15.04.2006

Der Urlaub beginnt – spät aufstehen, früh ins Bett

 

Wir hatten richtig lange geschlafen, nach dem Wachwerden gab es wieder Kellogg’s Frosties zum Frühstück. Dann wuschen wir ab und machten uns für den Tag fertig. Währenddessen fuhr ein Boot von Manor House Marine (MHM) mit dem Shannon-Info Wimpel in den Hafen ein und machte an der Stelle fest, wo Heinz Werner mit seinem ABC Boot über Nacht gelegen hatte. Zwei weitere Boote hatten auch schon Haughton’s Shore verlassen. Wir hatten wohl wirklich lange geschlafen, denn normaler Weise gehörten wir meist zu den Ersten, die morgens ablegten.

 Aber gestern Abend war es ja wirklich recht spät geworden. Holger ging zu dem MHM Boot hin und wie wir schon vermutet hatten, war es Paolo. Ich kam dazu und wir unterhielten uns eine zeitlang mit ihnen. Gleich neben dem MHM machte sich gerade ein Ire von einem kleinen Boot, das vor dem MHM am Anleger lag, sein Frühstück auf dem Anleger fertig. Das Boot war so klein, dass es keine Küche hatte. Diese Art des Bootsurlaubs kann man fast mit Camping vergleichen, nur dass man hier kein Zelt, sondern eben ein Boot dabei hat. Der Ire hatte sicherlich auch alles dabei, nur mein Ding wäre das wirklich nicht. Ich bin froh, dass wir alles an Bord hatten und nicht unsere Essensmahlzeiten auf dem Anleger bei Wind und Wetter zubereiten mussten. Aber jeder so wie er will. Nachdem wir wieder zur Daisy nach dem kleinen Plausch zurückgekehrt waren, legten wir gleich in Haughton’s Shore ab. Jetzt war es 11:30 Uhr.
Gleich nach Haughton’s Shore befuhren wir den sehr schmalen, aber mit dem Camlin River zu vergleichenden, also sehr romantischen, Woodford Canal, der nach einer Fahrt von ungefähr fünfzehn Minuten in dem Ballymagauran Lough fließt. Zwar war dies ein etwas breiterer Abschnitt unserer Strecke, wir ließen ihn jedoch schnell hinter uns, da der eingezeichnete Fahrweg am unteren Teil des Sees entlangführte. Gleich nach dem See verengte sich der Fahrweg wieder auf Flussgröße, bis wir den Derrycassan Lough erreichten. Da auch dieser einer der kleineren Seen ist, dauerte die Überfahrt nicht lange und wir erreichten wieder einen schmaleren Fahrweg, der uns bald darauf in den Coologe Lough führte. Gleich hinter dem Coologe Lough liegt eine Brücke, an der sich ein sehr kleiner Anleger befindet. Ich glaube, dass hier maximal zwei Boote Platz finden. Dieser Anleger ist mehr oder minder ein Geheimtipp. Wir lagen hier zwar noch nicht über Nacht, aber nachdem auf einer unserer Bootstouren einmal eine Sicherung herausgesprungen war, hielten wir an diesem Anleger an, um uns mit dem Wavelinern in Verbindung zu setzen. Daher kennen wir ihn recht gut. Uns erreichte eine SMS von Martina. Sie hatten mittlerweile Ballyconnell erreicht und sie fragte nach, wann wir es denn schaffen würden. Holger antwortete ihr, dass wir wohl noch mindestens eine Stunde, wenn nicht noch mehr brauchen würden. Als Antwort bekamen wir, dass die Friebels sich dann erst einmal Ballyconnell ansehen und Lebensmittel einkaufen würden.
Nach der Brücke erreichten wir nach einer sehr kurzen Fahrt die Schleuse Nummer 3, Skelan Lock, die sogar in unserer Richtung offen war, so konnte Holger gleich in die Schleuse einfahren. Da wir bergab schleusten, verließ ich die Daisy auch erst in der Schleuse.

Ich schloss gleich die Schleusentore und während ich darauf wartete, dass das Wasser aus der Schleuse lief, sah ich mir die Anleger der Schleuse etwas genauer an. Mir fielen an dem von uns aus gesehenen hinteren Anleger blaue Kanister ins Auge, die an den Klampen des Anlegers befestigt waren. Erst konnte ich mir keinen Reim darauf machen. Wären sie nicht befestigt gewesen, dann hätte ich sicherlich darauf getippt, dass jemand seinen Müll wohl hatte liegen lassen, aber mit der Befestigung müssen sie wohl einen gewissen Sinn erfüllen. Dann fiel es mir ein. Natürlich, das Hochwasser. Vor zwei Wochen noch war der Stand des Kanals so hoch, dass auch einige Anleger unter Wasser standen und dieser war wohl einer von diesen Anlegern gewesen. Die Kanister sollten also bei Hochwasser den Anleger markieren, denn, dadurch, dass sie Luft enthielten, schwammen sie natürlich auf dem Wasser und so war es dann ein guter Hinweis für die Bootsfahrer, hier sehr vorsichtig zu manövrieren. Um 12:20 Uhr hatten wir dann auch schon die Schleuse Nummer 3 hinter uns gelassen. Diesmal ging das Schleusen richtig schnell vonstatten.

 

 

 

 

 

 

So glücklich und selig sieht Holger immer aus, wenn er am Steuer eines Bootes sitzt. Die Mütze wurde in diesem Urlaub irgendwie zu seinem Markenzeichen.
Nach der Schleuse Nummer 3 befanden wir uns auf dem Woodford River, einem Abschnitt des Shannon-Erne-Waterway, der uns direkt nach Ballyconnell bringen sollte. Schon von Weiten konnten wir die großen Windräder von Ballyconnell sehen. In Originalgröße hatte ich sie noch nie gesehen, aber sie müssen wirklich enorm groß sein, denn sie sind um Ballyconnell herum von überall aus sichtbar, so kann man sie auch super als Orientierungshilfe benutzen. Leider wollten die Wolken einfach nicht die Sonne durchlassen, aber immerhin wehte kaum ein Lüftchen.

Die Fahrt auf dem Woodford River war sehr entspannend. Es kam uns kaum ein anderes Boot entgegen und so konnte man sich in aller Ruhe mit der Gegend beschäftigen, die natürlich, wie erwartet, sehr hübsch war. An einigen Uferbereichen des Woodford River blühte der Ginster. Für meine verstorbene Mutter wäre Irland zu dieser Jahreszeit sicherlich nichts gewesen, denn seit sie mit mir schwanger war, wurde ihr vom Geruch des blühenden Ginsters immer schlecht und blühenden Ginster konnte man hier ja an jeder Ecke sehen. Warum sie gerade mit blühendem Ginster die Probleme bekommen hatte, konnte sie nie klären, denn vor der Schwangerschaft mochte sie Ginster sehr gerne.
 Nach knapp einer Stunde Fahrt auf dem Woodford River erreichten wir Ballyconnell. Wir machten am Anleger zwischen dem ABC Boot von Heinz Werner und dem MHM Boot von Martina fest. Kurz nach dem Festmachen trafen wir auch schon auf Heinz Werner und seine Crew. Während wir uns mit ihm unterhielten, sah ich die ganzen Enten am Anleger sitzen, auf etwas Fressbares wartend und ich entschließ mich dazu, unser fast abgelaufenes Toastbrot zu opfern.Ich gab auch den Enkeln von Heinz Werner etwas Toastbrot zum Füttern ab und als ich sah, wie viel Spaß sie dabei hatten, überließ ich ihnen das Toastbrot ganz. Mittlerweile war auch Udo mit seinem Sohn Tim zu Holger und Heinz Werner gestoßen, auch er hatte in Ballyconnell fest gemacht, um hier einzukaufen. Auch wir mussten noch unbedingt die Zutaten zu Holgers Kartoffelsalat einkaufen, denn den sollte Holger für unser Forumstreffen in der Trial Bay machen und das sollte ja nun bald stattfinden.

 

 Auch wollte ich noch nach unseren bestimmten Cappuccino Ausschau halten und wenn ich ihn finden sollte, dann würde ich sicherlich einen großen Vorrat einkaufen, denn von unseren anderen Urlauben wussten wir, dass wir den Cappuccino in Nordirland nicht mehr bekommen würden. Aber bevor ich zum Einkaufen aufbrach, gaben wir den Basketball, den wir aus dem Kanal gerettet hatten, an die Enkel von Heinz Werner weiter, die beiden konnten damit sicherlich mehr anfangen.
 Danach verabschiedete ich mich von den Männern und brach zum Einkaufen auf.

 

Ballyconnell
Die kleine Gemeinde am Fuße des Slieve Russell Mountain (406m) gewann bei zwei Anlässen die beachtenswerte Auszeichnung „National Tidy Town“ (landesweit sauberste Stadt). Ballyconnell ist ein beliebtes Angelzentrum und außerdem weist der Ort einen luxuriösen County Club und einen Meisterschaftsgolfplatz am Slieve Russell Hotel auf. Die Pubs von Ballyconnell bieten eine Menge an traditioneller und moderner Musik an und es gibt in Ballyconnell auch eine gute Auswahl von Lebensmittelläden.

 

 

 

Die örtliche „Church of Ireland“ (Kirche von Irland), die in dem unruhigen 17. Jahrhundert gebaut wurde, ist umgeben von irdenen Befestigungsanlagen. Zwei karoförmige Schanzen stammen aus der Zeit des bitteren Krieges um den Thron von England zwischen James II. und William of Orange, 1689-90.
Der Ort wurde nach dem legendären Krieger Conal Cearnach (Conal the Victorious – Conal der Siegreiche) benannt, einer zentralen Figur im Táin Bó Cuailnge (the Reeving of Cooley – der Einscherung von Cooley) und anderen Erzählungen aus der heidnisch keltischen Eisenzeit.

 Er wurde hier getötet – möglicherweise um das erste Jahrhundert vor Christus herum - auf einer Furt im Fluss, in der Nähe der Stadtbrücke, als er gegen die Männer von Connacht, die hierher kamen, um den Tod ihres Königs zu rächen. Ein greifbarer Überlebender aus dieser Zeitperiode ist der „Killycluggin Stone“ (Killycluggin Stein), der etwa fünf Kilometer entfernt an der Straße nach Ballinamore steht. In dem Stein sind anmutiges La Têne Ornamente eingemeißelt und es könnte der Stein sein, an dem die Könige dieses Gebietes feierlich eingeweiht wurden.
Magh Sleath, die Ebene der Schlacht, liegt etwa sechs Kilometer außerhalb von Ballyconnell. Nach einer frühen christlichen Legende, befand sich hier ein wichtiges heidnisches Kultzentrum, wo menschliche Opfer dargebracht wurden, um das blutrünstige hölzerne Götzenbild namens Crom Cruaic, „the Hunched One of the Mound“ (der eine Buckligen von dem Erdhügel), zu besänftigen.
432 nach Christus wird von Saint Patrick gesagt, dass er während seines ersten Monats seiner Mission hierher gekommen war, in Missachtung des Verbotes der Druiden und der Hochkönige von Irland, um sich den Gold verzierten Monster und seinen zwölf Anhängergötzen gegenüberzustellen. Indem er sie zu Boden warf, ohne dass er selbst als Vergeltung niedergeschlagen wurde, bewies er, dass sein Gott der mächtigere war. Das war ein entscheidender Wendepunkt in seinem Feldzug, die Glaubwürdigkeit für das Christentum zu gewinnen.

Zitat aus: The Shell Guide from the River Shannon; ERA-Maptec Limited; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

In Ballyconnell wurde gerade viel am Anleger gearbeitet, der Anleger selbst wurde erneuert und auch ein neuer hinter der Brücke wurde gebaut. Mir fiel dann auch gleich der Neubau einer Fußgängerbrücke, die über den Shannon-Erne-Waterway führen soll, ins Auge. Das würde sicherlich eine gute Neuerung für Ballyconnell werden, denn die Brücke, die jetzt über den Kanal führt, besitzt nur auf der einen Seite einen sehr schmalen Fußgängerweg, der sich auch nicht in der Höhe von der eigentlichen Fahrbahn unterscheidet und die beiden gelben, durchgezogenen Streifen würden Autofahrer auch nicht gerade daran hindern, einmal kurz auf den Fußgängerweg zu fahren, gerade, wenn man einem größeren LKW ausweichen musste.

 So hatte man bisher nicht gerade ein sicheres Gefühl, wenn man auf die andere Seite des Kanals, wo sich ein großer Einkaufsmarkt befindet, wechseln wollte. Ich bin gespannt, wie die Fußgängerbrücke aussehen wird und was noch alles am Anleger gemachte wird. In Irland passiert aber immerhin etwas und man scheint sich auch immer Gedanken darüber zu machen, wie man bestehende Sachen noch verbessern kann. In Gegensatz zu Deutschland, wo die bestehenden Sachen nicht verbessert werden, sondern noch nicht einmal ausgebessert werden!

 

 

In Ballyconnell bekam ich tatsächlich alles, auch wenn ich etwas suchen musste. Ich konnte einen großen Vorrat an Cappuccino einkaufen und nach langem Suchen fand ich dann auch endlich die Gewürzgurken, welche zu finden schwieriger waren als gedacht. Scheinbar essen Iren keine Gewürzgurken. Andere Länder, andere Sitten. Auch meine Suche nach einer Broschüre über Ballyconnell war diesmal erfolgreich. Ich befand mich gerade in dem Geschenkartikellädchen, als mich eine ältere Frau an der Kasse fragte, ob ich etwas Bestimmtes suchen würde. Ich dachte mir, fragen kostet ja nichts und so fragte ich nach einer Broschüre über Ballyconnell. Sie antwortete mir, dass sie welche gehabt hätte, diese aber alle verkauft hätte, aber wenn ich unbedingt eine haben wollte, die würde immerhin € 15 kosten, dann könnte ihr Mann, der sich auch im Laden befand, jemanden anrufen und nachfragen, ob der noch welche hätte. Gesagt, getan. Erst gab es zwar das Problem, in dem riesigen Telefonbuch, dass die Telefonnummern von einem Viertel der Bevölkerung von Irlands erhielt, die richtige Telefonnummer zu finden, aber nachdem das Problem bewältigt war, wurde schnell angerufen und danach machte sich der Mann schnell zu der Adresse auf, um die Broschüre von Ballyconnell zu holen. Währenddessen unterhielt ich mich mit seiner Frau und so erfuhr ich noch mehr interessante Dinge über die Gegend. Der Mann kam nach einer Viertelstunde zurück und hatte genauso eine Broschüre dabei, wie ich sie gesucht hatte. Ich bezahlte die € 15 und kehrte danach gleich zur Daisy zurück.
Der Basketball hatte bei den Enkeln von Heinz Werner großen Anklang gefunden und wir freuten uns so darüber, dass wir ihnen den Ball kurzerhand schenkten. Martina war auch mittlerweile mit ihrer Familie von ihrem Ballyconnell Rundgang zurückgekehrt und Holger war an Bord des MHM Bootes gegangen und trank bei den Friebels einen Kaffee. Ich brachte meine Einkäufe an Bord der Daisy, verabschiedete mich dann von Heinz Werner und seiner Familie, denn sie wollten weiterfahren und dann ging auch ich an Bord des MHM’s. Martina bot uns beiden zum Kaffee und zum Tee ein landestypisches Gebäck an, das sehr gut schmeckte. Wir saßen noch eine ganze Weile zusammen, Birte zeigte mir noch die Fotos auf dem Laptop, die sie bisher gemacht hatten. Sie schien ein ähnliches Interesse zu haben wie ich, denn einige von ihren Fotos hätten auch meine sein können.
Wir verabschiedeten uns von ihnen und um 15:40 Uhr legten wir in Ballyconnell ab. Unser Anlegeplatz war noch nicht ganz kalt, da lag schon das nächste Boot an der Stelle. So voll hatte ich Ballyconnell noch nie erlebt, aber an diesem Wochenende fand ja die Rallye statt.
Wir erreichten gleich nach dem Ablegen die Schleuse Nummer 2, Ballyconnell Lock und brauchten nicht lange für die Durchfahrt, da sie für uns offen gestanden hatte. Mit dieser Schleuse hatte es Probleme gegeben, so hatten wir gehört, aber bei uns klappte die Schleusung wie geschmiert.

 

 

 

 

So wenig, wie in den letzten Tagen los war, so dass man sich manchmal sehr einsam gefühlt hatte, so viel war jetzt los. Auf dem Weg zur Schleuse Nummer 1, Corraquill, kamen uns ständig Boote entgegen, die wohl alle das gleiche Ziel hatten: Haughton’s Shore, der Treffpunkt der Rallye. Wie gut, dass wir Haughton’s Shore schon hinter uns hatten, denn heute Nacht hätten wir sicherlich keinen Platz mehr bekommen. Wir waren bespannt, wie es unseren Forumskollegen ergehen würde, denn sowohl Udo, Heinz Werner und auch Martina hatten das Ziel Haughton’s Shore.
Wir setzten unseren Weg auf dem Woodford River fort, denn auch hier hieß der Kanal so. Es war ein seltsames Stück. Sehr verschlungen und an manchen Stellen sah man Boote, die „über Land fuhren“ oder trog uns da unser Auge?

 

 

 

Nach noch nicht einmal einer Stunde erreichten wir die Schleuse Nummer 1, Corraquill. Hier musste Holger leider wieder am Anleger festmachen, da gerade ein Boot, das in Richtung Ballyconnell fuhr, geschleust wurde.
 Ich fragte die Frau am Kontrollpult, ob sie nicht jetzt schon wieder auf ihr Boot gehen wollte, dann würde ich den Rest machen. Die Frau nahm den Vorschlag dankend an und so schleuste ich das Boot zu Ende, eigentlich musste ich ja nur noch die Schleusentore öffnen. Jetzt konnte Holger einfahren. Von dem Schleusenwärter selbst, der normalerweise an dieser Schleuse seinen Dienst versah, um die Neulinge des Kanals in die Schleusenbedienung einzuweisen, war weit und breit nichts zu sehen, diesmal lag es aber sicherlich nicht an der Uhrzeit. Nachdem Holger in die Schleuse gefahren war, kam wieder ein Schiff aus der Gegenrichtung, wie schon gesagt, es war wirklich Rush-Hour.
 Die Frau von diesem Boot war so nett zu fragen, ob ich nicht an Bord gehen wollte und sie würde dann das Schleusen für mich übernehmen. Und da man ja bergab schleuste, konnte man leider nicht nach dem Schleusenvorgang in der Schleuse aufs Boot gelangen, sondern konnte erst am Anleger hinter der Schleuse zusteigen. So nahm ich natürlich dankend an, denn so ersparte ich Holger ein unnötiges Anlegemanöver.
Um 16:45 Uhr hatten auch wir die Schleuse Nummer 1 hinter uns.

 

 

 

 

 

Jetzt befanden wir uns auf dem letzten Stück des Woodford Rivers beziehungsweise des Kanals, bevor wir den Upper Lough Erne erreichen würden. Vorbei ging es an der Senator George Mitchell Peace Bridge, auf die ich später etwas näher eingehen werde. Auch passierten wir, ohne anzulegen, den Anleger von Aghalane. Hier wollten wir, gerade bei dem heftigen Verkehr auf dem Kanal, auf keinen Fall über Nacht festmachen, denn jedes Boot, welches sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung von 5 Km/h halten würde und das waren weiß Gott viele, würde unser Boot so stark zum Wackeln bringen, dass man Angst haben müsste, dass einem die Tassen aus dem Schrank hüpfen würden. Wir hatten schon einmal so ein Erlebnis, bei dem wir uns schützend auf unser Frühstück geworfen hatten und das wollten wir wirklich nicht wiederholen. Holger hatte uns deshalb den Anleger von Galloon Island ausgesucht und das wäre auf jeden Fall ein sehr ruhiger Anleger.
Im Upper Lough Erne angekommen, nahmen wir nach Galloon nicht den Weg rechts herum über Foalie’s Cut, denn den wollte Holger wegen des Hochwassers und der dadurch entstehenden Strömung nicht fahren, sondern wir hielten uns in Richtung Crom und bogen dann bei Gad Island rechts ab.

 

 

Gad Island
Gad Island ist eine schöne kleine Insel in der Mitte des Sees. Die Insel wurde nach den Weiden oder Gads benannt, die in Hülle und Fülle auf ihr wachsen. Diese Weiden fanden ihre Verwendung in Ruderdollen und Pfosten, an denen man die Boote festmachte. Sie waren sehr biegsam, besonders wenn sie verdreht wurden. Auf Gad Island steht ein Turm, der „Crichton Tower“ (Crichton Turm) genannt wird. Er wurde 1847, wahrscheinlich als ein Teil von Lord Erne’s Arbeitsbeschaffungsmassnahmen während der Großen Hungersnot, gebaut. Die Insel diente den Einheimischen und den Pächtern als Picknickplatz oder für Hochzeitsempfänge.
So wird es in dem Buch über diese Gegend von Shan Bullock beschrieben, einem einheimischen Autor, der auf Inisherk Island 1865 geboren wurde. Sie könnte auch für astronomische Studien gedient haben. Der Blick auf den Nachthimmel ist von der Mitte des Sees aus einfach wundervoll und die Sterne sind so hell und sie scheinen so nahe zu sein, dass man das Gefühl hat, dass man sie berühren könnte. Viele der Bewohner der „Big Houses“ (großen Häuser) waren in der viktorianischen Zeit fasziniert von der Astronomie und sie hatten sogar Teleskope, wie Lord Ross in Birr Castle, Grafschaft Offaly. Als der „Lough Erne Yacht Club“ (Yachtclub von Lough Erne) seine Basis im „Boat House“ (Bootshaus) von Crom hatte, veranstalteten die Yachten Rennen um diesen Turm herum und dann bis zur Trial Bay und Inish Rath. Tatsächlich glaubt man, dass der Name Trial Bay daher kommt, dass die Boote ihre Rennen in ihr hatten. Sie erscheint so friedlich, aber man sollte sich vor den Felsen unter ihrer Oberfläche vorsehen. Während des Programms der Entwässerung des Erne wurde in den 1880ern der Wasserpegel um zwei Meter abgesenkt. Das bedeutete das Ende der größeren Yachten auf dem Upper Lough. Der „Lough Erne Yacht Club“ (Yachtclub von Lough Erne), er gilt als der älteste von Irland, hat nun sein Hauptquartier auf dem Lower Lough Erne. Das Wasser um Gad Island herum kann riskant für Boote werden. Also Vorsicht! Es gibt einen öffentlichen Anleger in der Trial Bay, gleich südlich der „Derryvore Church“ (Derryvore Kirche).

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Wir kamen bei Galloon an und der Anleger sah doch sehr gagelig aus, so entschieden wir uns kurzerhand, hier doch nicht zu übernachten.
 

Galloon Island
Galloon meint „fork of the pool” oder “fork of sorrow” (Verzweigung des Teiches) oder (Gabelung des Leides), welches passend in Hinsicht auf das Massaker am „Bloody Pass“ (Blutiger Pass) ist, Der „Bloody Pass“ (Blutiger Pass) ist von Galloon aus sichtbar. Er liegt im Süden von Inishfendra. Die Insel hat einen Anleger und einen Parkplatz bei der Brücke zum Festland. In der Nähe des Anlegers befindet sich ein alter Friedhof, auf dem man gehauene Schäfte von Steinkreuzen findet, die man bis in das späte 09. Jahrhundert oder bis zum Anfang des 10. Jahrhunderts zurückdatieren kann. Das waren mit Schrift versehene Kreuze und das deutet darauf hin, dass das ursprüngliche „Monastery“ (Kloster) ein wohlhabendes gewesen sein muss. St. Tierney gründete sein „Monastery“ (Kloster) hier im frühen 06. Jahrhundert. Er war nach Galloon vor seinem Großvater geflohen, der andere Pläne mit ihm hatte und vor der Lobhudelei der Menschen. Er ging später weiter, um das „Monastery“ (Kloster) von Clones zu gründen und hinterließ Galloon in der Hand von St. Comgall. St. Tierney starb 549, aber man spricht von einer Anzahl von Wundern, die er vollbracht haben soll. 1247 hatten die Maguire ein Gästehaus auf Galloon. Zu dieser Zeit gab es am Lough Erne die gängige Sitte, die Pilger, die zum Lough Derg unterwegs waren, zu beherbergen. 1306 verlor die klösterliche Kirche an Bedeutung. 1442 wurde die Gemeinde von Galloon in dem Register von Primas Pene als „the plebs of Dartraye“ (die Plebejer von Dartraye) bezeichnet und manchmal wurde sie in späteren Dokumenten als „Galloon, alias Dartery“ (Galloon, oder Dartery) aufgeführt.
Im Jahre 1450 ging Thomas Maguire, der Chef des Clans, auf eine Pilgerfahrt nach Rom. Eine Pilgerfahrt wurde von vielen von ihnen unternommen, gerade wenn man älter wurde und wenn man das Gefühl hatte, dass der Sensemann nach einem greifen wollte. In seiner Abwesenheit ging Donagh Maguire zu dem Haus von Thomas Sohn Cathal in Knockninny und tötete ihn. Später brachte Edmond Maguire Donagh als Gefangenen nach Galloon und hackte ihm eine Hand und einen Fuß ab, um den Mord an Cathal zu rächen.
Es war um die gleiche Zeit herum, als abscheuliche Geschäfte in Aghalurcher Church passierten. Es war wirklich eine sehr blutdürstige Zeit. Das Ende der Herrschaft der Maguiere in Fermanagh bedeutet das Ende der Gemeinde von Galloon. Die Kirche wurde 1622 das erste Mal als Ruine beschrieben.

1854 musste Vater Clarke, der vielgeliebte Priester der Galloon Gemeinde nach Amerika fliehen, nachdem er eine Hochzeitszeremonie zwischen der Protestantin Ann Jones und dem Katholiken Pat Teague vollzogen hatte. Das war nach dem Strafgesetz strafbar. Er hatte aber eine große, ihm ergebene Anhängerschaft, unter ihnen befand sich auch die Goodwin Familie. Nachdem Lord Erne von Crom Castle James Goodvin of Teevenagh versprochen hatte, dass er alles haben könnte, wenn er das Boot von Crom gegen die Crew der Saunderson in einem der vielen Rennen zum Sieg segeln würde. Er gewann und bat um die Wiedereinsetzung von Vater Clarke, was auch im Jahr 1861 passierte. Vater Clarke starb 1876 und es gibt in der St. Mary Kirche von Newtownbutler eine Gedenkplakette für ihn.
Wegen seiner Position im See war Galloon immer sehr hilfreich bei der Herstellung und des Schmuggelns von „Poteen“ (Schwarzgebrannter Whisky). Butler, der 1740 einen Führer zum Lough Erne geschrieben hatte, bemerkte dort: „es gibt weder Bierschenken noch Gasthöfe auf dieser Straße (von Belturbet nach Enniskillen), jedoch bot jedes Haus „aqua vita“ (Lebenswasser) oder Whisky zum Verkauf an, welcher außerordentlich angesehen bei seinen Bewohnern ist. Gewöhnlich nahmen sie ihn vor einer Mahlzeit zu sich. Um in angenehmer zu machen, füllten sie einen Becher aus Eisen mit ihm und gaben Zucker, Minze und Butter dazu, dann wurde er für eine Weile gekocht. Dann füllten sie damit ihre viereckigen Kannen, die sie „meathers“ nannten und dann tranken sie miteinander aus ihnen. Sie tranken es bis zum Rausch und sie wurden hinterher weder krank noch beeinträchtigte es ihre Gesundheit. Weder die Steuereintreiber noch die „polis“ (an garda síochána – Irlands landesweiter Polizeiservics) waren nie rechtzeitig vor Ort um irgendeinen zu gefangen zu nehmen, aufgrund des ausgeklügelten Systems von Personen, die Schmiere standen und so hatten die Einheimischen immer die Nase vorn. Die Schmuggelei wurde besonders nach der Etablierung der Grenze im Jahr 1922 regsamer. Die meisten Menschen stimmten darin überein, dass das Getränk der Versuch war, die harten Zeiten, die die Menschen aushalten mussten, auszuradieren. Der „poteen“ (Schwarzgebrannter Whisky) diente aber auch dem Mann und dem Tier als Allheilmittel. Man konnte es auftragen, um eine Muskelzerrung zu behandeln oder man konnte ihn trinken, um einen bösen Magen zu beruhigen oder um Schmerzen in der Brust oder Steifigkeit überall im Körper zu behandeln. Man sollte noch einmal über den Satz „und niemals beeinträchtigte er ihre Gesundheit“ nachdenken, denn es war der wesentliche Bestandteil des Lebens in der Nähe der Grenze, dass man alles und jeden, was und welcher einen schnellen Gewinn versprach, schmuggelte: Tee, Butter, Rasierklingen, Ammoniaksulfate als Düngemittel und vieles mehr. Die Brücke von Galloon wurde im Jahr 1927 vorgeschlagen und die Kosten von £7,000 wurden unter der Regierung und dem Kommunalrat aufgeteilt. Die Menschen von den fünf Bezirken der Insel hatten jedoch das Land freizugeben!

Zitat aus: From Ballyjamesduff to Ballyshannon; a Guide to the River Erne; An Erne Heritage Tour Guide by John Cunningham & Vicky Herbert; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Wo sollten wir aber nun heute übernachten. Zur Auswahl hatten wir den Anleger Bun Bridge oder den Anleger Trial Bay, wobei wir nach Trial Bay ganz bis nach Crom hätten zurückfahren müssen und das war ein ganz schönes Stück. Von Bun Bridge aus könnten wir dann nach Newtownbutler laufen, das war zwar ein gehöriges Stück zu laufen, aber den Ort wollte ich mir eigentlich immer schon ansehen. So nahmen wir erst einmal Bun Bridge in die engere Wahl. Auf den Weg dorthin fielen mir wieder die vielen Ginsterbüsche ins Auge, die sich entlang des Ufers befanden. An manchen Stellen hat man vor lauter Gelb kein Land mehr gesehen

Bei Bun Bridge angekommen hatten wir zwar die volle Auswahl aber nach kurzem Überlegen und nach einem kurzen Blick auf die Uhr, fuhren wir doch weiter. Holger hatte eh keine Lust, nach Newtownbutler zu laufen, der Versuch vom letzten Jahr hatte ihm gelangt und alleine wollte ich es auch nicht. So fuhren wir zurück in Richtung Crom, denn hier hätten wir ja auch noch einen Anleger direkt bei Crom Castle. Und dann war da ja auch immer noch der Anleger von Trial Bay.
Auswahl hatten wir genug und das war wohl auch unser Problem, denn so schlecht hatten wir uns noch nie entschließen können. Ich wollte nur nicht so spät wie in Haughton’s Shore ankommen, denn das war wirklich sehr spät gewesen, aber bis dahin hatten wir noch Zeit genug.
Beim Anleger von Crom Castle angekommen, sahen wir, dass schon sehr viele Boote hier festgemacht hatten. Uns waren es aber schon zu viele Boote und so fuhren wir kurzerhand doch weiter bis Trial Bay, also einmal über den See herüber.
In Trial Bay machten wir dann als viertes Boot am Steg um 19:05 Uhr fest.

 

 

Holger begann dann gleich damit, dass Boot zu säubern und Wasser zu bunkern. Ich ging kurz von Bord, um ein Foto von unserem Liegeplatz zu machen.
 Dabei bemerkte ich einen beigefarbenen Hund, der auf dem Steg herumtollte, dann mal ins Wasser sprang, um dann wieder auf dem Steg entlang zu laufen. Alt konnte er noch nicht gewesen sein, denn er hatte sehr viel Pfeffer im Hintern. Es war aber auch kein gewöhnlicher BBH (BootsBettelHund), denn er gehörte zu einem der Boote, die auch in Trial Bay festgemacht hatten. So wussten wir wenigstens, dass wir diese Nacht gut bewacht würden schlafen können.

Ich hatte schon vor dem Anlegen unser Essen in den Backofen getan, da das Fleisch 50 Minuten benötigte. So brauchten wir nach dem Anlegen nicht mehr lange mit dem Essen warten. Es gab Schweinefleisch mit einer Senf Honig Sauce, dazu Kartoffelpüree und baked Beans. Das Fleisch hatten wir uns in Ballinamore beim SuperValu gekauft.
Es schmeckte uns dann auch wirklich sehr gut, obwohl wir beide, nachdem wir es aus der Verpackung genommen hatten, doch recht skeptisch waren. Nachdem wir es jedoch gegessen hatten, werde ich es mir mal für einen der nächsten Urlaube vormerken.
Heute entschieden wir uns für die DVD „Miss Undercover 2“ und nach dem Film gingen wir dann kurz nach 22.00 Uhr ins Bett.

 

Sonnenuntergang in der Trial Bay!