16.04.2006

Der Tag des defekten Wäschetrockners – oder warum wir wieder in Ballyconnell landeten.



 

Auch heute schliefen wir recht lange. Wir ließen den Tag ganz gemütlich anfangen, natürlich wieder mit Kellogg’s Frosties zum Frühstück. Sie schmeckten halt gut und es war ein schnell gemachtes Frühstück. Wir machten uns fertig und ich verließ das Boot, um noch einmal zu der „Holy Trinity Church“ (Kirche der heiligen Dreifaltigkeit) zu gehen. Das Wetter war diesmal besser und so konnte ich hoffen, nicht wieder von einem Gewitter überrascht zu werden. Da Holger keine Lust auf einen Landgang hatte, ging ich alleine, ich kannte ja schon den Weg.
Von wegen, ich kannte ja schon den Weg, denn er kam mit doch sehr unbekannt vor. Wo ich letztes Jahr noch auf einer Straße lief, die durch einen dichten Wald führte, was bei Gewitter besonders gut kam, aber das nur nebenbei, war diesmal kein Wald mehr vorhanden und ich hatte von der Straße aus einen freien Blick auf den Anleger, auf dem ich sogar den Hund von gestern bei Holger erkennen konnte. Was sie hier wohl vorhatten, aber schade um den Wald war es schon.

 

 

 

 

Auf meinen weiteren Weg zur „Holy Trinity Church“ (Kirche der heiligen Dreifaltigkeit) kam ich an einer Ruine vorbei und an mit Moosen überwucherten Zweigen. Beides musste ich natürlich gleich auf ein Foto festhalten.

 

 

Es dauerte dann auch nicht mehr lange und ich erreichte das Gatter, das zum Gelände der „Holy Trinity Church“ (Kirche der heiligen Dreifaltigkeit). Ich hatte wirklich Glück mit dem Wetter und ich konnte alle Fotos machen, die ich mir vorgenommen hatte und natürlich noch ein paar mehr. Es ist doch immer wieder schöne, wenn man die Dinge ohne strömenden Regen fotografieren konnte. Ich genoss so richtig meine Fotosafari und jetzt stehe ich gerade vor dem Problem, mich für einige der vielen Bilder von der „Holy Trinity Church“ (Kirche der heiligen Dreifaltigkeit) zu entscheiden. Mal sehen, welche auf den folgenden Seiten erscheinen werden.

 

 

 
„Holy Trinity Church“ (Kirche der heiligen Dreifaltigkeit) von jeder Seite aus betrachtet.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die verschiedenen Fenster der „Holy Trinity Church“ (Kirche der heiligen Dreifaltigkeit)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Grabmal von Michael Crichton und seiner Frau Alice Elizabeth.

 

 

Der Blick von der „Holy Trinity Church“ (Kirche der heiligen Dreifaltigkeit) auf das „Old Castle“ (Alte Schloss) von Crom.

 

Nach meiner Fotosafari kehrte ich zum Anleger von Trial Bay zurück. Holger hatte in meiner Abwesenheit schon nach Mr. Perkins gesehen und so konnten wir dann auch gleich nach meiner Rückkehr ablegen. So machten wir um 11:05 Uhr die Leinen an der Trial Bay los.
Uns erwartete jetzt nur eine kurze Fahrt, denn wir wollten nur nach Crom übersetzen, damit ich auch hier Fotos von dem „Estate“ (Anwesen) machen konnte. Ich hatte mittlerweile die Broschüre „History of Crom“ von Vicky Herbert ins Deutsche übersetzt und wollte nun meine Übersetzung mit meinen Fotos von den einzelnen Stationen ergänzen. So machten wir also schon um 11:30 Uhr wieder fest. Diesmal lagen wir an dem Anleger von Crom Castle. Wir machten uns gleich für den Landgang fertig und verließen die Daisy, um die Erkundungstour zu starten. Und diese Eile war wirklich unser Glück, denn als wir um 11:45 Uhr bei den Ruinen des „Old Castle“ (Alten Schloss) waren, fingen gerade die Glocken der „Holy Trinity Church“ (Kirche der heiligen Dreifaltigkeit) an zu läuten. Es wurden mehrere Melodien gespielt und wir genossen das Läuten der Glocken bis zum letzten Klang. Um genau 12:00 Uhr hörten die Glocken wieder auf zu läuten. Wir waren die ganze Zeit alleine beim „Old Castle“ (Alte Schloss). Es war wirklich sehr ergreifend. Ich bekam ein sehr warmes Gefühl im Bauch, man kann es auch als Glücksgefühl bezeichnen. Diesen Moment würde uns keiner mehr nehmen!
Beschwingt setzten wir unseren Rundgang fort. Wir sahen uns diesmal alles genau an, wir gingen sogar über die „White Bridge“ (Weiße Brücke), um uns auch die Gebäude auf Inisherk anzusehen. Nachdem wir Inisherk wieder über die „White Bridge“ (Weiße Brücke) verlassen hatten, trennten wir uns auf der anderen Seite. Holger ging zur Daisy zurück und ich machte noch Fotos von den restlichen Stationen, die in der Broschüre von Vicky Herbert beschrieben wurden.
In der Nähe des jetzigen Crom Castle fielen mir rote Weiden ins Auge, die wunderschön aussahen. Sie sahen fast wie gemalt aus. Allein die Rot-Töne waren außergewöhnlich!

 

 

 

Nach meinem Rundgang kehrte auch ich zur Daisy zurück. Am Anleger stiegen gerade die Leute in das „Cot“ (Flachbodenboot) und auch ich wurde angesprochen, ob ich denn schon eine Schwimmweste hätte. Nachdem ich den netten Herren aufgeklärt hatte, dass ich zwar eine Schwimmweste hätte, diese sich aber an Bord unseres Bootes befinden würde, mussten wir beide doch etwas schmunzeln. Holger hatte das alles vom Boot aus beobachtet und ich erzählte ihm dann schnell, was der nette Herr von mir gewollt hatte.

 

 

Um 14:05 Uhr machten wir die Leinen los und verließen den Anleger von Crom. Unser nächstes Ziel war der Anleger von Aghalane, wo ich einerseits die dreckige Wäsche in dem Servicehäuschen waschen wollte und anderseits wollte ich das, in der Karte eingezeichnete, Castle mal suchen gehen.

 

Crom
Nun kommt man in das Gebiet von Crom (crooked or twisted place - ein buckeliger oder krummer Ort). Hier gibt es eine faszinierende Mischung von Geschichte, die uralte mischt sich mit der modernen und die natürliche mit der von Menschenhand geschaffenen.
Bei Crom befinden sich ein landschaftlich reizvoller Anleger, ein „tea-room“ (Teeraum) vom „National Trust“ (der Gesellschaft zum Schutz des historischen Erbes), ein „Visitor Centre“ (Besucherzentrum), in dem man sowohl Duschen als auch einen Empfang vorfindet, an dem man Postkarten, einheimische historische Bücher und Souvenirs kaufen kann. Es ist ein öffentlicher Anleger, an dem man umsonst übernachten kann, wenn man aber alle Wege und alle Einrichtungen nutzen möchte, dann kostet es eine Gebühr von £4,50 pro Boot für 24 Stunden.
Man wird fast dazu verführt, auch an den anderen Anlegern des „Estate“ (Anwesen), wie Inisherk (island of the white-bellies pig or salmon - Insel des weißen Hängebauchschweins oder der Lachse), auf dem sich der „Walled Garden“ (dem mit einer Mauer umgebenen Garten) befindet oder Derryvore im Westen, wo die „Holy Trinity Chruch“ (Kirche der heiligen Dreifaltigkeit) steht, mit dem Boot festzumachen, aber anlegen darf man nur an dem einen offiziellen Anleger beim „Visitor Centre“ (Besucherzentrum). Neben noch anderen Gründen ist das Wasser seicht und steinig, außer im Zentrum des Sees und man muss große Vorsicht walten lassen.

Das heutige Schloss aus der viktorianischen Zeit befindet sich immer noch in privater Hand, es gehört dem Lord und der Lady Erne, die hier auch leben. Es ist für die Öffentlichkeit nicht zugängig.

 

 

Man kann jedoch das „Old Castle“ (Alte Schloss) besichtigen, ein Schloss aus der Besiegelungszeit, das im Jahr 1610 gebaut wurde. Es ist eine großartige Ruine.

 

 

Das „Old Castle“ (Alte Schloss) wurde von Michael Balfour, dem Sohn von James Balfour aus Lisnaskea, gebaut. Er verkaufte es dann an Sir Stephen Butler aus Belturbet, der es wiederum an den Bischof von Clogher, Dr. Spottiswoode, weiterverkaufte. Als Mary, die dritte Tochter von Dr. Spottiswoode, Abraham Creighton (alte Buchstabierung) heiratete, erwarben sie das Schloss um 1655 herum.
 Die Crichton Familie lebte schon immer in Crom. Das „Old Castle“ (Alte Schloss) überlebte zwei Belagerungen im Jahre 1689 durch die Truppen der Jakobiner, nur um dann im Jahre 1764 durch einen Unfall niederzubrennen. Gärtner aus der viktorianischen Zeit verschönerten das Gelände landschaftlich und man kann es heute von einer Mauer und einem „Ha-Ha“ aus der viktorianischen umgeben sehen
Ein „Ha-Ha“ ist ein tief gegrabener Graben, der einen Garten oder ein Vergnügungsterrain umgibt. Er wurde sehr oft von viktorianischen Landschaftsgestaltern eingesetzt, die es hassten, die Sicht durch Zäune oder Mauern zu verunzieren.
Der Graben endete auf der Seite des Gartens oder des Vergnügungsterrains mit einer vertikalen Mauer aus Steinen und die andere Seite des Grabens bestand aus einer langsam ansteigenden Grasböschung.

 

Seitenansicht eines „Ha-Ha“:

 

Aha, Ah Ah oder Ha Ha
Ausdruck (vom Ausruf des Erstaunens der Spaziergänger abgeleitet) für einen im englischen Landschaftsgarten von der Hausseite unsichtbaren Graben, der das Anwesen im Gegensatz zu Mauer oder Zaun zwar abgrenzt, aber für den Blick in die Ferne unsichtbar ist und damit die Grenze zwischen Garten und freier Landschaft verwischt. Der Graben schützt auch vor den dahinter weidenden Tieren.
Den Ha-Ha hatte im Übrigen nicht Kent, sondern Charles Bridgeman erfunden.

Das „Old Castle“ (Alte Schloss) teilte seinen Ruhm mit einem Paar Eiben (europäische, keine irischen).

 Es wird angenommen, dass es die ältesten Eiben von Irland sind. Ihre lange Lebensdauer wird durch die Tatsache belegt, dass, als einer der O’Neill’s von Tyrone 1607 nach Crom gekommen war, um seiner „Lady-Love“ (Geliebten) Lebewohl zu sagen, sie unter diesen Eiben Schutz suchten. Von einer wird gesagt, dass sie älter als die andere ist und eine ist männlich und die andere ist weiblich, was eine ungewöhnliche Zusammenstellung darstellt. Einige deuteten an, dass das wohl absichtlich so arrangiert worden wäre und dass heißt, dass sich Crom mit einer Stätte der vorchristlichen Religion rühmen kann.
Das könnte sich in der Tat als wahr herausstellen da die Gegend reich an alter Geschichte ist.


Die Druiden und die Kelten waren sehr versessen von den Eiben, weil sie ein mystisches Symbol darstellten. Die Eibe war der heilige Baum des Lebens und des Todes. Die Eibe kann töten, aber ebenfalls heilen, und das Immergrüne ist ein Zeichen für die Unsterblichkeit.

 

Taxus baccata Eibe
"Vor Eiben kein Zauber kann bleiben"
Die Eibe gilt als der Charakterbaum der germanischen Wälder.
Sie zählt als einziger giftiger Baum zu den so genannten "Todesblumen". Im alten Ägypten als Todesschrein verwendet, hieß es im Kräuterbuch des Hieronymus Bock, wer unter einer Eibe einschlafe, sei des Todes.
Ums Haus gepflanzt diente sie als Schutz vor Hexen und bösen Geistern und man glaubte, dass es Unglück bringt, sie zu fällen. In Shakespeares Macbeth (4. Akt; Szene 1) ist sie eine der mystischen Kesselzutaten der Hexengöttin Hekate. Den Kelten war sie heilig; sie fertigten daraus ihre Zauberstäbe. Mit aus Eibenholz gefertigten Amuletten vertrieb man Geister oder räucherte sie aus.
Hildegard von Bingen (12. Jahrhundert) Hildegard von Bingen empfahl den Rauch von Eibenholz als Hausmittel gegen Schnupfen und Husten. Als Abtreibungsmittel machte man aus den Zweigen und Rinden Tee. Oder Giftgetränke. Denn: ACHTUNG: Die starkgiftige (vor allem die Samen in den für Kinder verführerischen Beeren) Pflanze gilt seit dem Altertum als sicheres Tötungsmittel und wird z. B. in den Romanen von Agatha Christie als hochgiftiges, aber sehr selten benutztes Mittel beschrieben.
Die Eibe: ein Mörderbaum?
In der modernen Medizin werden die Inhaltstoffe der Eibe vor allem in der Homöopathie und in der Krebsforschung eingesetzt.
- Hoffnung für die Zukunft: - die Eibe - ein Lebensbaum!
Gärtner, die am Waldrand wohnen, sollten wissen, dass Eibe für Rehe und Hasen ein Leckerbissen ist!
Eiben kann man sehr gut in Form schneiden - auch tief ins alte Holz. Sie treiben willig wieder aus und sind deshalb für Formschnitte beliebt.
Eiben sind Nahrungsquelle für mehr als 20 Vogelarten und mehr als 5 Säugetierarten.

http://www.zauber-pflanzen.de/taxus.htm

Es gab ein Schloss, dass schon vor der Besiedelung stand, möglicherweise eine Festung des Maguire. Es ist auf der „Ordnance Survey Map“ (Generalübersichtskarte) auf Inishfendra gekennzeichnet.
(Anmerkung von Inga: Auch in unserem „Navigational Guide to the Shannon and Erne Waterways“ (Navigationsführer zu dem Shannon und Erne Waterway) war die Festung vermerkt worden.)
Von der Festung kann man oberhalb der Erde keine Überreste mehr entdecken, leider, aber es spricht dafür, dass die Maguires sowohl hier als auch in Lisnaskea eine Siedlung hatten.
Andere Gebäude auf dem „Estate“ (Anwesen) aus der viktorianischen Zeit lohnen ebenfalls einen Besuch:

 

Das „Boat House“ (Bootshaus)

 

Der „Walled Garden“ (dem mit einer Mauer umgebenen Garten)

 

“The Tea House or Summer House” (Das Teehaus oder Sommerhaus)

 

„The Turf House“ (das Torfhaus)

 

und das kürzlich restaurierte „Ice House“ (das Eishaus)

 

Das „Ice House“ (Eishaus) ist ein Testament für den viktorianischen Einfallsreichtum und Ingenieurwesens.

 

Auf der anderen Seite des Sees kann man „Holy Trinity Church“ (Kirche der heiligen Dreifaltigkeit) erkennen, die 1885 gebaut wurde, als der Gottesdienst für die Erne Familie und für ihre Gefolgsmänner und für ihre Pächter nach Newtownbutler verlegt worden war.

 

 

Die Familie benutzte eine spezielle Barkasse, die sie über den See zum Gottesdienst brachte, genauso wie die Arbeiter und Pächter ein großes, hölzernes „Cot“ (Flachbodenboot) verwendeten, dass sie bei jeglicher Witterung über den See brachte.
Dieses „Cot“ (Flachbodenboot) diente auch für die Kinder des „Estate“ (Anwesen) als Fähre, um sie zu der „Crom National School“ (staatliche Schule von Crom), welche sich in Corlatt befand, das gleich bei Derryvore liegt, zu bringen. Die Schule wurde 1953 geschlossen, aber die Schüler und Lehrer, die sie besucht hatten, behielten viele Erinnerungen an die Schule. Jährlich findet ein Widersehenstreffen statt.

 Die Schüler, die von der Seite von Crom kamen, mussten bei jedem Wetter mit der Fähre auf die andere Seite übersetzen und manchmal strandeten sie über Nacht auf der anderen Seite, da ein Sturm aufgezogen war. Ein Mädchen ertrank leider.

Es war Jane-Anne Donahue, die am 28. Oktober 1924 aus dem Boot fiel und nicht wieder an die Oberfläche kam. Manche der älteren Menschen sprechen immer noch so darüber, als ob der Unfall erst Gestern passiert wäre.
Gleich südlich der „Old School“ (Alten Schule) befand sich ein wunderschönes Gebäude, welches heute leider nicht mehr existiert. Es wurde abwechselnd entweder als „The Rectory“ (das Pfarrhaus) oder als „Lady Gladstone’s Cottage“ (das Häuschen von Lady Gladstone) bezeichnet. Hier war es, wo der Minister für die „Derryvore Church“ (Derryvore Kirche), der ebenfalls auch das „Board of Governors“ (Direktorium) für die „Old School“ (Alten Schule) innehatte, lebte. Einer seiner berühmtesten Bewohner war John Haughton Steele, der einen großen Aufruhr verursachte, als er zum Beginn des 20. Jahrhunderts zum Katholizismus konvertierte. Er musste für seine Weihung aus Sicherheitsgründen mitten in der Nacht nach Dublin reisen! Das „Cottage“ (Häuschen) wurde während der Wirren von 1972 von der IRA zerstört.

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Um 15:30 Uhr legten wir in Aghalane an.

 

Hier wollten wir eigentlich auch für die Nacht festmachen, denn hier befand sich das letzte Servicehäuschen vor dem Upper Lough Erne und hier wollten wir heute unsere Wäsche waschen. Ich ging also mit meiner Wäsche zum Servicehäuschen und füllte eine Waschmaschine mit Wäsche, schaltete sie an und kehrte zur Daisy zurück. Bis jetzt funktionierte alles wie geschmiert, aber es sollte anders kommen, davon aber später.

Um die Waschzeit zu überbrücken, schnappte ich mir die Kamera und machte mich auf dem Weg, dass in der Karte eingezeichnete Castle zu finden. Laut Karte sollte der Weg recht einfach zu finden sein, aber auch hier irrte ich mich.

Ich kam an der zerstörten Brücke vorbei und bog dort in Richtung Hauptstraße ab, die ich dann auch bald erreichte. Hier herrschte reger Verkehr, aber der Seitenstreifen war recht breit und so setzte ich meinen Weg fort.
Nach kurzer Zeit erreichte ich die Senator Mitchell Peace Bridge und wusste in dem Moment, dass ich in die falsche Richtung gelaufen war, da das Castle auf unserer Seite des Kanals lag.
Ich machte noch schnell ein paar Aufnahmen von hier oben, denn normalerweise fuhren wir ja unter der Brücke hindurch.

So konnte ich auch mal einen anderen Blick gewinnen. Tatsächlich fuhr auch gerade ein Boot den Kanal entlang. Die Brücke war recht breit, was man bei der Durchfahrt nicht unbedingt bemerkte.

 

 

 

 Hier fand ich natürlich auch wieder das Lieblingsschild von Holger, das man meist, in etwas abgeänderter Form, an vielen restaurierten Bauwerken findet. Die Erneuerung von Irlands historischen Bauten wird meist von der Europäischen Union mitfinanziert. Warum auch nicht!
 

Ich setzte meinen Weg fort, und schlug die Gegenrichtung ein, in der Hoffnung, bald das Castle zu finden, denn laut Karte sollte es gar nicht so weit vom Anleger entfernt sein. Ich ging jedoch wieder eine ganze Weile lang und von der kleinen Straße zum Castle, die rechts von der Straße hätte abgehen sollen, war weit und breit nichts zu sehen. Mittlerweile kam ich schon an den Seen vorbei, die auf der linken Seite der Hauptstraße lagen und damit wurde mir schlagartig klar, dass ich wieder nicht richtig gelaufen war. Mein Gott, wo war denn bloß dieses vermaledeite Castle. Sehr gefrustet begann ich den Rückweg. Als ich von der Hauptstraße wieder auf die Straße zum Anleger von Aghalane abbog, entdeckte ich auf der linken Seite einen Feldweg, vor dem sich ein geöffnetes Gatter befand. Ich wollte nichts unversucht lassen und so bog ich auf den Feldweg ab, dachte aber dabei, dass es wohl eh zwecklos sein würde.
Da hatte ich mich aber geirrt, denn, nachdem ich ein paar Minuten gelaufen war, entdeckte ich auf der linken Seite eine Ruine. Ich war einerseits froh, das Castle endlich entdeckt zu haben, andererseits war ich aber auch recht enttäuscht, denn ich hatte mir unter den Ruinen eines Castles etwas anderes vorgestellt. Aber nach einer Weile stellte ich fest, dass es doch von der Grundfläche her, etwas größer gewesen sein musste, es war aber nicht mehr viel von dem Castle übrig geblieben. Ich sah es mir in aller Ruhe an, denn das hatte ich mir wirklich nach dem langen Marsch verdient.

 

 

 
Die Ruinen des Castle bei Aghalane. Jeder muss selbst entscheiden, ob sich ein Besuch lohnen würde.

 

 

 

 

 

 

 
Aghalane Castle
Thomas Crigton - Beerdigungsunternehmer
Thomas Crigton baute vor 1619 dieses kleine Haus mit einem quadratischen Schlosshof auf einem Hügel östlich der Straße gelegen. Sowohl der Woodford River als auch die Grenze zwischen Fermanagh und Cavan befanden sich in der Nähe des Hauses. Die Mauern des Schlosshofes waren ungefähr zwei bis drei Meter hoch und sie waren mit Brombeersträuchern und mit Efeu überwachsen. Das eingefriedete Grundstück war neun Meter breit und sie hatte zwei runde Stütztürme auf der südlichen Seite. Die Türme hatten einen Durchmesser von vier Metern und ihre Mauern waren einen Meter dick.

Die Familie zog dann möglicherweise um 1655 herum in das Old Castle von Crom, das sich auf der gegenüberliegenden Seite des Upper Lough Erne befindet.
Die Ruinen dieses Castles bei Aghalane liegen in privater Obhut.

Zitat aus: http://www.castlesbytheerne.co.uk/files/castleaghalane.htm ; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Aghalane Castle und die Geschichte der Creighton Familie

In „Parliamentary Memoirs of Fermanagh and Tyrone from 1613 to 1885“ (der parlamentarischen Abhandlung von Fermanagh und Tyrone von 1613 bis 1885) (Dublin, 1887), schrieb der Vierte Earl of Belmore: „… [Die Creightons] beanspruchten die Abstammung von einem Zweig von den Crichtons, Viscounts Frendraught in Schottland, die Benennung unterblieb im Jahr 1698…“ In einem zweiteiligem Artikel von Crom Castle, der am 26. Mai und am 02. Juni 1988 im „Country Life“ erschienen war, stellte Gervase Jackson-Stops dar, dass die Creightons „von einer alten Familie mit einem Schloss in Brunston in der Nähe von Edinburgh abstammen…“ würden.
Die beste, einzelne Informationsquelle über die Geschichte der Familie und des Anwesens, mit dem offensichtlichen Hauptaugenmerk auf den Grundbesitz ist T.J.C. Reeves-Smyth’s „Crom Castle Demesne“ (der Grundbesitz von Crom Castle), „National Trust, 1989“ (der Gesellschaft zum Schutz des historischen Erbes, 1989), welche unglücklicherweise nicht veröffentlicht wurde, obwohl das Dokument für die Beratung von dem „Environment and Heritage Service (DOENI’s) Northern Ireland Monuments and Buildings Record, Hill Street, Belfast“ (Umwelt und Denkmal Dienst Nord-Irland Denkmäler und Gebäude Registrierung, Hill Street, Belfast) zur Verfügung steht. Laut Reeves-Smyth „wird der Name ursprünglich weder Creighton noch Crichton buchstabiert, sondern „Creichtoun“,“… abgeleitet von der Baronie mit dem selben Namen in einer Grafschaft von Edinburgh, und die Abstammung des Namens kann bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgt werden…. In dem frühen 15. Jahrhundert, erwarb ein Zweig der Familie Grundbesitz bei Brunston…, und… für die nächsten acht Generationen war der Kopf dieses Zweiges der „Laird of Brunston“ (der Gutsherr von Brunston).
1597 verkaufte der Neunte Laird dort seinen Grundbesitz…“, und sein ältester Sohn James, sein jüngerer Sohn Abraham und sein Enkel Thomas (der Sohn von James) waren alle darum bemüht, bei der Besiedelung der Grafschaft Fermanagh mitzuwirken.
Die Creightons von Crom waren nicht die ursprünglichen Pateninhaber von der Plantage in Fermanagh und tatsächlich ging Crom nicht vor 1655 in ihren Besitz über. 1613 kaufte James und/oder Thomas Creighton (die Beweismittel widersprechen sich) den Anteil Aghalane, das sich in kurzer Entfernung von Crom, auf der anderen Seite des Sees befindet, von dem ursprünglichen Patentinhaber, Thomas Moneypenny, „Laird of Tinkell“ (der Gutsherr von Tinkell) ab. Das geschah äußerst schnell nach dem Datum der Verabschiedung des letzten Patentes im Jahre 1611. 1615 errichtete James und/oder Thomas das Aghalane Castle (Quelle dazu: John Johnston; „The Scotch Settlement of Co. Fermanagh, 1610-1630” (Die schottische Besiedelung der Grafschaft Fermanagh, 1610-1639), in Clogher Record, ix, 1978, Seite 367-373). 1616 verpachtete Thomas Creighton seinem Onkel Abraham die Grundstücke von Derrycanon, etc, welche ein Teil von dem Landgut von Aghalane waren. Auf diesem Land errichtete Abraham Creighton für sich selbst ein Haus bei Dromboory (welches ungefähr bis 1840 oder 1845 bestand, bis es nieder brannte) und danach wurde „of Dromboory“ entworfen. Er starb 1630 und sein Sohn, ein weiterer Abraham, der später unter dem Namen Colonel Abraham Creighton bekannt wurde, wurde sein Nachfolger. Zu diesem Zeitpunkt und bis 1655, war Abraham Creighton noch eine ärmere Verwandtschaft und ein Pächter seines Cousins von Aghalane. 1661 starb Thomas Creighton und sein jüngerer Bruder, Rev. George Creighton (Rev. – Reverend – Hochwürden), wurde sein Nachfolger. Rev. George Creigton, der in diesem Jahr Abraham Creighton eine Erbpacht für Dromboory bewilligte. Mit der Erbpacht erhielt Abraham in Wirklichkeit die Eigentumsrechte für Dromborry.
In dem frühen 18. Jahrhundert zog John Creighton (laut Reeves-Smyth), der damalige Kopf des Aghalane Zweiges der Familie, von dem Aghalane Castle in ein kleines Herrenhaus bei Killynick, das erst kürzlich errichtet worden war. Obgleich er jetzt ein ziemlich entfernter Vetter war, bot er doch eine prominente Niederlassung der Familie der Creightons von Crom (und umgekehrt). John Creighton starb 1738, ohne einen Sohn als Nachfolger und so legte er in seinem Testament fest, dass das Anwesen verkauft werden müsste und der Gewinn sollte unter seinen sechs Töchtern aufgeteilt werden. Der Käufer des Anwesens war Samual Cooke, der spätere Sir Samual, Ratsherr von der Stadt Dublin. Cooke’s Tochter Anne heiratete Walter Weldon, ein Mitglied der Weldon Familie von Rahenderry in der Grafschaft Queen und nach 1784 gehörte Aghalane gemeinschaftlich Mrs. Anne Weldon, jetzt eine Witwe, und Samuel Cooke Weldon, ihrem Sohn aus der Ehe mit Walter Weldon. Dann, durch eine außergewöhnlichen Zufall, heiratete im Jahr 1797 Jane, eine von den zwei Weldon Töchtern den Colonel the Hon. John Creighton, der zweite Sohn von dem Ersten Earl of Erne und Vater von dem Dritten Earl of Erne (the Hon. – the Honourable – der Ehrenwerte). Zu diesem Zeitpunkt war Jane Weldon eine gut betuchte Frau (sie brachte John Creighton die große Summe von £17,000 als Mitgift mit). Aber kurz danach starb ihr einziger Bruder Samuel Cooke Weldon und er hinterließ sowohl Jane als auch seine andere Schwester als Miterbin. 1816 wurde das Weldon Anwesen (welches nur aus Aghalane in der Grafschaft Fermanagh bestand) unter den Miterbinnen aufgeteilt und das Anwesen von Aghalane ging an Jane Creighton. Von 1829 ab, wurde das Anwesen ein Teil von dem „Killynick Estate“ (Killynick Anwesen), dass so, in den Mitte des 19. Jahrhunderts Aufzeichnungen der Erne Anwesen, genannt wurde. Nach dem Erwerb von zusätzlichen Grundstücken in den Jahren 1842-1852 im Wert von £19,382 verfügte das zusammengefasste Anwesen von Killynick über insgesamt 1,798 Acres (irischen).

Zitat aus: http://www.proni.gov.uk/records/private/erne.htm
; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Ich mache mich auf den Rückweg zum Anleger und falls sich jemand anderes noch einmal für das Castle interessieren sollte, dokumentiere ich den Rückweg Schritt für Schritt in Bildern. Also, folgt meinen Bildern und ihr werdet das Castle sehr schnell finden. Ich fand schon, dass sich der Besuch lohnte, so habe ich wieder einen Haken hinter einem Punkt auf meiner Besichtigungsliste!

Hier ist also jetzt der versprochene Tourguide in Bildern.

 Man startet am Anleger und mit dem Kanal im Rücken geht man nach Rechts.

Dann geht man über die beweglichen Rohre hinweg, die dazu da sind, dass das Vieh nicht auf den Anleger gelangt und dann geht es immer weiter geradeaus.

Man geht solange den Weg entlang, bis man zu dem Schutz vor Wohnmobilen kommt.

Man geht dann durch das Tor hindurch und das kurze Stück bis zur Kreuzung weiter geradeaus, dann biegt man an der Kreuzung rechts ab.

Man befindet sich jetzt auf dieser Straße, auf der man immer weiter geradeaus läuft.

An dieser Stelle nicht links abbiegen, noch geht es weiter geradeaus.

An dieser Stelle nach rechts abbiegen, auch wenn es wie eine Zufahrt zu einem Feld aussieht.

Sehr einladend sieht der Weg wirklich nicht aus, aber es ist tatsächlich der richtige Weg.

Immer dem Weg nach, auch wenn er eine Biegung nach rechts macht.

Bald ist man am Ziel, man kann die Ruine des Castles im Hintergrund schon erahnen.


Ich hoffe wirklich, dass der Plan für diejenigen hilfreich sein wird, die, so wie ich, einmal einen Blick auf das Castle von Aghalane werfen wollen. Viel Spaß beim der Verfolgung des Planes!

Auf dem Rückweg zum Anleger sah ich mir auch noch die alte Brücke von Aghalane an, die 1972 während der Streitigkeiten zwischen Irland und Nordirland in die Luft gejagt wurde. Wir waren zwar schon öfters in Aghalane, aber die Brücke hatten wir uns noch nie näher angesehen. Bei dem Schild „Road Closed“ (Straße geschlossen) bog ich auf die ehemalige Verbindungsstraße Cavan-Omagh ein.

Die Natur hatte in den zurückliegenden Jahrzehnten schon ihr Bestes gegeben, aber trotzdem konnte man die ehemalige Straße immer noch gut erkennen. Ich folgte ihr und gelangte schließlich zu den Brückenüberresten auf meiner Seite.
Diese waren schon arg überwuchert. Von hier aus hatte man einen guten Blick auf die Brückenüberreste der gegenüberliegenden Seite, die etwas gepflegter aussahen.

 

Aghalane; Irland; Senator George Mitchell Bridge
Der Brückenschlag

Durch die Instandsetzung einer alten Brücke wurde den Kommunen neues Leben eingehaucht, und eine abgelegene Gegend wurde wieder in das soziale und wirtschaftliche Leben eingebunden. Es ist zu hoffen, dass die Senator George Mitchell Bridge (so der Name der Brücke) im Laufe der Zeit zu einem Symbol für den Brückenschlag in der gesamten Region werden wird.
Aghalane Bridge bildet die Grenze zwischen dem Norden und dem Süden Irlands. 150 Jahre lang wurde diese Brücke von den Einheimischen benutzt, wenn sie den Fluss Woodford überqueren wollten. Sie diente als Verbindung zu den Unternehmen und Kommunen, die im Hinterland gelegen waren, ferner als Hauptverkehrsstrecke zwischen Donegal und Dublin und als kürzeste Verbindung zwischen den Provinzstädten Enniskillen und Cavan. 1972 wurde die Brücke von unbekannten paramilitärischen Verbänden in die Luft gejagt. Damit waren die Einheimischen während der folgenden 27 Jahre gezwungen, einen Umweg von 40 km in Kauf zu nehmen, wenn sie auf die andere Seite des Flusses gelangen wollten, anstatt wie früher einen kurzen Fußmarsch zu machen oder ein kurzes Stück mit dem Auto zu fahren. Es wuchs eine neue Generation heran, die ihre Nachbarn auf der anderen Seite des Flusses nicht kannte. Dies wiederum lähmte das wirtschaftliche und das soziale Leben in der ganzen Gegend und ließ sie zu einem Niemandsland werden.
Joan Bullock, deren Haus und Flächen gleich hinter der Brücke gelegen sind, erinnert sich an folgende Begebenheit: Ihr Schwager, der einen landwirtschaftlichen Betrieb am südlichen Ende der Brücke hat, lag im Krankenhaus und war nicht in der Lage, sein Heu einzufahren, bevor der Regen kam. Bis Joan Bulleck den Umweg von 12 Meilen (knapp 20 km) zu dem Betrieb zurückgelegt hatte, musste sie feststellen, dass ein Nachbar das Heu schon zu Ballen gepresst hatte - eine Geste, die deutlich macht, wie stark der Zusammenhalt jener Kommunen ist. Dieser Zusammenhalt ist es auch, der die Kommunen auf beiden Seiten des Flusses wieder hat zusammenwachsen lassen.
Mit dem Brückenprojekt wurde 1994 begonnen, 22 Jahre nach der Zerstörung. Die Gemeinschaft stellte 75% der Mittel für das Projekt im Rahmen ihres Programms für Frieden und Versöhnung bereit, der Rest wurde von der britischen und der irischen Regierung finanziert. Es wurde ein Lenkungsausschuss eingerichtet, in dem die Roads Service-Omagh Division (die für den Straßendienst von Omagh zuständige Abteilung), die National Roads Authority (nationale Straßenbehörde) und der Rat der Grafschaft Cavan vertreten waren. Da auch die bestehende Verbindung zwischen Aghalane und Belturbet nicht mehr den modernen Ansprüchen genügte, wurde beschlossen, diese Straße teilweise zu verlegen und 200 Meter oberhalb der alten Brücke über den Grenzfluss Woodford einen neuen Übergang zu schaffen. Bei diesem Projekt ging es somit um die Verlegung einer Trasse, die die Hauptarterie für den grenzüberschreitenden Verkehr darstellt und von strategischer Bedeutung für die gesamte Gegend ist, da sie den Süden von Donegal sowie Enniskillen und die Grafschaft Fermanagh mit der Grafschaft Cavan, mit Mittelirland und mit Dublin verbindet. Im April 1999 wurde die Brücke für den Verkehr freigegeben und "Senator George Mitchell Bridge" getauft. Dies geschah in Anerkennung des Beitrags, den der gleichnamige amerikanische Senator leistete, als er den Vorsitz während der Friedensgespräche führte, die zu dem so genannten Karfreitagsabkommen führten.
Die Instandsetzung der Brücke und die Öffnung des Shannon-Erne-Waterway, ein Kanal, der den Shannon mit dem Erne verbindet, haben sich auch auf den Fremdenverkehr positiv ausgewirkt, den Geschäften mehr Laufkundschaft gebracht und somit der gesamten Region Auftrieb gegeben.
Zwar ist diese neue Brücke nur eines von mehr als 10 000 Projekten, das im Rahmen des Programms der Gemeinschaft für Frieden und Versöhnung gefördert wird, jedoch ist sie eines der symbolträchtigsten und der am deutlichsten sichtbaren Bauwerke.
Laut dem irischen Minister für Umwelt und kommunale Verwaltung, Noel Dempsey, wurde mit dem Wiederaufbau der Brücke von Aghalane "ein Symbol der Teilung durch ein Symbol der Versöhnung ersetzt ... die neue Brücke steht für die Wiedervereinigung der Kommunen und deren Verlangen nach echtem und dauerhaften Frieden."
Last modified on January 2001

Zitat aus: http://ec.europa.eu/regional_policy/projects/stories/details.cfm?pay=IE&the=10&sto=330&lan=3
 

Ich kehrte zum Anleger zurück.
Holger hatte schon die Kartoffeln für den Kartoffelsalat für das morgige Forumstreffen in der Trial Bay gekocht und er ließ die Kartoffeln erst einmal abkühlen. Während ich auf der Suche nach dem Castle war, hatte ein Boot, mit einem Forumswimpel auch am Anleger von Aghalane festgemacht. Bei der Crew des CarrickCraft Bootes handelte es sich um Willi, Bettina und Kristin, die sich schon auf ihrer Rücktour befanden. Das eigentliche Mitglied im Forum war Willi und er hatte den Benutzernamen Willi 1. Holger hatte sich schon eine ganze Weile mit ihnen unterhalten. Ich berichtete von meiner Irrtour zum Castle und sah dann nach der Wäsche, die natürlich schon fertig war. Ich lud die Wäsche in den Wäschetrockner, um dann noch eine Waschmaschine mit dreckiger Wäsche aufzusetzen. Nachdem ich für den Wäschetrockner die nötigen Einheiten bezahlt hatte, wollte ich ihn anstellen und oh Schreck, er ging nicht. Nun hatten wir ein großes Problem, denn bei dieser Witterung war es schier unmöglich, die gewaschene Wäsche trocken zu bekommen. Uns blieb also nur die Wahl, ein anderes Servicehäuschen aufzusuchen, um die Wäsche dort zu trocknen. Leider war der Shannon-Erne-Waterway nicht gerade mit Servicehäuschen überhäuft worden und so war das nächste für uns das von Ballyconnell. Wir mussten also den Kanal wieder zurückfahren. So ein Pech!
Wir legten um 18:00 Uhr in Aghalane mit einem Sack voller nasser Wäsche und mit dem Ziel Ballyconnell ab. Auch Willi, Bettina und Kristin machten ihr CarrickCraft Boot los und folgten uns.

 

 

 

Die Drei wollten aber nicht ganz bis nach Ballyconnell fahren, sie wollten in der Marina, die sich direkt bei der Schleuse Nummer 1 befindet, übernachten. Aber bis dahin hatten wir einen Verfolger auf dem Kanal.
Wir erreichten die Schleuse Nummer 1, Corraquill und während Holger mich an dem Anleger vor der Schleuse absetzte, bogen Willi, Bettina und Kristin mit ihrem CarrickCraft Boot in den Hafen direkt vor der Schleuse ein. Sie hatten ihr Nachtquartier schon erreicht, während wir noch ein wenig fahren mussten. Während ich die Schleuse für uns fertig machte, sie war natürlich wieder für die Gegenrichtung offen, wartete Holger am Anleger darauf, in die Schleuse einfahren zu können. Lange musste er jedoch nicht warten und nachdem er in die Schleuse eingefahren war, schloss ich gleich hinter der Daisy die Schleusentore, um dann so schnell wie möglich das Wasser herein zu lassen. Wir hatten es ein wenig eilig, denn wir durften ja nur bis 20:00 Uhr schleusen und wir mussten heute noch die Schleuse Nummer 2, Ballyconnell Lock, schaffen, denn erst hinter ihr befand sich das Servicehäuschen mit dem Wäschetrockner. Ich bekam am Kontrollpult Besuch von zwei Schäferhunden und Holger musste mir dann gleich unseren Kochschinken holen, damit die armen BBH’s (BootsBettelHunde) etwas zu beißen hatten.
Sie fielen nicht gerade vom Fleisch, denn alle BBH’s (BootsBettelHunde) hatten sicherlich ein Zuhause, aber ich fütterte die Hunde einfach zu gerne. Sie waren alle auch immer sehr freundlich und anhänglich, denn sie wussten ja aus jahrelanger Übung, wie sie den Besatzungen der Boote am Besten die Leckereien entlocken konnten.

 

 

 

 

 

Um 18:35 Uhr hatten wir die Schleuse Nummer 1 geschafft und wir machten uns gleich auf dem Weg zur Schleuse Nummer 2, Ballyconnell Lock. Direkt vor der Schleuse Nummer 2 kam uns das MHM Boot von Martina entgegen. Schnell erklärten wir unsere missliche Lage und schon trennten sich wieder unsere Wege. Wir würden uns ja spätestens morgen in der Trial Bay wieder sehen. Da Martina gerade geschleust hatten, stand die Schleuse Nummer 2 in unsere Richtung offen. Holger konnte aber nicht sofort in die Schleuse einfahren, denn er musste mich ja erst am Anleger absetzen. Das Schleusen selbst ging diesmal recht flott vonstatten und so hatten wir unsere letzte Schleuse für heute um 19:20 Uhr hinter uns gebracht. Immerhin hätten wir noch vierzig Minuten bis zum Schleusenschluss Zeit gehabt, aber ich war froh, dass wir die Schleuse nicht auf den letzten Drücker passiert hatten.

 

 

 

Um 19:35 Uhr machten wir für die Nacht in Ballyconnell fest.

 

 

Ich nahm dann gleich sowohl die nasse Wäsche und auch die dreckige Wäsche und machte mich gleich zum Servicehäuschen auf. Ich hatte doch ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, denn ich hatte Angst, hier auch keine funktionierenden Maschinen vorzufinden. Im Servicehäuschen angekommen, sah es auch erst danach aus, dass der Trockne hier auch nicht funktionieren würde, da der Einschaltknopf verschwunden war, aber dank meines Stiftes an der Gürtelschnalle konnte ich den Trockner einschalten. Selbst ist die Frau! Mir fielen wirklich mehrere große Steine vom Herzen. Nun würden wir die Wäsche doch noch trocken bekommen. Holger hatte währenddessen schon das Abendbrot zubereitet. Es gab Speck mit Rührei und Champignons und es hatte wie immer super geschmeckt. Wir sahen uns die DVD „Ritter aus Leidenschaft“ an. Da ich den Film schon mehrmals gesehen hatte und ihn fast auswendig konnte, machte es auch nichts aus, wenn ich zwischenzeitlich mal zu dem Servicehäuschen ging, um nach der Wäsche zu sehen. Auf der Rasenfläche direkt bei dem Servicehäuschen stolperte ich mehr oder minder über ein Guinness Pint Glas. Da Holger schon die ganze Zeit eines haben wollte, wir aber noch keines wegen der enormen Preise gekauft hatten, präsentierte ich Holger, bei meiner Rückkehr auf das Boot, sein neues Pint Glas. Darüber hatte er sich dann auch richtig gefreut. Jetzt konnte er sein Guinness, beziehungsweise sein Murphys stilgerecht aus einem Pint Glas trinken. Wir spülten es sehr sorgfältig mit recht heißem Wasser ab und dann weihte es Holger auch schon ein. In der Mitte des Films holte ich dann schnell die Wäsche aus dem Servicehäuschen, die ich dort schon zusammengelegt hatte. So musste ich sie an Bord nur noch wegpacken. Das Ende des Films habe ich nicht mehr erlebt, denn ich war von diesem Tag so müde, dass ich schon vor dem Filmende ins Bett gegangen bin. Holger sah sich den Film noch zu Ende an und ging dann auch in seine Koje.

 

Ballyconnell
In Ballyconnell gibt es jede Menge Spaß. Das Fischrevier ist hier vortrefflich. Neben dem „Slieve Russell Hotel“ gibt es auch Pubs in Ballyconnell, die alle verschiedene Arten von Musik und Unterhaltung anbieten. Auch gibt es hier eine gute Auswahl an Lebensmittelläden, in denen man seine Einkäufe erledigen kann. Ballyconnell (the mouth of the ford of Conall – die Öffnung der Furt von Conall) wurde nach dem legendären Krieger Conall Cearnach (Conall the Victorious – Conall, der Siegreiche), aus der heidnisch keltischen Eisenzeit, benannt. Er wurde auf der Furt eines Flusses von den „Men of Connacht“ (Männern von Connacht) getötet, die gekommen waren, um den Tod ihres Königs zu rächen. Conall war ein Cousin von dem berühmten Cuchulainn und er war ein Mitglied der „Red Branch Warriors“ (Krieger des roten Zweiges).
Einige schöne, in Stein gehauene Zeichen können auf dem „Killycluggin Stone“ (Stein von Killycluggin) angesehen werden, der auf der Straße zwischen Ballinamore und Ballyconnell gefunden wurde. Es wird erzählt, dass das der Stein wäre, auf dem die Könige eingeweiht worden wären.
Die Gemeinde von Tomregan, in der sich die Stadt Ballyconnell befindet, ist da, wo St. Bricin, ein Wundarzt und Priester am Ende des 06. Jahrhunderts lebte und arbeitete. Er wurde Mullynagolman genannt und hier wurden die Überreste einer Kirche und eines Rundturmes gefunden. Es war ein Platz des Lernens, eine frühe Universität, an der das Recht, die Medizin, die Klassiker und das alte Wissen der Iren unterrichtet wurden. Als Oberhaupt von allem hatte Bricin viele Privilegien und Reichtümer und er hatte auch das Recht, neben dem König während der Festmahle zu sitzen. Er war ursprünglich auf den Namen Bric oder Brec getauft worden, dass heißt „sommersprossig“, aber die winzige Endung klebte an ihm fest. Bricin heilte den königlichen Soldaten Cenn Faeladh, der bei dem „Battle of Magh Rath“ (dem Kampf bei Mag Rath) in der Nähe von Moira in der Grafschaft Down schwer verwundet worden war. Tom blieb ein Jahr lang in Tomregan (irische Ärzte waren nach der Behandlung noch drei Jahre lang für ihre Patienten verantwortlich!), da sich die berühmte Schule der Medizin möglicherweise auf Gehirnverletzungen spezialisiert hatte und St. Bricin hatte wahrscheinlich eine Trepanationsoperation durchgeführt, um die entmutigende Fraktur des Schädels bei seinem Patienten zu heilen. Cenn besuchte alle Vorträge, die während seines Aufenthaltes gehalten wurden und er wurde einer der führenden Gelehrten dieser Tage. Sein größter Erfolg war es, das Recht aufzuschreiben, dass bis dahin im Gegensatz zu den Klassikern und den kirchlichen Arbeiten, die immer aufgeschrieben wurde, die letzteren in Latein, nur mündlich weitergeben wurde. Er starb 679 nach Christus. Er hatte den passenden Namen „Sapiens“ oder „Wise One“ (der Weise).
Tomregan basierte viele Jahrhunderte lang auf dem Wissen der Druiden und wahrscheinlich auf dem der vorausgehenden Christianisierung. Es befindet sich nur vier Meilen von dem Druiden Tempel von Crom Cruach, oder Crom Cruic entfernt. Die lokale „Church of Ireland“ (Kirche von Irland) wurde im 17. Jahrhundert gebaut und sie ist von irdenen Befestigungsanlagen und Schanzen umgeben.

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Und nun noch eine kleine Geschichtsstunde, die die uralte Geschichte Irlands behandelt. Diesmal geht es um Conall, nach dem Ballyconnell benannt wurde. Wer war dieser Krieger und was tat er so den ganzen langen Tag lang. Ich war ein wenig entsetzt, denn sein Hobby war es anscheinend, seinen Feinden die Köpfe abzuschlagen. Andere Zeiten, andere Sitten, aber hier der ganze Text zu Conall.

Conall Cernach (Conall der Siegreiche)
Conall Cernach (Conall der Siegreiche) war ein heroischer Krieger des Ulaid im Ulster Zyklus der irischen Mythologie. Sein Vater war Amairgin Mac Echit und seine Mutter war Findchoem. Er hat eine heftige Rivalität mit dem Connacht Krieger Cet Mac Mágach und es wird gesagt, dass er mit dem Kopf von einem Connachtmann unter seinem Knie immer geschlafen hätte. Er hatte
einen schiefen Nacken.
Er beschämte Cet bei einem Festmahl im Haus von Mac Dá Thó, ein Johanniter von Leinster, als die Krieger von Connacht und von Ulster um den Meistertitel im Wettstreit lagen, in dem sie ihre Taten rühmten. Cet erinnerte alle Beteiligten daran, wie er sie im Kampf übertroffen hatte, einschließlich wie er Celtchar mit seinem Speer entmannt hatte. Jedoch, als Cet im Begriff war, es auszuschmücken, kam Conall an, und seine Prahlerei überstieg selbst die von Cet. Cet ließ Niederlage zu, aber behauptete, dass, wenn sein Bruder Anlúan anwesend gewesen wäre, würden seine Heldentaten die von Conall sogar überbieten. Conall reagierte, indem er Cet den frisch abgetrennten Kopf von Anlúan hinwarf.
Er trat auch im Wettkampf um den Meistertitel mit Cúchulainn und Lóegaire Búadach beim Festmahl von Briccrius an, aber dieses Mal erwies sich Cúchulainn als bester.
Er half dem Connacht Helden Fráech, seine Frau und sein Vieh zurück zu gewinnen, nachdem sie gestohlen und zu den Alpen gebracht worden waren.
Er bekämpfte Mes Gedra, dem König von Leinster, in einem einzelnen Kampf, auf den eine Schlacht folgte, die Athirne einem Dichter aus Ulster provoziert worden war. Mes Gedra hatte eine Hand in einem früheren Kampf verloren, also kämpfte Conall mit einer Hand im Gürtel. Er gewann und nahm den Kopf seines Gegners als Trophäe. Als er den Kopf von Mes Gedra auf seine Schulter aufsetzte, entzerrte es seinen Nacken. Der Wagenlenker von Conall konnte den Kopf nicht befördern, so entfernte er das Gehirn und konservierte es, indem er es mit Kalk vermischte. Das gekalkte Gehirn wurde später von Cet gestohlen und er benutzte es um Conchobar mac Nessa zu töten. Conall und Cúchulainn hatten sich gegenseitig geschworen, dass, wenn einer von ihnen getötet werden würde, der andere seinen Tod vor dem Dunkelwerden rächen würde. Dann töteten Lugaid mac Con Roi und Erc, der Sohn von Cairbre Nia Fer Cúchulainn und Conall machte Jagd auf sie. Lugaid hatte ebenfalls eine Hand verloren und Conall kämpfte abermals einhändig, aber dieses Mal gewann er nur, weil sein Pferd Lugaid in die Seite biss. Er nahm von beiden die Köpfe und dann brachte er den Kopf von Erc zurück nach Tara zu seiner Schwester Archall, die dann an Kummer starb.
Conall verfolgte Cet nachdem er einen Raubzug nach Ulster gemacht hatte, bei dem er 27 Menschen tötete und ihre Köpfe nahm. Es hatte geschneit und so war er in der Lage, der Spur von Cet zu folgen. Er holte ihn ein, aber es widerstrebte ihn, sich ihm gegenüber zu stellen, bis sein Wagenlenker ihn wegen seiner Feigheit rügte. Sie trafen sich bei einer Furt und Conall tötete Cet in einem wilden Kampf, der Conall fast auch das Leben gekostet hätte.
Er wurde von Bélchú of Breifne, einem Connachtmann gefunden, der ihn mit zu sich nach Hause nahm, um seine Wunden zu versorgen und er wollte erst gegen ihn kämpfen, wenn er wieder hergestellt war. Aber Bélchú bereute schnell sein achtbares Verhalten und er bat seine drei Söhne, Conall zu töten, während er auf seinem Krankenbett lag. Conall belauschte das Gespräch und zwang Bélchú dazu, seinen Platz im Bett einzunehmen und als die Söhne von Bélchú kamen, töteten sie ihn anstelle von Conall. Conall tötete dann alle drei und nahm die Köpfe von den vier Toten mit nach Hause.
Nachdem Conchobor und sein Sohn Cormac Cond Longas getötet wurden, wurde Conall das Königtum von Ulster angeboten. Er lehnte es aber ab. In seinen restlichen Jahren ging er, um bei Ailill und Medb von Connacht zu bleiben, denn hier war es der beste Platz, wo man nach ihm sehen konnte. Ailill hatte eine andere Frau hinter Medb’s Rücken gesehen und so stachelte Medb Conall an, Ailill zu töten, das er dann auch sehr gerne tat, da Ailill Fergus mac Róich getötet hatte. Danach floh er, aber die Männer von Connacht machten Jagd auf ihn und töteten ihn bei Ath na Manna, welches heute die Stadt Ballyconnell in der Grafschaft Cavan ist.
Obwohl sein Beiname „Cernach“ sehr oft mit „victorious“ (siegreich) oder „triumphant“ (erfolgreich) ausgelegt wurde, ist es ein unverständliches Wort, und einige Texte mühen sich ganz schön ab, um es zu erklären. Es wurde auch schon vorgeschlagen, dass Conall möglicherweise mit Cernunnos, dem „Gaulish horned God“ (gälischen gehörten Gott) in Verbindung gestanden hätte.
Ungewöhnlich für einen Charakter des Ulster Zyklus war es, dass Conall in der mittelalterlichen irischen Genealogie als ein Vorfahr der Könige Dál nAraidi und Uí Echach Coba erscheint.

Zitat aus: http://en.wikipedia.org/wiki/Conall_Cernach ; frei aus dem Englischen Übersetzt von Inga