeit wurde die Kirche und das Kloster von St. Sinnell MacMianaig (Sohn von Manacus bzw. Maynacur) gebaut. St. Sinnell MacMianaig war ein Jünger von Finian of Clonard und er wurde als einer der „Twelve Apostles of Erin“ (Zwölf Apostel von Erin) bezeichnet.

Die „Twelve Apostles of Erin“ (Zwölf Apostel von Erin) waren ein vornehmer Bund von Arbeitern und Lehrern, deren Schüler in die gesamte Welt zogen und Irland so zu dem Namen „Island of Saints und scholars“ (Insel der Heiligen und Gelehrten) verhalfen. Einer ihrer berühmtesten Schüler war Columbanus. Das Kloster lehrte verschiedene Sprachen und Schriften, genauso wie Geschichte, Geometrie, Kunst und Dichtkunst und es hatte ein barsches Regime. Auch St. Finton (oder St. Finian) lebte hier achtzehn Jahre lang.

Viele der Steine waren 1790 entfernt worden, um dann zum Bau anderer Gebäude wieder verwendet zu werden. Zu den Gebäuden gehören die Kasernen in Enniskillen, in denen sich heute die Polizeistation befindet und das Fort auf dem „Cole’s Hill“ (Cole’s Hügel). Jedoch blieben zwei Steine bestehen. Einer ist ein Konsolenstein von der alten Kirche, wahrscheinlich aus dem zwölften Jahrhundert und der andere ist eine gewaltige Steinplatte mit einer runden Rückseite, welche wahrscheinlich ein Fenster- oder Türsturz gewesen war. Diese beiden Steine sind bis heute hier vorhanden und wunderschön anzusehen, trotzdem sie in Laufe der Jahre durch die Verwitterung anders aussehen, als sie Mary Rogers in ihrem Buch „Prospect of Erne“ (die Aussicht auf den Erne) beschrieben hatte oder als sie Dean Henry 1794 gezeichnet hatte. Dean Henry beschrieb den aus Stein gehauenen Kopf wie folgt: „Das Haar ist eigenartig verflochten, ein bisschen nach der Mode der Bärte wie auf drei der Köpfe auf dem Sims des Turms von Devenish.“ Die Oberseite des Steins über dem Kopf ist nicht waagerecht ausgerichtet, als wenn sie extra gewinkelt worden ist, um den Giebel zu stützen. Es gibt zwei Kreuz-Platten der frühen christlichen Art und Weise, die im Friedhof liegen.

Der Gottesdienst wurde nach 1620 von Cleenish zur Kirche in Bellanaleck verlegt, aber an die Ruinen eines Glockenturms mit einer Spiraltreppe aus Stein in seinem Inneren konnte man sich noch bis in die 1830er Jahre noch erinnern.

Wenn man in Enniskillen ist, sollte man sich die „Cleenish Heads“ ansehen, die dem Museum des „Convent of Mercy“ (Kloster der Barmherzigkeit) von Enniskillen gespendet wurden. Hier gibt es zwei Köpfe aus Stein, nicht ganz lebensgroß. Sie befanden sich zu einer Zeit in dem Besitz des Gemeindepriesters von Cleenish, der sie dann an das „Convent of Mercy“ (Kloster der Barmherzigkeit) weitergegeben haben musste, als er starb. Sie sind eindrucksvoll und sie erinnern uns an den Kopfkult der vorchristlichen Zeit, als die Köpfe der Feinde, die in der Schlacht abgetrennt wurden, dem Sieger noch extra Kraft und ein langes Leben versprachen.

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Jetzt vollführte der Erne einen Bogen und wir kamen an „The Moorings“ vorbei. Von diesem Restaurant hatten wir im Forum auch schon viel gelesen, besucht hatten wir es jedoch noch nicht. Wir sind im Urlaub nicht so die Essensgeher. Meist macht Holger uns abends etwas Warmes zu essen und mit dem morgendlichen Frühstück langt uns das dann auch für den ganzen Tag. Wir sind ja nicht wegen des Essens nach Irland gekommen, wir wollen ja so viel wie möglich von der Gegend sehen.

Zu unserer rechten Seite befand sich nun die Insel Inishkeen, die eigentlich keine Insel ist.

 

Inishkeen
Inishkeen oder „The Beautiful Island“ (die schöne Insel) ist tatsächlich heute überhaupt keine Insel, sie ist aber ein Kap des östlichen Ufers des Sees, das gegenüber von Lisgoole liegt. Möglicherweise war sie in einem Stadium, bevor der Wasserpegel in den 1800er Jahren dreimal abgesenkt wurde, eine Insel. Sie ist nur quer über Felder betretbar, die sich im Privatbesitz befinden.

Innerhalb einer Anhöhe eine Ráths von Inishkeen ist der Ort der Gemeindekirche von dem Bezirk Enniskillen, die heute aber zu Ruinen verfallen ist. St. Fergus, der Sohn von Ennius war möglicherweise in dem 6. Jahrhundert der Gründer des ursprünglichen Klosters. Manche Quellen besagen jedoch, dass St. Moachaimore, der Sohn von Endus, der Gründer gewesen war und sein Bruder Fergus soll sein Nachfolger gewesen sein. Die „Martyrology of Donegal“ legt dar: „Dort gibt es eine Gemeindekirche von St. Fergus, ohne Heilung der Seelen, da ihr Pfarrhaus weltlich und ungeeignet ist.“ So scheint es, dass die Gemeindekirche schon in einer ganz frühen Phase von weltlichen Priestern betreut wurde. In der Steuerveranlagung von 1306 unter der Dekanei von Lough Erne hatte sie einen Wert von zwei Mark. 789 brannte sie, 948 wurde sie geplündert und 1166 brannte sie erneut.

Die Owens Familie spielte in dem mittelalterlichen Klerus eine bedeutende Rolle. David Owens, Erenach (ein erblicher Verwalter der Kirchenländer), starb 1369, Maurice Owens, der Vikar von Inishkeen, starb am 9. November desselben Jahres. Es gab so viele aus der Familie der Owens, dass einige von ihnen, wie Grey Dean (Gilla Downey Owens), der 1394 starb und sein Nachfolger Bald Dean (David Owens) besser unter ihren Spitznamen bekannt waren. Durch Anordnungen gab es in den frühen 1400er Jahren etliche schwierige Zeiten. Die Ernennung von Matthew Owens erfolgte gegen bestehendes Kirchenrecht ( auf unkanonische Weise ) mit der Auflage, dass er binnen Jahresfrist die Priesterweihe erhalten müsse. Letzteres hielt er jedoch nicht ein. Peter Maguire, der spätere Bischof von Clogher, Rory Maguire und eine Patrick O’Sodan stritten sich in dieser Zeit ebenfalls um kirchliche Positionen.

Terence O’Carbery beklagte sich 1450 über das eigensinnige Leben des Patrick O’Fuadachan (ein uralter Name von Fermanagh), der der Vikars von Inishkeen war, in der Hoffnung, die Position nach ihm zu bekommen. Eine päpstliche Untersuchung wurde angeordnet, aber Patrick und Terence hatten ihre eigenen Vereinbarungen getroffen, die festlegten, dass Patrick zu Gunsten von Terence abdankte und dass Patrick dann eine Lebensrente von den kirchlichen Erlösen erhalten sollte. Diese nette Vereinbarung wurde durch Thady McClusky an den Papst weitergegeben, der eine weitere Untersuchung veranlasste und Thady versprach, dass, wenn alle Inhalte bewiesen wären, er Inishkeen bekommen würde. Das war eine Art und Weise der kirchlichen musikalischen Stühle!

Cathal Og MacManus war ein Gemeindepriester und er schrieb einer Menge an lokalen Nachrichten in seinen „Annals“ (Annalen) nieder. Er berichtete 1420, dass: „die Söhne von Art Maguire von Hugh Maguire in Inishkeen am Lough Erne getötet worden waren“ Die Söhne hießen sehr anschaulich. „Owen the Crooked“ (Owen, der Bucklige), „Timothy the Grey“ (Timothy, der Graue) und „Rory the Twany“ (Rory, der Gelbbraune). Irische Spitznamen können schmeichlerisch sein oder auch übel wollend und manchmal sind sie das Gegenteil des wahren Bildes. Zum Beispiel „Happy“ (glücklich) könnte für eine Person stehen, die niemals lächelt.

Die Ruinen, die heute zu sehen sind, stammen von einer Protestantischen Kirche aus dem späteren 15. Jahrhundert, die mit älterem Material gebaut worden war. Einige der Steine erfüllten jedoch das gleiche Schicksal wie die Steine von Cleenish, denn sie wurden mittels eines „Cot“ (Flachbodenboot) nach Enniskillen befördert, um dort als Füllgut oder für Bauwerke ihren Zweck zu erfüllen. Der dekorative Kopf von einer Konsole von Inishkeen wurde auf einem Friedhof vor nicht so langer Zeit gefunden. Er wurde in das Fermanagh County Museum gebracht, um dort sicher aufbewahrt zu werden. Mit ihm gelangten noch anderen Quadersteinen von der Kirche aus dem 15. Jahrhundert und einige schöne romanische Schnitzereien von einer früheren Kirche in das Museum. Verschiedene, interessante fleur-de-lis (auch Fleur-de-Lys – französisch für "Lilienblume", "Lilienblüte") Schnitzereien auf dem Stein scheinen ihm einen beinahe internationalen Touch zu geben. Hier gibt es auch einen sehr ungewöhnlichen und sehr verwitterten, aus Stein gehauener Kopf mit verlängerten Ohren auf einem gebrochenen Schaft eines Kreuzes. Diese Teile von Steinkreuzen des frühen irischen Typs, zeigen die frühe Bedeutung dieses Ortes auf. Waffen aus der Bronzezeit, wie ein 23,5 Zoll Schwert, wurden hier um den See herum gefunden.

Der Kirchhof war einer der wenigen, der von dem Katholischen Volk während der „Penal Laws“ (Penal Laws dt.: Strafgesetze; speziell gegen Katholiken gerichtete Gesetze des 18. Jahrhunderts, die eine volle Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zumindest erschwerten, oft sogar unmöglich machten) benutzt wurde. Einige von den übrig gebliebenen Gewölbepfeilern könnten als Schutz des Openair Gottesdienstes gedient haben. Drei andere Überlieferungen von Inishkeen überlebten. Die erste war, dass es ein Altarraum innerhalb der Gewölbepfeiler gegeben haben soll. Die zweite war, dass man vom Wasser eines Sockels, eines anderen Kreuzes annahm, dass es Zahnschmerzen heilen könnte und die dritte war, dass es hier ein Nonnenkloster gegeben haben soll, dass den gleichen Auftrag und den gleichen Status wie Klosterbrüder von Lisgoole hatte.

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

Weiter ging es entlang des Ernes und wir kamen an Killyhevlin vorbei. Hier hatten wir schon einmal vor zwei Jahren festgemacht, wir wollten hier damals auch eigentlich über Nacht bleiben, fuhren dann aber doch noch nach unserem Einkauf an Land bis nach Ardhowen weiter.

 

The Killyhevlin
Der letzte Anleger am Upper Lough, ist dieses sehr schöne Hotel, das in einer reizenden Landschaft eingebetet ist. Hier gibt es Stege für Angler, einen öffentlichen Anleger für Boote, was das Hotel wirklich sehr ansprechend macht. Auch findet man hier Chalets für Leute, die sich gerne selbst versorgen wollen. Jedes Chalet hat seinen eigenen Anleger. Das Hotel hat 43 Zimmer und es besitzt ein schönes Restaurant mit einer musikalischen Unterhaltung durch den hoteleigenen Pianisten. In dem Restaurant kann man zu Mittag und zu Abend essen. Zu dem Hotel gehört auch ein Gebäude mit Konferenzräumen.

In der Vergangenheit war das Ufer im Westen eine schöne Gegend mit Bäumen, die Drumnesna oder „The Ridge of the Swimming“ (die Schwimmkante) genannt wurde. Sie war die Heimat für eine enorme Anzahl von Kaninchen. Die kleine Insel in dieser Gegend entstand, als der Fluss ausgebaggert und vertieft worden ist und eine alte Furt weggenommen wurde. Arbeiter entdeckten dabei mehrere schöne Speerspitzen, eine prähistorische Axt und eine Schwert aus goldener Bronze. Auf diesem Flussabschnitt hatte es auch Aalreusen gegeben.

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Nun hatten unsere Verfolger aber ganz schön zugenommen. Mittlerweile herrschte ja fast Rushhour auf dem Erne. Wer hatte eigentlich das Gerücht im Forum ins Leben gerufen, dass auf dem Erne wenig los sei?
Holger zählte einmal zehn Boote hinter uns. Das war schon eine gewaltige Menge. Auf dem Shannon wären wir ja mal froh gewesen, wenigstens ein Boot zu sehen.

Neben Udo und Albert war auch noch Martina im Tross, so waren wir fast alle wieder zusammen.

 

 

Jetzt kamen wir Enniskillen immer näher. Kurz vor dem Anleger vom Ardhowen Theatre kamen wir an den Steinpfeilern vorbei, die aus dem Wasser ragten. Es sind die Überreste der „Weir’s Bridge“ (Reusen Brücke), die 1878-1879 gebaut worden war, um die „Sligo, Leitrim and Nothern Counties Railway“ (Sligo, Leitrim und Nothern Counties Eisenbahn) über den Fluss zu führen. Die Reise von Enniskillen nach Sligo dauerte drei Stunden. Die Eisenbahn wurde 1957 geschlossen und die Brücke wurde in den frühen 1960ern abgerissen. Die Brücke erhielt ihren Namen durch zwei frühere Aalreusen, die sich an diesem Ort befanden hatten.
Die Aalfischerei war im frühen 19. Jahrhundert eine wichtige Industrie und pro Jahr wurden hier 700-1000 Dutzend Aale gefangen, meistens für den einheimischen Konsum. Pro Dutzend Aale wurden 4/5 Schillinge gezahlt. Der Überschuss wurde gesalzen, in schmale Fässer gepackt und bis zur Fastenzeit aufbewahrt. Danach wurden sie übers Wasser nach Belturbet in die Grafschaft Monaghan transportiert, wo sie guten Absatz bei Einzelhändlern aus den Nachbargrafschaften Cavan und Longford fanden.

 

 

 

Beim Passieren des Anlegers vom Ardhowen Theatre stellten wir fest, dass dieser geschlossen war. Warum wohl? Uns war es jedenfalls neu. Scheinbar wurden hier neue schwimmende Jettys installiert. Beim Durchforsten des www fand ich dann auch eine Antwort darauf. Hier war unter dem Link http://crpeportal.biznetservers.com/index.cfm/section/article/page/MarineNotice35of2005

folgendes zu lesen:
Marine Notice No. 35 of 2005
ERNE NAVIGATION
Temporary Closure
Waterways Ireland wishes to advise all Masters and Users of the Erne Navigation that the Public Jetty at Ardhowen in Enniskillen and the Public Slipway at Rassigh on Lower Lough Erne will be closed from 18th November 2005 until further notice due to essential maintenance repairs.
Further information may be had from the Lough Erne Warden at 0044 (0) 28 66322836.

Captain John Gillespie
Inspector of Navigation
17th November 2005.
Tel: 00 353 (0)90 6494232
Fax: 00 353 (0)90 6494147

 

Das erklärte natürlich alles.

 

 

 

Es regnete immer noch, wie hätte es auch anders sein sollen, aber auch bei Regen kann man in Enniskillen Fotos machen.
In Enniskillen legten wir um 14:00 Uhr an. Wir machten uns gleich landfein und verließen das Boot. Wir gingen zunächst zur Sports Factory. Dieser Laden hatte Ausverkauf und heute war der letzte Tag. Wir hatten den Tipp von Martina bekommen. Nachdem wir ein paar Schnäppchen ergattern konnten, gingen wir kurz an Bord zurück, um den Einkauf wieder los zu werden. Anschließend ging es in das Erne Side Shopping Center zum Juwelier. Das Armband, das mir bei meinem Autounfall zerquetscht worden war, stammte von hier. Ich hatte es am 11.09.2003 von Holger zum Hochzeitstag bekommen.
Ich hatte die Hoffnung, dass sie es mir hier reparieren könnten. Leider hatte der Laden keinen eigenen Goldschmied, so dass auch hier das Armband hätte eingeschickt werden müssen. Traurig verließen wir den Juwelier und starteten eine Enniskillen Fotosafari. Jeder Stein, der eine historische Bedeutung hat, wurde von mir fotografiert und trotz des Regens wurden die Bilder doch recht gut. Das hatte ich natürlich nur dieser tollen Kamera zu verdanken. In Enniskillen aßen wir diesmal auch eine Kleinigkeit zu Mittag.
Geschmeckt hatte es jedoch so lala und der Service war auch nicht gerade berauschend. Nach dem Mittag, wir waren gerade wieder nach draußen gegangen, begrüßte uns ein Ire ganz nett und freundlich. Es war der Skipper der Gypsy Star. Das war das Boot, das uns durch die letzten Schleusen des Shannon-Erne-Waterways begleitet hatte und das Holger in Belturbet an der Tankstelle von ESL Gesellschaft geleistet hatte. Aber irgendwie war es schon ein komisches Gefühl, dass man in Irland Leute kennt und auf der Straße begrüßen kann.

Nachdem ich alle Fotos gemacht hatte, kehrten wir zum Boot zurück. Vorher gingen wir aber noch schnell in den ASDA Markt, um uns mit Lebensmitteln einzudecken. Der Markt war jetzt etwas anders aufgebaut, da er einen neuen Eigentümer hatte, aber wir fanden uns schnell zurecht. Während des Einkaufs erhielt Holger eine SMS von Martina. Sie wären jetzt auf dem Weg nach Devenish Island, wo sie am östlichen Anleger übernachten wollten. Holger antwortete ihr, dass wir gerade einkaufen würden, wir ihnen aber danach folgen würden, da wir auch auf Devenish Island übernachten wollten. Nachdem wir an der Kasse unseren Einkauf schon bezahlt hatten, sahen wir eine große, transparente Plastikbox mit Klappdeckel; genau so eine brauchten wir noch, damit wir unsere Sachen, die wir in Irland lassen würden, gut verstauen könnten. Schnell war auch diese Box gekauft und nun kehrten wir auch endlich an Bord der Daisy zurück. Wir verstauten unsere ganzen Einkäufe und waren froh, dass wir die Plastikbox in einem der außen befindlichen Stauräume unterbringen konnten. So war sie uns im Boot jedenfalls nicht immer im Weg. Nachdem wir alles erledigt hatten, legten wir um 18:05 Uhr in Richtung Devenish Island ab.

 

Enniskillen Inis Ceithleann
Enniskillen ist eine lebhafte Stadt mit vielen Geschäften. Ihre reizvolle Lage auf einer Insel zwischen dem oberen und dem unteren Lough Erne macht sie zu einem idealen Ausgangspunkt für Touren an dessen Ufer oder durch die Sperrin Mountains, für Bootsfahrten auf dem Shannon-Erne-Kanal oder für Angelausflüge an die Seen von Fermanagh.
 

Stadtführung
Stadtmitte ▪▪▪ Wo heute die „East Bridge“ (Ostbrücke) steht, haben die Siedler 1614 erstmals eine Zugbrücke über die Furt gebaut; die heutige Brücke geht auf das Jahr 1688 zurück, wurde im Laufe der Jahrhunderte aber stark verändert. Von ihr führt die Straße weiter zu dem 1821-1822 vollkommen umgebauten „Courthouse“ (Gerichtsgebäude), dessen Eingang von einem gedrungenen dorischen Portikus beschirmt wird.

 

 

In den beiden Nischen des sechsgeschossigen Turms stehen die Figuren eines Dragoners und eines Füsiliers.

 

 

Am Diamond, dem zentralen Platz auf der Anhöhe, erhebt sich die 1898 erbaute „Town Hall“ (das Rathaus).

 

 

 
Der „Buttermarket“ (Buttermarkt) an der Down Street (bei der Kreuzung High Street/Church Street nach rechts) wurde zum Kunsthandwerkszentrum umgestaltet.

 

 

Ihr gegenüber steht die katholische „Saint Michael’s Church“ (Saint Michael’s Kirche) (1875) mit ihrer den Kirchen der französischen Gotik nachempfundenen Fassade; der ursprünglich geplante Turm mit der Spitze wurde allerdings nie fertig gestellt. Recht eindruckvoll ist das Chorhaupt, das von Strebewerk gestützt wird (1921).

 

 

Die Hauptstraße (Church Street) führt zur 1842 fertig gestellten anglikanischen „Saint Macartin’s Cathedral“ (Saint Macartin’s Kathedrale); der Turm stammt noch vom Vorgängerbau aus dem 17. Jahrhundert.

 

 

Die Straße führt nun hinunter zur „West Bridge“ (Westbrücke) (1892).

 

 

Links von der „West Bridge“ (Westbrücke) steht die „Enniskillen Castle“ (Burg von Enniskillen), rechts die alte Kaserne (1790), in der heute die Polizei untergebracht ist.

 

 

Forthill Park ▪▪▪ Am Südostrand der Stadt. Ihren heutigen Namen trägt die kegelförmige Anhöhe, die früher als „Camomile Hill“ (Kamillenhügel), „Commons Hill“ (Gemeindehügel) oder „Cow Green“ (Kuhweide) bekannt war, weil auf ihr 1689, während des Krieges zwischen Wilhelm III. und Jakob II., eine kanonenbestückte Sternschanze mit vier Bastionen erbaut wurde.
1836 wurde auf der Anhöhe ein Park angelegt.

 

 

 

 

Im Zentrum des Forts steht das zwischen 1845 und 1857 errichtete Cole’s Monument zu Ehren von General Galbraith Lowry Cole (1772-1842), dem Bruder des 2. Earls of Enniskillen.

 

 

Im Inneren der Säule führt eine Wendeltreppe (108 Stufen) auf eine Aussichtsplattform hinauf, von der sich ein weiter Blick über Enniskillen und sein Umland bietet.

 

Oskar Wilde und Samuel Beckett sind in der Portora Royal School zur Schule gegangen, die von Jakob I. 1608 im südlich von Enniskillen gelegenen Lisnakea gegründet wurde und 1777 in die Nähe von Portora Castle umzog.

 

 

 

 

 

Den Park schmückt ein viktorianischer Musikpavillon, eine orientalisch anmutende Konstruktion aus Gusseisen mit einer Uhr auf dem achteckigen Dach.

 

 

Der General war ein enger Freund des Herzogs von Wellington, an dessen Seite er in Portugal und Spanien gekämpft hatte.

 

 

 

 

Das Schulgebäude ist 1859 infolge einer von den Schülern verursachten Explosion teilweise eingestürzt.

 

 

Zitat aus: Der Grüne Reiseführer Irland, Michelin Reise Verlag

 

Um 18:35 Uhr erreichten wir Devenish Island und machten am östlichen Anleger fest. Martina und Matthias hatten uns ja schon erwartet und so wiesen sie uns auch gleich einen Anleger zu. Da wir vorne und hinten jedoch nur ein paar Zentimeter Platz hatten und wir zusätzlich auch noch ablandigen Wind hatten, wäre hier das Anlegen ohne fremde Hilfe nur sehr schwer von statten gegangen. Aber zum Glück hatten wir ja zwei, die uns halfen. Der Ire auf dem Privatboot guckte zwar sehr besorgt und er hatte scheinbar wirklich Angst um sein Boot, aber wir legten an, ohne sein Boot auch nur berührt zu haben. Leider konnte ich unseren Liegeplatz erst am nächsten Tag fotografieren, hatte es einfach vergessen und so ist auf dem Foto das irische Privatboot nicht mehr zu sehen. Verwunderlich war schon, wie voll auch dieser Anleger wieder war. Im letzten Jahr im September war hier lange nicht so viel los, wie dieses Jahr im April und selbst im August vor zwei Jahren hatten wir leichter einen Anleger gefunden.

 

 

 

Devenish Island

 

 

Irland war einst vom Berggipfel bis zu den Ufern der Seen sehr stark bewaldet. Der Wald bestand aus Eichen, Erlen, Eschen, Birken, Ulmen, Haselnusssträuchern, Weiden und anderen einheimischen Bäumen. Nur das Wasser der Seen und der Flüsse unterbrachen die Bäume.

Ungefähr vor 6.000 Jahren fingen die Farmer damit an, die Wälder zu roden, um Felder anzulegen und um Häuser und Schutzräume zu bauen. Der Prozess der Waldrodung für Weideland und Ackerflächen ging weiter, da die Bevölkerung wuchs und die Farmen größer wurden, aber die Landschaft war immer noch stärker bewaldet als heute.

Eine lange Zeit lang gab es weder Zäune noch Hecken in der irischen Landschaft und umschlossene Felder kannte man nicht. Es war die normale irische Praxis die gepflügten Felder und die Felder mit Saaten mit einer vorläufigen Hecke zu umgeben, die aus Zweigen und anderen Hölzern bestand. Nach der Saat wurde dann das Holz zur Befeuerung in den Wintermonaten benutzt.
Beinahe alle kirchlichen Orte, welche zu bedeuteten Klostern heranwuchsen, wie auch Devenish, wurden auf leicht zugänglichen Orten gebaut.

Durch die stark bewaldete Landschaft waren die Wasserwege die Straßen und Devenish befand sich an einer der Hauptstraßen von Irland. Mit einer 52 Meilen schiffbaren Wasserstraße vom Upper und Lower Lough Erne, lag Devenish sehr nah am Flusssystem des Shannons, so dass es möglich war, auch zur südwestlichen Küste zu reisen. Die Transporte mit dem Boot waren sehr viel einfacher als die Transporte über Land.
Devenish bestand einst aus zwei Inseln, die durch eine seichte Bucht getrennt waren. Diese versandete allmählich. Auf der ersten Karte von Irland, die 1609 gezeichnet wurde, wurde Devenish als eine Insel dargestellt.

St. Molaise, das Leben eines Heiligen
St. Molaise, der Gründer von Devenish, hatte mit St. Finnian in der Klosterschule von Clonard in der Grafschaft Meath studiert.
Es geht die Geschichte, dass Maedoc/Aiden, der spätere Bischof von Ferns und Molaise nebeneinander unter zwei Bäumen saßen und die göttliche Führung über die Zukunft suchten. Sie hofften auf ein Zeichen von Gott, als der Baum von Maedoc nach Süden fiel und der Baum von Molaise nach Norden. Maedoc ging so in die Grafschaft Wexford und Molaise ging in den Norden nach Devenish.

Molaise entstammte einem königlichen Stammbaum. Sein Vater war Nadfraech und siebter Nachkomme des Königs von Ulaidh. Seine Mutter stammte aus der königlichen Familie von Tara. Es ist schriftlich belegt, dass St. Patrick seine Geburt 60 Jahre vor dem Ereignis vorhersagte. Molaise überwachte den Bau der ersten hölzernen Kirche von Devenish und die Errichtung des ersten frühen Klosters.
Molaise war auch damit einverstanden, als Schiedsrichter bei den Zwisten unter den Prinzen von Ulster zu dienen.

Die Annalen beschreiben später „Devenish of the Assemblies“ (Devenish der Versammlungen) als einen Ort, wo regelmäßig die Besprechungen der Häuptlinge von Ulster stattfanden.
Devenish wurde zum Mittelpunkt für die Pilgerfahrt, als Tausende von Menschen die Insel am 12. September besuchten, um den Festtag von St. Molaise zu begehen.

Das frühe Kloster
St. Molaise gründete das Kloster auf Devenish im 6. Jahrhundert. Obwohl keines der Gebäude von dem früheren Kloster die Jahre überstanden hatte, können wir und heute durch archäologische Beweise von Devenish und anderen Orten vorstellen, wie es einmal ausgesehen hat. Viele der frühen Klöster befanden sich innerhalb einer Einfriedung und auf Devenish gibt es Beweise für eine große halbrunde Einfriedung. Diese Einfriedung war die Grenze dieses Ortes, der als heilig angesehen wurde, aber sie könnte auch als Verteidigungsbarriere gedient haben.

Die Kirche
Der Schwerpunkt des Klosters war die Kirche, die vollkommen aus Holz gebaut worden war, da dies die traditionelle irische Methode dieser Zeit war. Ein weiteres wichtiges Gebäude war das Gästehaus, denn es gehörte zu den Pflichten der Christen, sich um Reisende zu kümmern. Eine frühe Klosterregel ordnete an:
Ein sauberes Haus für Gäste und ein großes Feuer, sie zu waschen und zu baden, und eine Liegestatt ohne Kummer (ein gutes Bett)…
Andere Gebäude, die von dem frühen Kloster gegründet wurden, beinhalteten Refektorien, Kornspeicher, Werkstätten, Möglichkeiten zum Schreiben und Unterkünfte für die Mönche und die Laienarbeiter.

Das Kloster in Flammen
Klöster wurden bei vielen Gelegenheiten überfallen. Zwischen 612 und 792 ist in den Annalen schriftlich belegt, dass bei 30 Gelegenheiten irische Klöster brannten. Das in Brand stecken der Kirchen auf den befeindeten Gebieten schien ein wesentlicher Bestandteil der Kriegsführung zu sein. Der wirtschaftliche Wohlstand der Klöster wuchs und auch die politische Macht. So war es der Wunsch der irischen Könige, die Klöster zu beherrschen und ihre Familienmitglieder in die kirchlichen Ämter zu platzieren, der die meisten Angriffe auf die Klöster verursachte.

In den Annalen ist schriftlich belegt, dass: „Devenish 873 und 923 von einer Flotte von Fremden (Wikingern) überfallen wurde, die auf dem Lough Erne ihr Unwesen trieben und die Insel des Sees und das Gebiet um sie herum plünderte und dass sie im folgenden Sommer wieder wegfuhren.“
Die Annalen berichten auch, dass die Kirchen von Devenish 1157 und noch einmal 1360 brannten. Im Jahre 1167 gab es ein weiteres Feuer während eines lokalen Kampfes des lokalen Herrscherhauses, bei dem ein Sohn des lokalen Königs getötet wurde.
„Domnall, Sohn von Amhlaoibh O Maoil Ruanaidh, der König von fir Mhanach, wurde durch seine eigenen Verwandten in dem Rundturm von Daimhinis verbrannt.“

Das mittelalterliche Kloster 1157-1449
Bis zu dem 12. Jahrhundert war Devenish eine große, wichtige und Aktive Gemeinschaft. Die Steinkirchen St. Molaise’s House, Teampull Mór und die verschwundene Kirche wurden gebaut und ein Rundturm wurde errichtet.
Der Bau der neuen Kirchen mit komplizierten, aus Stein gehauenen Türen, Fenstern und anderen aus Stein gehauenen Einzelheiten erforderte eine Mannschaft von sachkundigen Handwerkern. Ein beträchtliches Kloster wie Devenish hatte seine eigenen Steinmetze, Bauhandwerker, Zimmermänner und Wartungsmonteure. Es war eine geschäftige und aufregende Zeit auf der Insel, auch das tägliche religiöse Leben ging weiter, Seite an Seite mit der Bebauung, der Hingabe zu den Gebeten, der Buße und des Lernens, der Haushaltführung, dem Aufenthalt von Reisenden in den Gebäuden, der Versorgung der Kranken und die Führung des Landes, des Lagers und der Gärten.

Die Kirchen von Devenish
1. Die verlorene romanische Kirche

Vierzig Fragmente aus Stein, die zu einer schönen Kirche gehören, einige davon sind verziert, wurden auf Devenish gefunden. Diese Kirche hatte eine verzierte Tür und ein Gewölbe über dem Altarraum. Es wird vermutet, dass die Kirche 1157 nach dem Feuer gebaut worden war oder vielleicht in den 1160er Jahren.
Auch Geistliche des Augustinerordens hielten sich auf Devenish auf. Die ersten sicheren Hinweise darauf stammen aus dem 15. Jahrhundert. Die Hauptentwicklung der Häuser des Augustinerordens ging in Irland jedoch schon seit den 1140er Jahren voran. Es liegt nahe, dass die verschwundene Kirche möglicherweise eine frühere Gründung eines Augustinerordens auf Devenish war. Die Kirche könnte auch eine frühere Teampull Mór gewesen sein. Oder vielleicht war sie auch eine andere Kirche, die sich nicht an dem Ort der jetzt noch bestehenden Kirchen befunden hatte. Man weiß genau, dass die frühen kirchlichen Gebiete über verschiedene Kirchen verfügten, so könnte es auch möglich sein, dass die Fundamente dieser frühen Kirche unter unseren Füßen verborgen ist.

2. „St. Molaise’s House“ (das Haus von St. Molaise)

 

 

Diese kleine Kirche war nicht für eine große Kirchengemeinde bestellt. Es war der Ort für kleine Gruppen von Mönchen, die hier ihre Amtsstube unterhielten und die hier ihre täglichen Gebete abhielten. Der Gebrauch des Wortes „House“ (Haus) in dem Namen der Kirche deutet darauf, dass die Kirche möglicherweise die Relikte von St. Molaise, dem heiligen Gründer, enthielt.

Die steinerne Kirche wurde vermutlich gebaut, nachdem eine „außerordentlich verehrte hölzerne Kirche“ in dem Feuer von 1157 abgebrannt war. Der Bau der Kirche benötigte eine große Menge an Arbeit und Handwerklichkeit, besonders das Dach, da hier jeder Stein in die Form von Dachziegeln gehauen werden musste und auf den unteren Stein gesetzt werden musste.

 

 

Die Steinmetze hatten den Ecksteinen der Kirche schöne Verzierungen im romanischen Stil hinzugefügt, das deutet darauf, dass die Kirche im 12. Jahrhundert gebaut worden war.

 

3. Teampull Mór

 

 

 

Die Ruine dieser kunstvollen Kirche, „The Great Church“ (die Große Kirche), diente als Gemeindekirche und als eine Kapelle der Culdeer.

Die Culdeer (von Céli Dé "Vasallen des Gottes") führten im frühen 8. Jahrhundert eine Reihe von strikten Reformen in die irische Kirche ein. Sie lebten meist neben einer mehr konventionellen Klostergemeinde ein abgeschiedenes und enthaltsames Leben. Später wurden sie weltliche Priester, die die Pflichten von kirchlichen Geistlichen ausübten. Sie bauten den Wohnanbau auf den ursprünglichen Fundamenten der Kirche.

 

 

Culdeer
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Die Culdee, Kuldeer oder Céli Dé (übersetzt "Vasallen des Gottes") bildeten einen alten klösterlichen Orden mit Ansiedlungen in Irland und Schottland. In frühen irischen Manuskripten ist der Name mit Cele De (die "geschworenen Verbündeten Gottes") belegt. Später wurde die Bezeichnung zu Coli dei latinisiert, abgeleitet von der Bezeichnung culdei nach Hector Boece, welche allgemein Mönche und Einsiedler bezeichnete.
Die Bezeichnung Culdeer könnte auf einen gemeinschaftlichen Ursprung eines Wortes aus dem hebräischen und dem keltischen Kulturraum herrühren:
• kaw-doshe (6918 from 6942): heilig, Gott, ein Engel,Heiliger, Heiliger Einer, Heiligtum
• kaw-dash (6942): Rein, gesegnet, heilig
• keh-desh (6943): Heiligtum
• kaw-deem (6921): die Grenze zum/vom heiligen Osten
• kaw-deesh (6922): Heiliger Geist
Mit einer Vertauschung des w mit dem l, das ähnlich klingt, können diese Worte auch als "Kaldie" verstanden werden: Heiliger Geist aus dem Osten.
Diese Interpretation wird ebenso weitergegeben, wie jene, das Josef von Aramethea und seine 12 Begleiter als Jüdische Missionare die Gründer der Culdee Kirche in Britannien waren.

Frühe Anfänge
Protestantische und besonders presbyterianische Schriftsteller stellten sich die Culdee lange Zeit in der Art romantisiert vor, das sie sich -frei von römischen Einflüssen- in einem entfernten Winkel Westeuropas ein primitives Christentum bewahrt haben. Diese Anschauung entsprach einer von Thomas Campbell in "Reullura" beleuchteten Sichtweise Frieden ihren Schatten:
„Die reinen, ersten Culdees waren die frühesten Gottespriester von Albyn (England), ehe noch eine der Inseln ihrer Meere durch den Fuß eines sächsischen Mönchs betreten wurde“.

Eine andere Sichtweise, ebenso veröffentlicht wie jene des Hector Boece in seiner lateinischen Geschichte Schottlands (1516), bezeichnet sie im neunten bis zwölften Jahrhundert als die direkten Nachfolger der organisierten irischen Mönche von Iona (6. bis 8. Jahrhundert).
Sowohl diese als auch andere Ansichten wurden von William Reeves (1815-1892), Bischof von Down, Connor und Dromore widerlegt.
Es wurden nur sehr wenige vertrauenswürdige Informationsquellen überliefert, aber es scheint heutzutage wahrscheinlich, dass die Liturgie nach Chrodegang (Chrodegang stellte Regeln auf für liturgische Gesänge und das kanonische Leben von Weltgeistlichen ("Regula canonicorum"), dem Erzbischofs von Metz († 766), von irischen Mönchen aus dem nordöstlichem Gallien in ihrer ursprünglichen Heimat verbreitet wurde. Die dort ansässigen irischen Einsiedler wurden damit an die Regeln und Vorschriften der Klöster gebunden.

Im Laufe des neunten Jahrhunderts finden neun Orte in Irland (einschließlich Armagh, Clonmacnoise, Klone, Devenish und Sligo) Erwähnung, an denen die Gemeinschaften der Culdees wie eine Art Anhang zu den üblichen klösterlichen Einrichtungen gegründet wurden.
Sie scheinen besonders die Fürsorge über die Armen und die Kranken inne gehabt zu haben und interessierten sich für den musikalischen Teil der Anbetungen.
Nachdem in Schottland die Mönche von Iona vom Pictenkönig Nechtan, dem Sohn von Derile, im Jahr 717 vertrieben wurden, sind diese Leerstellen nicht von den römischen Mönchen (die sich im Norden von Northumbria verbreiteten), sondern zum Ende des achten Jahrhunderts von Culdees aus Irland gefüllt worden.

Hochmittelalter
Die Eigenschaften ihres Lebens in Schottland, das als das wichtigste Zeitalter in der Geschichte des Ordens bekannt ist, scheinen sehr denjenigen der weltlichen Gemeinschaften Englands und des Kontinents zu ähneln. Von Anfang an lebten sie dort mehr oder weniger isoliert und ohne feste Form oder gemeinsamen Kopf neigte die Culdee Kirche dazu zu verfallen.

Im 12. Jahrhundert wurde die keltische Kirche nach römischem Muster völlig umgestaltet und in diesem Prozess verloren die Culdees auch jene Besonderheiten, die sie früher gehabt haben könnten. Sie wurden ebenso wie der weltliche Klerus unter die kanonischen Regeln Roms gebracht. Die Bilder, die wir von ihrem Leben im zwölften Jahrhundert haben, unterscheiden sich beträchtlich. Die Haupthäuser in Schottland waren bei St. Andrews, Scone, Dunkeld, Lochleven, Monymusk in Aberdeenshire, Abernethy und Brechin.

Jedes einzelne Haupthaus für sich war eine unabhängige Errichtung, vollkommen kontrolliert von ihrem eigenen Abt und es teilte sich anscheinend in zwei Abteilungen: Einen priesterlichen und einen weltlichen Teil, in dem ledige und verheiratete Mitglieder zusammen lebten.
Ungefähr ums Jahr 1100 gab es zu St. Andrews dreizehn von Culdees gehaltene Einrichtungen mit erblicher Amtszeit. Bei den Einnahmen wurde mehr Bedacht auf den eigenen Wohlstand und Erweiterung des Ordens als auf Dienstleistungen der Kirche oder gar Bedürfnisse des Volkes gelegt.

Eine von Königin Margareta von Schottland dringend erforderlich gehaltene Reform wurde von ihren Söhnen Alexander I. und David I. durchgeführt; allmählich ging die ganze Position in die Hände von Turgot und seinen Nachfolgern im Bistum über.
Regelmäßig wurden neue Kanons Roms bekannt und einige der Culdees schlossen sich den neuen Orden an. Denjenigen, die sich beugten, wurde eine lebenslange Rente gewährt und sie verweilten als ein getrennter aber beständig abnehmender Corpus bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts, indem sie - ausgeschlossen von der Wahl des Bischofs - aus der Geschichte verschwanden.
Zu Dunkeld war Crinan, der Großvater von Malcolm Canmore, ein lediger Abt.
Die Überlieferung besagt allerdings, dass sogar die klerikalen Mitglieder verheiratet waren. Allerdings lebten sie wie die Priester der Ostkirche abgesondert von ihren Frauen während ihrer Zeit des priesterlichen Dienstes.

Der Culdee von Lochleven lebte vom Zoll des St. Serfs, der ihm von dem pictischen Prinzen Brude ungefähr im Jahr 850 gegeben worden war.
Im Jahr 1093 übergaben sie ihre Insel dem Bischof von St. Andrews als Gegenleistung für Essen und Kleidung, aber Robert (Bischof im Jahr 1144) übergab alle ihre Roben, Bücher und anderes Eigentum zusammen mit der Insel an die kürzlich gegründeten Kanonischen Regularien, in dem die Culdees wahrscheinlich vereinigt wurden und in denen sie letztendlich aufgingen.
Es gibt nirgendwo anders eine Spur solch teilweiser Unabhängigkeit als jene, die in St. Andrews von den Culdee erfahren wurde, vielleicht auch, weil die Bewilligung des Bischofs durch eine königliche Urkunde unterstützt wurde.
In derselben Art wurden die Culdee von Monymusk, ursprünglich vielleicht eine Kolonie von St. Andrews, als kanonisches Regularium des Augustinerordens am Anfang des 13. Jahrhunderts geführt und diejenige von Abernethy folgte im Jahr 1273.
An Brechin, berühmt wie Abernethy für seinen runden Turm, halfen die Culdee Äbte und ihre Mönche das Kapitel der Diözese (gegründet von König David I in 1145) zu bilden, bei der auch der Name für eine oder zwei Generationen verharrte.

Das bemerkenswerteste Überleben des Namens der Culdee ist in der größten Stadt in der schottischen Grafschaft der Fife, Kirkcaldy (die Kirche der Culdee) gesichert.
Die Culdee-Kapelle weiter östlich von St. Andrews in derselben Grafschaft kann vom Nordosten aus von der dortigen zerstörten Kathedrale und Stadtmauer gesehen werden. Sie wurde 'St. Mary auf dem Felsen' gewidmet und wird eindeutig durch kreuzförmige Ruinen erkannt. Sie wurde durch die lokalen Kirchen des St. Andrews für ihren Ostermorgendienst verwendet. In Irland dauerten die Culdee von Armagh bis zur Auflösung im Jahr 1541 an und genossen ein flüchtiges Wiederaufleben in 1627, bald danach ging ihr altes Eigentum an die Chorpfarreien der Kathedrale von Armagh über.

Culdee in England und Wales
Ähnliche Absorptionen sind zweifellos für das Verschwinden der Culdees Yorks, hervorgerufen durch die Kanons der Peterskirche ungefähr im Jahr 925 und jener von Snowdon und der Insel Bardsey im nördlichen Wales (erwähnt durch Giraldus Cambrensis in seinem Spiegel "Ecclesiae und Itinerarium") um das Jahr 1190 verantwortlich. Die ehemalige Gemeinschaft war, sagt er, arg bedrängt von den gierigen Zisterziensern. Die obigen Orte scheinen die einzigen Fälle zu sein, wo die Culdees in England und Wales aufgefunden werden.
Culdee im Nordatlantik
Das isländische Landnámabók (Buch der Ansiedlungen) erwähnt, dass die Skandinavier irische Priester in Island vorfanden, zusammen mit Glocken und Bischofsstäben. Das wird auch an in den Arbeiten von Dicuil angedeutet. Die Skandinavier nannten die Priester Papar, und dieser Name kann als Element in vielen Ortsnamen von Orkney, Shetland, den Faroer Inseln und Island gefunden werden.

Die traditionellen Niederschriften haben festgestellt dass die Papar abreisten als die Skandinavier ankamen, einige Quellen zeigten an, das die Skandinavier die Culdees verfolgten und zwangen weiter nach Westen bis nach Grönland und Neufundland davonzusegeln.
Es ist auch vorstellbar, das ihr Einfluss die Ausbreitung des Christentums in Island unterstützte.
Im Übrigen ist auch nachgesonnen worden, dass die Culdees die ersten Europäer gewesen sein könnten, die Amerika besuchten. Die Hauptbeweise davon sind die Existenz von gebauten Bienenkorb-Hütten aus mehr als 275 Steinen in Maine, in New Hampshire und anderswohin in Neuengland.
Diese Strukturen, einige davon gut bewahrt bis zur Gegenwart, sind der Culdee Architektur in Irland und Schottland im frühen Mittelalter und früher (Olsen 2003) ziemlich ähnlich.

Zitat aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Culdeer

 

„Round Tower“ der Rundturm
Der Turm von Devenish ist einer der schönsten von Irland. Seine Raffinesse spiegelt den Reichtum und das Prestige des Klosters wieder.
Die Köpfe, gleich unter dem Haubendach, sind im romanischen Stil in Stein gehauen worden und man glaubt, dass sie folgende Heilige darstellen sollen: Molaise, Patrick, Columba (Columkille) und Brigit.

 

 

Der Rundturm wurde als Glockenturm entworfen. Die Glocke sollte die Mönche zu ihren täglichen Zyklus der Gebete, Psalmen und Hymnen rufen, die den Tag über von Tagesanbruch bis in die Abenddämmerung hinein in Intervallen abgehalten wurden. Relikte und Wertgegenstände wurden in dem Turm aufbewahrt. Das Klingeln der Turmglocke konnte auch zu Ritualen gehören. Die Türme konnten auch heilige Plätze sein und folglich konnten sie auch Altare in ihrem Inneren haben.
Die Rundtürme wurden auch im Notfällen gebraucht, um die Kleinodien zu schützen und manchmal auch die Menschen. Die Rundtürme waren als Zufluchtsstätte während eines Verteidigungsfalles nicht gut geeignet, da sich ihre Eingangstüren auf einem höheren Level befanden, so dass der Zugang in die Türme sehr schwer war.

1976 wurden bei archäologischen Arbeiten die Fundamente eines zweiten Rundturms entdeckt, in dem möglicherweise Dornhnail gestorben war.

 

 

 

Die Wirtschaftlichkeit des Klosters – Das Leben im Kloster
Klöster waren selbstständig und dadurch waren sie davon abhängig, genug Lebensmittel zu produzieren, um sowohl die Mönche als auch die Laienbrüder zu versorgen. Im Kloster bestand die Grundernährung der Mönche meistens aus vegetarische Suppen, die mit Brot gegessen wurden und Ale (dunkles Bier), das dazu getrunken wurde.
Das Vieh war ein wichtiger Bestandteil in der irischen Wirtschaft und so wurden Milchprodukte jeden Tag gegessen, aber es gab nur wenig Fleisch und Fisch.
Der Garten war ein wichtiger Aspekt im klösterlichen Leben und er wurde als ein Fachgebiet für die Arbeit betrachtet. Für Mönche war die Gartenarbeit eine spirituelle Arbeit, da sie glaubten, dass sie durch die Gartenarbeit eine engere Beziehung zu Gott eingehen konnten und dass sie so den Ungehorsam von Adam und Eva im Garten Eden ausgleichen konnten.
Der Garten befand sich innerhalb der äußeren Mauern des Klosters. Die Umrandung des Gartens wurde zum Beispiel aus Zäunen, Mauern, Hecken oder Dämmen gebildet. Die Mönche pflanzten Blumen für die Kirche, medizinische Kräuter, Küchenkräuter und Gemüse an. Obstgärten wurden angelegt, in denen Apfel- und Pflaumenbäume wuchsen, manchmal gab es hier auch Birnen- und Zwetschgenbäume. Der Ehrwürdige Bede schrieb im 8. Jahrhundert, dass Irland „kein Mangel an Weinen“ hätte. Da Wein regelmäßig für die Feier des Sakramentes benötigt wurde, ist es möglich, dass in den frühen irischen Klöstern für die Weinherstellung Weintrauben angepflanzt wurden.
Durch die Herstellung ihrer eigenen Lebensmittel unterhielten die Klöster höchst effiziente Systeme für die Bodenbearbeitung mit Blick auf die Handhabung der Gartenbaukunst, des Ackerbaus und der Wälder.

Künste und Wissen
Die Klöster spielten eine große Rolle als Förderer der Künste. Künstler wurden beschäftigt, um die Kirchenbücher zu schmücken und um die Manuskripte zu illustrieren. Steinmetze verwendeten ihre Kunstfertigkeit dazu, die Kirchen zu verzieren, Grabplatten zu gestalten und aufwendige Kreuze aus Stein zu hauen.

 

 

Die Metallkunsthandwerker fertigten wunderschöne Objekte für die Kirche an, wie Abendsmahlkelche, Lampen, Handglocken, Schreine und möglicherweise noch andere, mehr utilitaristische Objekte.

Der „Soiscel Molaise“ (der Buchschrein von Saint Molaise aus dem frühen 11. Jahrhundert) ist ein Transportbehälter für ein Manuskript, dem Evangeliumsbuch von St. Molaise. Der Buchschrein ist ein rechteckiger Kasten aus Bronze, der im 8. Jahrhundert angefertigt worden war und der im 11. Jahrhundert auf Anweisung von Cennfaelad mit Platten aus vergoldetem Silber geschmückt worden war. Cennfaelad war von 1001 bis 1025 der Abt von Devenish.
Der Lough Erne Schrein wurde entworfen, um die kostbaren Relikte leichter transportieren zu können. Er kam im 9. Jahrhundert in die Schatzkammer des Klosters. Der Kasten, der aus Eibenholz angefertigt worden war und mit Platten aus Bronze geschmückt worden war, wurde in der Form eines Hauses oder einer frühen Kirche entworfen, allerdings mit versessenen Giebeln.

 

Im Kloster gab es eine große Tradition für die Wissenschaften. Die Mönche verbrachten sehr viel Zeit damit, Kommentare in die Schriften zu schreiben, heilige und nichtkirchliche Manuskripte zu kopieren, die Bücher und Gebete zu pflegen, die Geschichte der Heiligen, die Gesetzgebung der Kirche und die Ereignisse in einem Buch niederzuschreiben, das wir heute „Annals“ (Annalen) nennen. Hier wurde Latein und das Schreiben gelehrt und Schüler von einheimischen oder hochrangigen Familien wurden in dem Kloster unterrichtet.
In ganz Europa waren die kirchlichen Schulen von Irland bekannt. Von dem 6. Jahrhundert bis zum 8. Jahrhundert waren die irischen Klöster berühmt, Zentren des Lernens zu sein und viele überseeische Studenten fühlten sich zu ihnen hingezogen. Gewöhnlich studierten die irischen Kleriker in Irland, auch wenn einige von ihnen zum Studieren ins Ausland gingen. Wir wissen, dass Pierse Maguire, der Bischof von Clogher, 1433 nach Oxford ging, um dort für drei Jahre das Kirchen- und das weltliche Recht zu studieren, nachdem er schon in einer einheimischen Schule sieben Jahre lang studiert hatte.

Das tägliche, klösterliche Leben – Das Leben der klösterlichen Gemeinschaft auf Devenish
Das Leben der klösterlichen Gemeinschaft auf Devenish wurde den Gebeten, der Buße und dem Lernen gewidmet. Es gab eine große Tradition für die Wissenschaften in den Klöstern einher mit dem Kopieren von Schriften, den Leben der Heiligen, den Kirchengesetzen und den Annalen.
Der klösterliche Tag drehte sich um einen Stundenplan der Gebete, der unter dem Begriff „Canonical Hours“ (Stundengebete) bekannt wurde. Die Gebete fingen vor der Morgendämmerung mit „Matins“ (Matutin ≙ „Mette“, Morgengebet um Mitternacht) und „Lauds“ (Laudes ≙ Lobgebet am tatsächlichen Morgen) an, während des Morgens folgten dann „Prime“ (Prim ≙ Gebet zur ersten Stunde (Arbeitsbeginn) und „Tierce“ (Terz ≙ Gebet zur dritten Stunde), am frühen Nachmittag schließen sich dann „Sext“ (Sext ≙ Gebet zur sechsten Stunde) und „None“ (Non ≙ Gebet zur neunten Stunde) an und am späten Nachmittag kamen dann „Vespers“ (Vesper ≙ Abendgebet zum Abschluss des Arbeitstages) und „Compline“ (Komplet ≙ „Vollendung“, das eigentliche Nachtgebet). Zwischen „Prime“ und „Tierce“ fand die erste Messe des Tages statt und zwischen „Tierce“ und „Sext“ die zweite und bedeutendere Messe.
Das Interesse der Mönche für die Einhaltung der Zeit führte dazu, dass die Uhren erfunden und verbreitet wurden. Im 14. bis zum 15. Jahrhundert wurden die ersten mechanischen Uhren alltäglich in Kirchen und Klöstern, denn sie waren von den Uhren abhängig, die ihnen erzählten, wann sie die Glocken für die regelmäßigen Gebete der Kirche zu läuten hatten.

St. Mary’s - Die Konstruktion der Augustiner Abbey

 

 

Das war wirklich eine sehr geschäftige Zeit auf der Insel. Der Bau einer Abbey war sehr teuer, denn die Steine mussten gehauen und mit dem Boot von dem Festland zur Insel gebracht werden. Häufig wurden Schablonen zum Steinbruch geschickt, damit die Steinmetze den Stein auf dem Festland schon schneiden und formen konnten und einmal auf der Insel angekommen, wurden die Steine durch die Steinmetze dann weiterbearbeitet. Diese Steinmetze oder Maurermeister waren üblicherweise die Architekten. Sie hatten auch eine leitende Rolle in einem großen und abwechslungsreichen Team aus Bauleuten, zu denen Steinmetze, Zimmermänner, Stuckateure, Maler, Glaser, Metallfacharbeiter, Dachdecker und ungelernte Arbeiter gehörten.
In der Inschrift eines Steines kann man lesen, dass Matthew O’Doogan die Abbey St. Mary’s 1449 für Bartholomew O’Flannagan, den Prior von Devenish, gebaut hatte.

 

 

 

 

 

 

 

Die Augustiner – Die Rolle von St. Augustin, die sich im 11. Jahrhundert abzeichnete.
Gruppen von Geistlichen dienten den Hauptkirchen auf dem Kontinent. Sie befanden sich eigens in einem geregelten Mönchorden, der nach den Regeln, die sich auf die Schriften von St. Augustin gründeten, lebte.
Die Regeln von St. Augustin waren das Hauptmedium, um das religiöse Leben in Europa zu reformieren. Die Reform bot ein flexibles Model eines klösterlichen Lebens, das sehr geregelt war. Sie richtete sich nach einer Vorlage aus beschaulichen Leben und Arbeit innerhalb des Klosters, aber die Reform stellte auch die Seelsorge für die Gemeinschaft sicher.
Zu dieser Zeit könnte sich der ältere Klosterbetrieb auf Devenish in einem Haus des Augustinerordens, der im 12. Jahrhundert gegründet worden war, entfaltet haben. Der Ort der früheren Kirche konnte bisher nicht gefunden werden.
Der Leiter einer Augustinergründung war der Prior, es war nicht der Abt. 1379 tauchte der erste Prior in den Annalen auf. Es war John O’Connolly, der Prior von Devenish, der in diesem Jahr gestorben war

Der Fall der Klöster – die Liquidation der Klöster
Die Klöster in Großbritannien und Irland waren reich und kraftvoll geworden. 1536 zettelte Henry VIII. die Auflösung oder die Liquidation der Macht der Kirche an, indem durch ein, durch das Parlament abgesegnetes Gesetz, das Eigentum der Kirche für die Krone beschlagnahmt wurde.
Henry VIII., der das Oberhaupt der neuen „Church of England“ (Kirche von England) war, berief Thomas Cromwell zu seinem Stellvertreter. Thomas Cromwell erhielt den Befehl zu gewährleisten, dass die klösterlichen Betriebe einen Eid zu Gunsten der königlichen obersten Gewalt schwören würden. Einige von den klösterlichen Betrieben verweigerten den Eid und wurden dann wie Verräter behandelt. 1540 hatten sich alle religiösen Häuser der Krone ergeben und königliche Kommissare führten den Abriss der klösterlichen Anwesen durch.
Im 17. Jahrhundert war das Kloster von Devenish quasi verschwunden. 1610 wurde die Schwurgerichtssitzung der Grafschaft in den Ruinen der Abbey abgehalten. Man glaubt, dass das gemacht wurde, um auf St. Mary’s hinzuweisen.

Die Inquisition
Inquisitionen (gerichtliche Untersuchungen) wurden 1603 und 1609 auf Devenish abgehalten, um über das Anwesen, die Geographie und die Bedingungen für die zukünftige Besiedlung zu entscheiden.
Von der Inquisition vom 18. September 1609 lernten wir, dass die Culdeer Häuser und einen Obstgarten auf Devenish, 120 Acres (Acre ≙ Morgen; Acker; Flächenmaß; 1 Acre ≙ 4048 qm) Land entlang des Seeufers bei Tully und das Land, das heute Graan ist, besaßen.
Das Eigentum der „Regular Canons „ständigen Diener Gottes“ auf Devenish waren „die Abbey und ihr benachbartes Umfeld mit einem Obstgarten; eine Kirche und ein benachbartes Gebäude, zusammen mit einem an das Gebäude angrenzende Kellergeschoss und einige Zimmer, die später darauf gebaut worden waren und ebenso einige andere kleinere Gebäude; ein Obstgarten mit einem kleinen Garten und ein paar Einfriedungen, der drei Acres (Acre ≙ Morgen; Acker; Flächenmaß; 1 Acre ≙ 4048 qm) innerhalb der besagten Bannmeile enthielt, die gesamte Insel von Devenish, die 30 Acres (Acre ≙ Morgen; Acker; Flächenmaß; 1 Acre ≙ 4048 qm) umfasst“ und andere Grundstücke in Fermanagh.

Die Besiedelung
Die „Gaelic Order“ (gälische Bestellung) in Ulster blieb nahezu unangetastet durch die schleichende Kolonisation von Irland durch die Englische Krone. Bis zum späten 16. Jahrhundert, als die gälische Aristokratie eine Rebellion gegen die Engländer einfädelte, ging man überall in Irland für den Beistand auf Stimmenwerbung. Die Schlacht von Kinsale, die 1601 am Heiligen Abend stattfand, beendete die Rebellion. Das Land der Rebellen wurde beschlagnahmt und die früheren „Brehon Laws“ (Brehon Gesetze, welche die gälische Gesellschaft strukturierten), wurden widerrufen. Schottische und Englische Kolonisten wurden an die Spitze der Gesellschaft von Ulster als eine neue Elite gesetzt.

Beisetzungen
Klöster waren wirtschaftlich begünstigte durch Bestattungsgebühren. Relikte von bedeutenden Heiligen wurden von ausländischen Besuchen zurückgebracht, so dass die Menschen wünschten, auf dem Friedhof des Klosters begraben zu werden. Gemäß dem Brauchtum brachte St. Molaise, der von einer Pilgerfahrt nach Rom zurückkehrte, Relikte von St. Peter, St. Paul, St. Lawrence, St. Clement, St. Stephen und St. Martin zurück, zusammen mit Gewändern der Heiligen Jungfrau für den kleinen Friedhof von Devenish, so dass Bestattungen als besonders gesegnet angesehen wurden.
Bestattungen fanden auf Devenish möglicherweise schon seit der ersten Einführung eines Klosters statt, trotzdem der älteste Grabstein aus dem späten 17. Jahrhundert stammt. Obwohl das Kloster nicht mehr aktiv war und die Kirchen zu Ruinen verfallen waren, fanden auf Devenish Beerdigungen bis ins 18. Jahrhundert statt.

Eine Beschreibung von Devenish von 1808 von John Frith:
„ Vor 20 Jahren drückte ein gewaltiger Sturm den gesamten Giebel von dem südlichen Seitenschiff nieder und am 20 Januar 1803 warf ein grausamer Hurrikan den oberen Giebel von der oben erwähnten Kirche nieder, zusammen mit verschiedenen Häusern und er entwurzelte auch viele Bäume.“
John Frith fuhr mit der Beschreibung des Hauses von St. Molaise fort:
„eine herrschaftliche gotische Struktur, die außen mit gehauenen Steinen bedeckt und gedeckt war: bis Bischof Ash, oder Stern of Clogher, anordnete, die Steine zu entfernen, um damit den Flur in der Kirche von Enniskillen zu markieren.“

Zitat aus: die Schautafeln in dem Besucherzentrum von Devenish Island; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

 

Da der Wind mittlerweile stärker geworden war, entschlossen wir uns dazu, nicht zu grillen, wie wir es uns eigentlich vorgenommen hatten. Schade eigentlich, denn gestern sind wir so richtig auf den Geschmack gekommen. Wir wurden von Matthias für den späteren Abend auf ihr Boot eingeladen und da bis dahin noch ein wenig Zeit war, machte ich noch einen Rundgang über Devenish. Von dieser Insel konnte ich, genauso wie von Clonmacnoise, einfach nicht genug bekommen.
Nach meinem Rundgang sah ich noch kurz bei Martina und Martin beim Angeln zu. Sie standen beide auf dem anderen Steg, an dem normalerweise das Fährboot nach Devenish anlegt. Als ich zur Daisy zurück wollte, musste ich eine kleine Schräge hinunterlaufen, die den Steg mit der Insel verbindet. Dabei erwischte ich die einzige moosige Stelle der Schrägen und natürlich rutschte ich fürchterlich aus. Ich fiel hin, kam dann aber kurz noch wieder hoch und fiel dann endgültig hin. Zum Glück kam gerade Matthias, der auch seine Angelleine baden wollte und er half mir wieder hoch.

Erst dachte ich, dass alles in Ordnung wäre, aber nachdem ich zur Daisy zurückgekehrt war, bemerkte ich, dass ich mir zwei Finger und die Handflächen aufgeschrammt und beide Knie mit blauen Flecken versorgt hatte. Leider auch das linke Knie, das ich mir bei meinem schweren Autounfall schön bös verletzt hatte. Holger versorgte liebevoll meine Schrammen, aber von den Prellungen und den brennenden Handflächen würde ich noch länger etwas haben.
Wir erholten uns noch etwas von den Anstrengungen auf unseren Boot und dann wechselten wir mit Jameson, Baileys, Murphys, Guinness und einem Block Eis auf das MHM Boot der Friebels. Nachdem uns Martin gezeigt hatte, wie man den Eisblock am besten in Stückchen zerlegt, man muss dazu immer wieder auf die gleiche Stelle mit einem Hammer hauen und nicht immer auf verschiedene Stellen, verbrachten wir zusammen einen schönen Abend. Birte und ich hielten uns an den Baileys, die anderen an die anderen alkoholischen und nichtalkoholischen Getränke. Gegen 23:30 Uhr kehrten wir zu unserem Boot zurück, gingen dann auch gleich in die Kojen und schliefen auch sehr schnell ein.