14.04.2006

Unser 16. Verlobungstag

Wir wollten heute eigentlich ausschlafen, aber da ich gestern Abend mein Schmerzpflaster gewechselt hatte, lag ich schon lange wach. Da kann man noch so kaputt sein, das blöde Ding weckt einen meist so zwischen 03:00 Uhr und 04:00 Uhr. Es hat ja kaum Nebenwirkungen, aber warum muss gerade ich unter der Schlaflosigkeit leiden. Um 6:30 Uhr machte ich erst einmal die Heizung an, es waren Draußen ja nur 4°C. Ganz schön kalt. Dann schlüpfte ich ganz schnell wieder in mein warmes Bett und wartete ab, bis sich das Boot einigermaßen erwärmt hatte. Holger wurde auch so langsam wach, stand dann auf und machte uns beiden Frühstück. Wir aßen im Bett einen Teller Kelloggs Frosties und tranken einen Cappuccino dazu. Dann machten wir uns im Bad fertig, denn mittlerweile konnte man sich dank der Heizung gut außerhalb des Bettes aufhalten, wuschen ab und Holger guckte noch nach Mr. Perkins, danach säuberte er auch noch das Boot von außen. Um 09:30 legten wir dann ab, um gleich in die erste Schleuse einzufahren, die ich für die Schleusung schon vorbereitet hatte, da sie natürlich für die Gegenrichtung offen stand. Das kann ja etwas werden, wenn es bei jeder kommenden Schleuse auch so sein sollte.
Um 09:40 Uhr hatten wir die Schleuse Nummer 14, Drumduff, schon hinter uns.

 

 

 

 

 

 

 

Da auf diesem Stück die Schleusen Schlag auf Schlag kommen, hatten wir um 10:10 Uhr auch schon die Schleuse Nummer 13, Newbrook, hinter uns gebracht. Natürlich musste ich auch diese Schleuse erst für uns öffnen, wäre ja zu schön gewesen, wenn Holger hätte gleich einfahren können. So mussten wir halt wie bei den anderen Schleusen auch schon, vorher anlegen. Holger leistete mir diesmal beim Umschleusen Gesellschaft. Danach kehrte er wieder zur Daisy zurück, denn einer musste ja nun auch das Boot in die Schleuse fahren und dadurch, dass ich nicht „der Eine“ war, blieb ja nur noch einer über.

 

 

Ich stellte beim bedienen des Kontrollpults fest, dass ein Knopf nicht funktionierte. Dieser Knopf sollte eigentlich den Schieber zum Wassereinlassen bedienen. Wie der Zufall es wollte, kam gerade ein Schleusenwärter von Waterway Ireland mit seinem Wagen zur Schleuse gefahren. Er wünschte mir einen guten Morgen und fragte mich, ob denn alles in Ordnung wäre. Ich erzählte ihm von dem nicht funktionierenden Knopf und er meinte dann, dass das Problem mit dem Knopf schon bekannt wäre. Nachdem er mir noch einen schönen Urlaub gewünscht hatte, setzte er seine Kontrollfahrt fort.
An dieser Schleuse fielen mir sofort die wild wachsenden Primeln ins Auge, da ich in Deutschland noch nie wild gewachsene Primeln gesehen hatte. Ich kannte sie eigentlich nur aus der Gärtnerei.

 

 

Aber nicht nur die Primeln fielen mir ins Auge, sondern auch ein Baum, der fast gänzlich von Efeu bewachsen war. In Irland gibt es viele dieser Bäume und alle haben irgendwie etwas an sich. Wenn man gerne Bäume fotografiert, dann kommt man in Irland auf seine Kosten.

 

 

 

 

 

Holger fuhr nun in die Schleuse ein und ich schloss gleich hinter ihm die Schleusentore, um dann auch gleich das Wasser einzulassen, denn wir schleusten ja bergauf. Dabei wurde ich von zwei Orten aus beobachtet. Einerseits von Holger, der dann auch gleich die Kamera zückte, um mich zu fotografieren und andererseits von einer Kuh, die zusammen mit anderen Kühen auf der Wiese neben der Schleuse lag, um wohl das eben gefressene Gras zu verdauen. Sie beobachtete den ganzen Schleusenvorgang, scheinbar genoss sie richtig die Abwechslung. Kühe sieht man in Irland auch an jeder Ecke. Die berühmten Pferde muss man dagegen suchen. Manchmal könnte man direkt glauben, dass es in Irland gar keine Pferde gibt.

 

 

 

 

 

 

Schon ging es zur nächsten Schleuse, die wir bald darauf erreichten. Es war die Schleuse Nummer 12, Lisconor Lock. Leider zeigte auch ihre Ampel uns ein rotes Licht, so dass wir auch hier wieder vor der Schleuse festmachen mussten. Ich ging von Bord, diesmal alleine, um die Schleuse für unsere Richtung fertig zu machen. Immerhin spielte aber diesmal das Wetter mit, denn bei den letzten Fahrten durch den Kanal hatte ich immer Regen beim Schleusen, was die Sache nicht gerade sehr angenehm gestaltete. So hatte ich auch immer neben der Regenjacke eine Regenhose und Gummistiefel im Gepäck, damit ich trotz Regen einigermaßen trocken bleiben würde. Wir hatten aber an diesem Tag bisher einen blauen Himmel, an dem sich auch ein paar weiße Wölkchen zeigten und der Wind war auch fast eingeschlafen, so dass der Kanal an vielen Stellen spiegelglatt vor uns lag. Das war ein wunderschöner Anblick und da machte die Kanalfahrt noch mehr Spaß.

 

 

 

Bei dieser Schleuse hatte ich sehr große Probleme, das eine Schleusentor für Holger zu öffnen. Es ging nur ruckweise und dabei schaffte ich auch immer nur ein paar Zentimeter. Scheinbar hatte sich am unteren Ende des Tores ein Gegenstand festgesetzt, ich vermutete, dass es wohl ein Ast wäre. Ich schaffte es nicht, das Schleusentor komplett zu öffnen, aber ich hoffte, dass es für die Durchfahrt der Daisy reichen würde. Ich ging zur Brücke, um Holger ein Zeichen zu geben, dass er einfahren kann, denn ich wusste nicht, ob die Ampel für ihn ein grünes Licht zeigte. Holger erzählte mir dann auch, dass er sich schon gewundert hätte, denn für ihn zeigte die Schleusenampel abwechselnd ein rotes und ein grünes Licht. Er hatte aber zum Glück gewartet. Ich rief ihm zu, dass das eine Schleusentor nicht ganz geöffnet war und so fuhr er ganz langsam in die Schleuse ein. Zum Glück reichte der Platz aus und so gelangte die Daisy ohne Probleme in die Schleuse. Nachdem Holger eingefahren war, schloss ich die Tore wieder, was auch reibungslos funktionierte. Scheinbar hatte sich der blockierende Gegenstand endlich gelöst. Während des Schleusens nutzte Holger die Zeit und brachte unseren Kapitän Blaubär nach draußen, um ihn dann am Bug neben dem Flaggenstock mit dem Shannon-Info Wimpel zu setzen. Da konnte er dann solange sitzen bleiben, solange es nicht anfangen würde, zu regnen, denn nass sollte er ja auch nicht werden.
Das Schleusen ging zum Glück ohne weitere Probleme vonstatten. Ich ging in der Schleuse an Bord und um 10:35 Uhr ließen wir die Schleuse Nummer 12, Lisconor Lock, hinter uns.

 

 

 

 

 

 

Wir erreichten nach einer kurzen Fahrt die Schleuse Nummer 11, Kilclare Lower. Diese ist die erste von den drei Kilclare Schleusen, die so dicht hintereinander kommen, dass es sich hier erstens gar nicht lohnt, erst wieder an Bord zu gehen und zweitens ist es eigentlich auch nicht vorgesehen, denn parallel zum Kanal wurde ein guter Fußweg angelegt, auf dem man die einzelnen Schleusen gut erreichen kann. Leider waren auch diese Schleusen alle in unsere Richtung geschlossen. Holger legte am Anleger der Schleuse Nummer 11 an und ich ging von Bord. Ich machte für die Daisy die Schleuse Nummer 11 fertig und ließ Holger einfahren. Dann schloss ich die Schleusentore und öffnete dann beide Schieber, damit das Wasser in die Schleuse fließen konnte. Ich wartete aber diesmal nicht, bis das Boot oben war, sondern lief, um Zeit zu sparen, schon einmal zur Schleuse Nummer 10, Kilclare Middle, die ich dann schon für Holger umschleuste.
Da Holger hoch geschleust wurde, konnte er in der Schleuse von Bord gehen, um sich selbst die Schleusentore zu öffnen. Währendessen war die Schleuse Nummer 10 so weit, so dass Holger das Boot gleich hineinfahren konnte. Auf dem Weg zur Schleuse Nummer 10 fiel mir ein Gebilde mit einem Rad auf. Das war wohl mal ein Zahnrad der Schleuse gewesen, dass man wohl ersetzt hatte und das man dann hier zur Verschönerung der Schleuse aufgestellt hatte. Die Kilclare Schleusen gehören zu den schönsten des Kanals, denn hier hatte man versucht, auch die Umgebung der Schleusen schön anzulegen.
Wir verfuhren dann auch bei der Schleuse Nummer 9, Kilclare Upper, genauso, wie auch schon bei der Schleuse Nummer 10. Auch hier ließ ich Holger erst in die Schleuse Nummer 10 einfahren, schloss die Schleusentore, öffnete die Schieber und lief dann zur Schleuse Nummer 9 vor, um sie umzuschleusen, während Holger sich die Schleusentore der Schleuse Nummer 10 selber öffnete. Mit dieser Taktik sparten wir uns eine Menge Wartezeit und hatten so alle drei Schleusen um 11:15 Uhr bewältigt.
Die Umgebung der Schleuse Nummer 9 war auch sehr schön gestaltet worden. Hier gab es eine Brücke mit einem sehr schön gestalteten Brückengeländer und rings herum waren Blumen angepflanzt worden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zehn Minuten nachdem wir die letzte der Kilclare Schleusen hinter uns gelassen hatten, kam uns ein größeres Boot von CarrickCraft entgegen, das erste für heute. Auch der Kanal scheint nicht gerade viel befahren zu sein. Dieses Boot hatte ja nun das Glück, dass wir alle Schleusen für sie geöffnet hatten. Sie würden sicherlich keine rote Ampel auf ihrem Weg haben. Da kam richtig Neid auf.
Nach der Begegnung mit dem CarrickCraft durchfuhren wir die Brücke Nummer 9 und befanden uns jetzt im Drumaleague Lough, einem sehr kleinen See im Shannon-Erne-Waterway. Links von uns ragte ein abgestorbener Baum aus dem Wasser, der zwar ziemlich grotesk aussah, aber trotzdem auch irgendetwas an sich hatte. Bei Niedrigwasser hätte man sicherlich mehr von dem Baum sehen können, aber bei uns herrschte ja nun extremes Hochwasser. Wir hatten nur Glück, dass die Anleger mittlerweile frei von Wasser waren, vor zwei Wochen sah das noch anders aus. Das hätte das Anlegen um einiges schwerer gemacht.

Nach dem Drumaleague Lough lag nun eins der schönsten Abschnitte des Shannon-Erne-Waterway vor uns, Rock Cutting, dafür mussten wir nur noch die Brücke Nummer 10 passieren, die immer kleiner wurde, je näher man ihr kam. Aber das schien nur so, denn unser Boot passte ohne Probleme hindurch.

 

 

 

An dieser Stelle des Shannon-Erne-Waterway musste der Kanal aus dem Fels gehauen werden. Rechts und links nur Fels und man hoffte während der Durchfahrt immer nur, dass einem hier kein Boot entgegenkommen würde, denn dieser Abschnitt war auch nicht gerade sehr breit ausgebaut worden. Der Fels selbst schimmert in der Sonne in verschiedenen Farben und überall läuft aus kleinen Öffnungen Wasser den Fels herunter. Wir freuten uns immer wieder auf die Durchfahrt und genossen sie dann auch richtig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit der Brücke Nummer 11 verließen wir wieder diesen herrlichen Abschnitt, Rock Cutting.
Ein kurzes Stück hinter Rock Cutting fuhren wir in den Lough Scur ein. Der Lough Scur ist der höchstgelegene See vom Shannon-Erne-Waterway, er ist also die Wasserscheide des Kanals. Jetzt ging es also wieder für und bergab.

 

Dolmen am Lough Scur
Der Lough Scur befindet sich im Norden vom Sheemore und eine schmale Einbuchtung gibt Einsicht auf einen verfallenden Dolmen (Dolmen = Steintisch, Dolmen wurden in der Jungsteinzeit errichtet und bestehen aus mehreren Orthostaten, d. h. senkrecht stehenden Steinen, auf denen ein großer Eckstein lieg), der den Lough Scur überschaut. Seine Umgebung stützt den Beweis für die Anwesenheit einer Bevölkerung von Steinzeitmenschen, die hier vor rund 5000 Jahren lebten, arbeiteten und ihre Vorfahren und Götter verehrten.
Wohnstätten im See, Crannόgs genannt (Crannόgs = künstliche, befestigte Inseln in Ufernähe eines Sees, die während der Eisenzeit angelegt wurden), waren vorhanden. Ausgrabungen, die vor einiger Zeit gemacht wurden, beweisen, dass die Menschen im See gefischt, im Wald mit, durch Feuerstein gespitzte, Pfeile gejagt haben und ihr Vieh und ihr Getreide entlang des Ufers gepflegt haben. Verschiedene Funde, unter anderem ein Einbaum und mehrere hölzerne Schilde, befinden sich nun im National Museum in Dublin.

Die berühmte Keshcarrigan Schale, ebenfalls im National Museum beherbergt, wurde hier während der Errichtung des Kanals in den 1850er gefunden. Diese Bronzeschale aus der Eisenzeit mit ihren vorzüglich gegossenen Handgriffen, die Vogelköpfe darstellen, diente gewiss eher einer erhabeneren Funktion als die des einfachen häuslichen Gebrauchs. Kleine Markierungen auf dem Boden der Schale zeigen an, dass sie auf der Drehbank fertig gestellt wurde, um ihr ein poliertes Aussehen zu geben. Die Vogelköpfe wurden mit Hilfe der Feinguss-Methode gefertigt.

Zitat aus: Leitrim, A Guide to it’s Beauty, Activities & History; supported by ADM/CPA; aus dem Englischen frei übersetzt von Inga

 

Am Crannog im Lough Scur entdeckten wir ein ABC-Boot und da wir glaubten, einen Forumswimpel erkannt zu haben, nahmen wir Kurs auf das Boot. Wir verließen die eingezeichnete Fahrrinne und wagten uns in den flacheren Teil des Sees vor. Holger näherte sich dem Boot ganz langsam und tatsächlich, es war ein Forumswimpel. Wir konnten mittlerweile auch den Bootstyp erkennen. Es war eine Inverduke von der Aghinver Boat Company, kurz ABC. Holger manövrierte die Daisy längsseits zum ABC-Boot, so dass wir uns mit dem Skipper unterhalten konnten. Es stellte sich heraus, dass es dabei um Voyager mit seiner Crew handelte, wobei die Crew aus Kindern bestand, die gerade schwer am Angeln waren.

 

Wir unterhielten uns eine Weile mit Voyager. Leider würde er es wohl nicht zum Treffen nach Trial Bay schaffen, da er mit seiner Kinder-Crew noch in den Lough Key wollte, den er bei seinen anderen Irlandaufenthalten bisher nicht geschafft hatte. Wir empfahlen ihm dann, den Hafen Boyle zum Übernachten und gaben ihm noch Tipps zu der Umgebung und zu Boyle. Während wir uns unterhielten, tranken wir beide einen Cappuccino und Voyager sah ganz neidisch auf unsere Becher, denn das ABC-Boot hatte leider nur Tassen an Bord. Leider konnten wir keinen von unseren vier Bechern entbehren und so musste er mit seinen Tassen vorlieb nehmen.

 

 

Wir verabschiedeten uns voneinander und Holger nahm dann wieder Kurs auf die Fahrrinne, die wir dann auch bald wieder erreichten. Weiter ging es dann in Richtung Keshcarrigan.
Um 12:05 Uhr verließen wir das Shannon Marker System und hatten nun keine schwarzen und roten Marker mehr, sondern rot-weiße Marker, wobei man immer an der weißen Seite vorbei fahren muss.
Im Lough Scur fuhren wir jetzt an Prison Island vorbei. Hier konnte ich noch schnell im Vorbeifahren eine Aufnahme von der Ruine machen.

 

 

Prison Island im Lough Scur
Die Ruine von Prison Island hat eine grausame Geschichte. Erbaut wurde es zurzeit von Elisabeth von John Reynolds, einem Respekt einflössendem Gentleman, der seine Landsmänner verriet, um von der Grafschaft High Sheriff unter der englischen Krone zu werden. Er war weit und breit bekannt unter dem Namen „Séan na gCeann“ (John von den Köpfen) bekannt, wegen seiner Vorliebe, Menschen zu enthaupten! Er baute das Gefängnis 1570, um seine aufrührerischen Nachbarn gefangen zu halten. Der Bau gleicht einem kleinen Alcatraz, er steht auf einem Felsen, der aus dem See herausragt, die massiven Mauern sind mit Schießscharten versehen, um das Gefängnis gegen Angriffe verteidigen zu können. Viele der armen Wesen starben hier an den Quälereien. Reynolds baute ebenfalls die Burg John am nördlichen Ufer des Sees. Er lud eines Abends eine Gesellschaft lokaler Häuptlinge zu einem Bankett ein; nachdem sie ihre Waffen abgegeben hatten und sie sich alle auf einen Wein hingesetzt hatten, gab ihr freundlicher Gastgeber seinen Anhängern den Befehl, über die Gäste herzufallen. Alle fielen dem Massaker zum Opfer.

Zitat aus: The Shell Guide from the River Shannon; ERA-Mapted Limited; aus dem Englischen frei übersetzt von Inga

 

Auf dem letzten Stück nach Keshcarrigan fielen mir viele, neu gebauten Häuser ins Auge. Alle hatten natürlich den idealen Seeblick und man wünschte sich in dem Moment einen Sechser im Lotto, um eines der Häuser erstehen zu können.
Um 12:15 Uhr erreichten wir Keshcarrigan und hatten auf einmal ein großes Problem, denn wir konnten uns nur sehr schwer für einen bestimmten Liegeplatz entscheiden, da wir eine zu große Auswahl hatten, denn wir waren das einzige Boot. Ja, wo sind denn bloß die ganzen anderen Boote hin?

 

 

Keshcarrigan
Während der letzten 200 Jahre wurde der Frieden in Keshcarrigan nicht sonderlich gestört. Das letzte Mal war es 1798, als General Humbert, der eine revolutionäre Expedition kommandierte, durch Keshcarrigan an der Spitze einer aus französischen Soldaten und irischen Rebellen zusammen gemischten Armee zur verhängnisvollen Schlacht von Ballinamuck marschierte. Die Geschichte ist mit Keshcarrigan tief verwurzelt. Ein lokaler Fund, die Schale von Keshcarrigan, ist nun ein Teil der Sammlung von prähistorischen, goldenen Gegenständen im National Museum.
Keshcarrigan liegt am Fuß des Berges Sheebeg, er ist die kleine Ausgabe des nahe gelegenen Sheemore. Die zwei Hügel, der Wohnsitz der Sidhe, des Feenvolkes, inspirierten zu der schwierigen Melodie „Sheemore, Sheebeg“, welche sozusagen eine lokaler Nationalhymne ist. Sie ist ein Lieblingsmelodie der traditionellen Musiker in ganz Irland, sie wird doppelt geschätzt, weil sie von dem blinden Turlough O’Carolan (1670-1738) komponiert worden ist.
Turlough O’Carolan war der letzte irische Barde, der in Mohill lebte, welches nicht weit entfernt von Keshcarrigan liegt. Die Geschichte belegt nicht, ob Turlough O’Carolan sich die Melodie von dem Kleinen Volk, dem Feenvolk, ausborgte. Sein ganzes Leben lang wanderte der große Harfenspieler und Dichter durch das Land.

Mit seiner Musik war er sowohl in den Herrenhäusern des Adels als auch in den Häuschen der armen Leute willkommen. Es würde in der Tat eine merkwürdige Sache sein, wenn das vernachlässigte Kleine Volk ihn einladen würde, um für sie in ihren geheimen Orten unter dem Hügel zu spielen! Es ist alleine wegen der Aussicht wert, den Sheebeg zu besteigen.
Fionn Mac Cumhal (oder Finn Mc Cool), der Held eines gewaltigen Volkstums, wurde angeblich auf dem Hügel bestattet. Der Gipfel ist von einem Durchgangs-Hügel gekrönt, ein Präzisionsbau errichtet von der Siedlergemeinschaft der Steinzeit, um den jährlichen Zyklus der Sonne zu beobachten, um so dann die Jahreszeiten vorhersagen zu können.

Zitat aus: The Shell Guide from the River Shannon; ERA-Mapted Limited; aus dem Englischen frei übersetzt von Inga

Die Keshcarrigan Schale (the Keshcarrigan Bowl)
Das schöne Gefäß, datiert auf das frühe 1. Jahrhundert AD, wurde 1850 in dem Fluss in der Nähe von Keshcarrigan gefunden. Das Gefäß besteht aus goldener, gedrehter Bronze mit einem aus Bronze gegossenem Griff in Form eines Vogels, der an das Gefäß gelötet worden ist.
Das Gefäß wird im National Museum ausgestellt.
Errichtet 2000 AD

Zitat aus: Tafel an der Hauptstraße in Keshcarrigan;
aus dem Englischen frei übersetzt von Inga.
Sheemore und Sheebeg
Sheemore und Sheebeg sind verzauberte Orte. Ihre Namen sind in der Geschichte, der Folklore und den Märchen sagenumwoben. Der Name Sheemore bedeutet die große Behausung von den Sidhe – dem Feenfolk, während Sheebeg die kleine Behausung von den Sidhe ist.
Eine alte Fabel erzählt von dem Konflikt zwischen den Feenköniginnen von Sheemore und Sheebeg, noch bevor Menschen den Boden Irland betreten haben. Der Konflikt wuchs und die zwei Stämme führten Krieg und eine große Schlacht folgte. Die „kleinen Leute“ von Sheebeg waren siegreich und der Frieden wurde zwischen ihnen für alle Zeit ausgerufen. Turlough O’Carolan, der berühmte Harfenspieler, hörte diese Geschichte von seinem Freund Georg Reynolds von Letterfine House in Keshcarrigan und schrieb seine erste Komposition, die auf dieser Geschichte basierte.
Der große Steinhaufen auf dem Sheemore ist ein prähistorisches Grab, datiert 3000 vor Christus, während das nebenstehende Kreuz 1950 zum Gedenken an das Heilige Jahr errichtet wurde. Auf dem Gipfel sind die Reste von zwei anderen Steinhaufen.
Sheebeg, näher an Keshcarrigan gelegen, hat ebenfalls einen Steinhaufen auf seinem Gipfel, welcher vermutlich ein weiteres Grabmal ist. Die Folklore besagt, dass das das Grab von Irlands legendären Helden Fionn MacCumhaill (Finn McCool) sein soll, Anführer einer Elitegruppe von Kriegern, bekannt als die Fianna.
Ein landschaftlich schöner Weg, O’Carolan Walk, bringt einen von dem Städtchen zum Sheebeg.

Zitat aus: Leitrim, A Guide to it’s Beauty, Activities & History; supported by ADM/CPA; aus dem Englischen frei übersetzt von Inga

 

Wir legten in Keshcarrigan eigentlich nur an, um mal schnell das Servicehäuschen aufzusuchen und um in dem kleinen Geschäft noch eine Smartcard zu besorgen, in der Hoffnung, dass man hier auch eine Smartcard bekommen würde. Holger blieb an Bord der Daisy zurück und ich machte mich nach Keshcarrigan auf. Ich erreichte das einzige Geschäft des Ortes recht schnell, bekam aber dort keine Smartcard. Ich hatte sogar das Gefühl, dass die Leute gar nicht wussten, was ich eigentlich haben wollte, Smartcard, davon schienen sie noch nie etwas gehört zu haben, obwohl sie ja sozusagen direkt am Shannon-Erne-Kanal wohnten und ja sogar auch ein Servicehäuschen mehr oder minder direkt vor ihrer Haustür hatten. Na ja, im nächsten Ort würde ich sie wohl sicherlich bekommen und noch verfügte unsere Smartcard aus dem letzten Jahr noch über ein paar Einheiten. Ich nahm mir noch die Zeit, mir nochmals Keshcarrigan anzusehen, wie ich es auch schon in den Jahren davor gemacht hatte. Mir fielen wieder die vielen Neubauten auf. Von Jahr zu Jahr wuchs Keshcarrigan immer mehr. Meist um die Seen, Keshcarrigan Lough und Lough Scur, herum. Das waren natürlich auch die bevorzugten Bauplätze. Wir hatten Keshcarrigan vor zwei Jahren das erste Mal besucht, jetzt ist es sicherlich schon doppelt so groß geworden und das ist wirklich ein enormes Wachstum. Hier nur ein paar Beispiel, was alles in den letzten zwei Jahren neu dazu gekommen ist und das sind nicht alle Neubauten, die ich entdeckt hatte.

 

 

 

 

 

In Keshcarrigan selbst gibt es eine Gedenktafel und eine Bildhauerei. Die Gedenktafel erinnert an den Fund der Keshcarrigan Schale, die in dem Fluss in der Nähe von Keshcarrigan gefunden worden war und die Bildhauerei, die sich am Rande des Sheebeg befindet, stellt eine moderne Interpretation der Legende um Fionn MacCumhaill (Finn McCool) dar. Diese Bildhauerei, die mir auch schon vor zwei Jahren aufgefallen war, finde ich persönlich sehr gelungen.

 

 

 

 

 

Beim Schreiben dieses Reiseberichts sah ich mir auch die Inschrift der Bildhauerei genauer an. Dabei fiel mir das Datum ins Auge.
 Der Inschrift nach wurde die Bildhauerei am 30. November 2004 von Mary McAleese, der Präsidentin von Irland enthüllt. Wir waren vor zwei Jahren jedoch im September in Irland.

 

Mir war damals die Bildhauerei auch schon aufgefallen, dabei aber auch das etwas lieblose Drumherum, irgendwie sah das damals aus, als hätte man die Bildhauerei einfach nur mal eben an diesen Ort abgestellt. Durch die Inschrift wird das natürlich jetzt erklärt. Es war damals einfach noch nicht fertig gestellt worden. Irland versteht bestens die Fähigkeit, Dinge alt erscheinen zu lassen, obwohl sie neu sind. Es ist also immer wieder gut, Orte mehrmals zu besichtigen.

 

 

Ich kehrte zur Daisy zurück und wir legten gleich ab. Weiter ging es den Shannon-Erne-Waterway entlang.
Nachdem wir die Brücke Nummer 12 passiert hatten, kamen wir zu Holgers so genannter Landebahn im Lough Marrave, denn auf diesem Stückchen des Shannon-Erne-Waterway gab es so viele Marker hintereinander, dass man wirklich das Gefühl hatte, man würde sich nicht mehr auf dem Kanal, sondern auf der Landebahn eines Flughafens befinden. Was hier an Markern zu viel stehen, so fehlten doch im Lough Ree an einigen Stellen etliche Marker, die es einem sicherlich leichter machen würden, sich auch bei Regen besser auf dem See zurechtfinden zu können. Da hätten sich die Leute von Waterway Ireland doch eigentlich besser absprechen können.

 

 

Leider lenkten die vielen Marker auch von den wunderschönen Ufern des Sees ab, denn hier blühte der Ginster wunderschön. Man konnte sich gar nicht satt daran sehen. Diese Jahreszeit hatte auch etwas für sich, denn so sahen wir Dinge, die ansonsten hinter dem Laub der Bäume verborgen blieben und die Ginsterblüte hatte ich bisher in Irland noch nie erlebt und gerade das Gelb der Blüten harmonierte perfekt mit dem Blau des Himmels und des Wassers und dem berühmten Grün von Irland.
Die gelbe Blüte des Ginsters würde uns den ganzen Urlaub lang begleiten.

 

 

 

Um 13:10 Uhr erreichen wir die Schleuse Nummer 8, Castlefore. Hier wollten Holger und ich nach einem in der Karte eingezeichneten Castle suchen. Aus diesem Grund machten wir auch vor der Schleuse fest und schleusten nicht noch extra durch, dafür blieb nachher noch Zeit genug. Außerdem hätten wir die Schleuse erst wieder in unsere Richtung umschleusen müssen und vielleicht hatten wir ja nachher Glück und ein Boot aus der Gegenrichtung würde vor uns schleusen und uns somit die Schleuse frei machen.
Den Weg, den wir uns in der Karte heraus gesucht hatten, konnten wir nicht benutzen, denn dieser war aufgrund von Bauarbeiten an der Schleuse gesperrt.

 

 

 

Daher blieb dann nur der Umweg und da weigerte sich dann Holger, diesen Umweg mitzulaufen. So machte ich mich dann alleine auf den Weg. Bis kurz vor der eingezeichneten Stelle in der Karte, an der sich das Castle befinden sollte, kam ich ganz gut voran. Ich genoss die Landschaft, denn in der Ferne erhoben sich recht hohe Berge, die ich trotz der großen Entfernung sehr gut sehen konnte. Wir hatten an diesem Tag eine fantastische Fernsicht.

 

 

 

Ich hatte vielleicht noch 500 Meter zu laufen, da stand ich plötzlich vor einem Schild, das mir einen ganz großen Strich durch meine Rechnung machte. Tja, hier ging es nun nicht mehr weiter. Ich sah in die Karte und entdeckte noch einen zweiten Weg zu der eingezeichneten Stelle. Da ich nicht vorschnell aufgeben wollte, denn ich war ja nun auch schon ein zeitlang unterwegs, entschloss ich mich, auch diesen zweiten Weg zu probieren. Es war auch nicht weit zu laufen, es ging einen kleinen Hügel hinauf und dann führte mich der Weg an einem Haus vorbei, vor dem ein Hund lautstark bellte. Dann machte der Weg eine leichte Biegung und schon erblickte ich mein Lieblingsschild. Schade aber auch. Der Hund hatte sich mittlerweile richtig in sein Bellen hineingesteigert.

Die Bewohner des Hauses, eine Frau und einen Mann, kamen deshalb aus ihrem Haus, um ach dem Hund zu sehen. Da er sich aber so in sein Bellen hineingesteigert hatte, konnten sie ihn nicht beruhigen und die Frau musste den Hund ins Haus bringen. Der Mann fragte mich währenddessen, ob ich mich vor dem Hund sehr gefürchtet hätte. Ich meinte nur, dass es schon in Ordnung gewesen wäre und sprach in daraufhin auf das Schild an. Ich fragte ihn, ob ich trotz des Schildes über die Farm laufen könne. Seine Antwort war sehr kurz, sie sagte aber trotzdem alles. „The Farmer is not so funny!“ Da sah ich lieber davon ab, das Schild zu ignorieren und begab mich auf den Rückweg.
So konnte ich dann nur folgendes über diesen Ausflug sagen: Das war ein Satz mit X, „Das war wohl nix“. Vom Hügel aus, konnte ich einen Teil des Shannon-Erne-Kanals einsehen und zwar den Teil, der von uns aus gesehen hinter der Schleuse lag. Auf diesem Stück kam aus der Gegenrichtung ein kleiner CarrickCraft den Kanal entlang gefahren. Dieser würde uns dann sicherlich die Schleuse in unsere Richtung öffnen, was uns das ganze Umschleusen ersparen würde. So beeilte ich mich und nahm sogar eine Abkürzung über eine Weide, die zum Glück gerade nicht besetzt war. Nur meine Schuhe litten ein wenig, da dieses Stück sich leider als sehr schlammig herausstellte.
Um 14:50 Uhr kehrte zur Daisy zurück und das CarrickCraft Boot hatte bisher die Schleuse noch nicht erreicht. Ich bemerkte auch, dass Holger die ganze Zeit wohl Gesellschaft hatte. Ein großer schwarzer Hund lag auf dem Anleger vor unserem Boot und erwartete wohl mindestens ein Stückchen Wurst von uns. Holger und ich bezeichnen diese Hunde als BBHs, als BootsBettelHunde. Leider war uns die Wurst ausgegangen und so musste er mit ein paar Scheiben Toastbrot vorlieb nehmen, mit denen er in seinem Maul dann auch ganz stolz von dannen zog.
 Er kam aber recht schnell zurück und wir wunderten uns schon, denn so schnell hätte er die Scheiben gar nicht fressen können. So gab ich ihm noch eine Scheibe und beobachtete dann aber seine nächsten Schritte. Ich sah dann, wie er mit der Scheibe Toastbrot im Maul durch den Bauzaun schlüpfte, dann suchte er sich eine nicht zu feste Stelle, um dort dann seine Beute zu vergraben. Er legte sich also für schlechte Zeiten ein Depot an. Gehört hatte ich davon ja schon, dass Tiere die Reste ihrer Mahlzeit vergraben, um für später noch etwas zu haben, doch live gesehen hatte ich so etwas noch nicht. Da mussten Holger und ich aber doch gewaltig drüber schmunzeln.
Mittlerweile war auch der kleine CarrickCraft aus der Gegenrichtung bei der Schleuse angekommen und so konnten wir dann erstens in die Schleuse einfahren und zweitens, diese auhc umsonst benutzen. Man muss ja auch einmal Glück haben. So ließen wir dann um 15:10 Uhr, zwei Stunden nach unserer Ankunft, die Schleuse Nummer 8 hinter uns.

 

 

 

 

Gleich hinter der Schleuse sahen wir auf der linken Seite auf einer Wiese vier Esel stehen. Da man Esel genauso wie auch Pferde sehr selten in Irland entdeckt, uns geht es jedenfalls so, musste ich sie natürlich gleich aufs Foto bannen. Sie waren aber auch Prachtexemplare und sahen sehr niedlich aus.

 

 

 

 

Kurze Zeit später erreichten wir den Muckro’s Lough, in dem mir natürlich gleich wieder ein interessanter Baum im Wasser auffiel. Irgendwie ziehen mich diese Bäume magisch an. Aber da ich weiß, dass es anderen auch so geht, mache ich mir darüber keine Gedanken, sondern stattdessen lieber ein Foto.

 

 

Der Muckro’s Lough verengte sich soweit, bis er eigentlich nur noch die Breite des Kanals hatte. Dann ging er in den St. John’s Lough über und an diesen wiederum schloss sich der Kiltybardan Lough an. Diesmal bogen wir aber nicht erst in den hinteren Teil des Kiltybardan Lough ab, in dem sich seit dem letzten Jahr ein schöner Anleger befindet, der jedoch über keinen Landzugang verfügt. Dieser Anleger eignet sich hervorragend, um hier seine Mittagspause zu verbringen oder um einfach nur eine Fahrtpause einzulegen, übernachten würde ich an ihm aber nicht wollen, denn irgendwie sind mir Anleger mit Landzugang lieber und außerdem würde man sicherlich Geräusche von der Straße hören, die am See entlang führt.
Bei der Brücke Nummer 18 angelten wir dann wieder, aber natürlich ohne eine Angel an Bord zu haben! Es war gegen 15:50 Uhr, als wir eine 7,0 g schwere Pose mit Bleigewicht aus dem Wasser zogen. Mal sehen, wem wir dieses Fundstück vermachen konnten. Gleich hinter der Brücke Nummer 18 kam die Schleuse Nummer 7, Ballyduff Lock, die natürlich, wir hatten es ja eigentlich auch gar nicht anders erwartet, wieder für uns eine rote Ampel zeigte. So musste Holger wieder am Anleger festmachen, damit ich von Bord gehen konnte, um die Schleuse für uns fertig zu machen. Auch bei dieser Schleuse wurde gebaut, diesmal aber am Wehr, so dass man beim Schleusen nicht behindert wurde. Um 16:05 Uhr waren wir durch die Schleuse Nummer 7 durch und setzten unseren Weg auf dem Shannon-Erne-Kanal fort.

 

 

 

 

 

Der nächste größere Ort am Kanal war Ballinamore, wo wir auf jeden Fall anhalten wollten. Ich hatte die Beschreibung des Ortes aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, was an manchen Stellen wirklich ein zäher Kampf gewesen war und nun wollte ich die einzelnen, dort sehr gut beschriebenen Stationen der Stadtführung mit meinen Bildern versehen. Da ich jedoch noch nicht die richtigen Bilder in den Jahren zuvor fotografiert hatte, hatten wir uns von Anfang an vorgenommen, in Ballinamore anzuhalten, um das nachzuholen. Ich hatte mir schon einen kleinen Notizzettel mit den einzelnen Stationen geschrieben.
Auf dem Weg nach Ballinamore entdeckten wir unsere ersten Osterlämmer. Wir hatten schon lange Ausschau nach ihnen gehalten.

 

 

 

Kurz vor Ballinamore verlief eine Straße parallel zum Shannon-Erne-Waterway und so sah ich öfters zum Ufer des Kanals. Dadurch fielen mir am Rand seltsame Holztreppen ins Auge, die alle paar Meter am Ufer zu finden waren. Diese könnten extra für Angler angelegte Plätze sein, an denen sie beim Angeln einen guten Stand hatten, ansonsten wüsste ich nicht, was sie sonst für einen Sinn haben sollten. Vielleicht waren es ja auch Anlegeplätze für kleine Fischerboote beziehungsweise Dingis, aber warum waren sie dann so zahlreich vorhanden. Dieses Rätsel konnten wir bis heute nicht lösen.
Dann kamen auch schon die ersten Häuser von Ballinamore in Sicht und eine halbe Stunde, nachdem wir die Schleuse Nummer 7 verlassen hatten, machten wir am Anleger am Servicehäuschen fest. Wir machten uns gleich für die Fotosafari fertig und gingen von Bord. Auf dem Weg vom Anleger nach Ballinamore, dies war ein Weg von ungefähr fünf Minuten, sah Holger zur Schleuse Nummer 6, Ballinamore Lock. Dort entdeckte er ein ABC Boot mit einem Shannon-Info Wimpel, das gerade schleusen wollte. Holger meinte, dass es sich bei der Besatzung um Tina und Willi handeln könnte.
Da wir sie auch nicht verpassen wollten, kehrte Holger um, um zur Schleuse zu gehen und ich setzte meine Fotosafari fort. Ich machte aber nur Bilder von der rechten Seite der Brücke und ging dann von dort aus auch zur Schleuse. Holger hatte richtig vermutet. Es waren Tina und Willi. Während des gesamten Schleusenvorgangs unterhielten wir uns mit den Beiden, dann mussten sie leider die Schleuse frei machen, da sich ein weiteres ABC Boot aus der Gegenrichtung näherte.

 

Die ABC Boote fuhren aneinander vorbei und dabei bemerkte ich, dass sich die Besatzungen gegenseitig grüßten. Sie mussten sich also kennen.

 

 

Nachdem das andere ABC Boot in die Schleuse 6 eingefahren war, halfen wir dabei, die Tampen entgegenzunehmen, um die Poller zu legen, um sie dann wieder zurückzugeben. Obwohl ich keinen Shannon-Info Wimpel an Bord sah, fragte ich die jüngere Frau an Bord, ob sie auch ein Mitglied des Forums wäre. Sie meinte daraufhin, sie wäre keins, aber ihr Vater wäre imiadam, also Heinz Werner. Wir unterhalten uns eine ganze Weile mit ihnen. Mittlerweile hatten sich auch Tina und Willi wieder zu uns gesellt, sie hatten ihr Boot am Anleger mit dem Servicehäuschen festgemacht. Da uns kein anderes Boot störte, das auch hätte schleusen wollen, konnten wir uns recht lange unterhalten. Dann verabschiedeten wir uns. Tina und Willi wollten dann ihren Weg zum Lough Key fortsetzen, so würden wir sie leider nicht bei dem Forumstreffen wieder sehen, aber vielleicht würde man sich ja auf der Rücktour wieder treffen. Heinz Werner und seine Familie hatten den gleichen Weg wie wir und sie wollten auch zu dem Forumstreffen kommen. Sie fuhren jedoch erst einmal weiter, denn statt in Ballinamore wollten sie in Ballyconnell einkaufen gehen. So trennten sich hier erst einmal unsere Wege. Holger und ich gingen in den Ort zurück, um die Fotosafari fortzusetzen. Wir fanden fast alle in der Stadtführung beschriebene Orte und Gebäude. Nach der Fototour kauften wir noch kurz im SuperValu ein, hier bekamen wir dann auch endlich Holgers Birnenwasser. Schwer bepackt kehrten wir zur Daisy zurück und legten dann auch gleich ab, um auch die Schleuse Nummer 6, um unsere Reise auf dem Shannon-Erne-Kanal fortzusetzen. Um 19:00 Uhr ließen wir dann auch die Schleuse Nummer 6 hinter uns. Jetzt blieb uns noch eine Stunde, denn nur bis 20:00 Uhr durfte geschleust werden.

 

 

 

 

Ballinamore (Béal an Átha Mόir, die große Furt an der Mündung)
Die Stadt Ballinamore (erhielt ihren Namen durch die Gegebenheit, dass sich hier die wichtigste Furt am Yellow River zwischen St John’s Lough und Garadice Lough, heute der Ballinamore und Ballyconnell Kanal, befand. Die Stadt in der Grafschaft Drumlin, am Fuße des Sliabh an Iarainn (Iron Mountain) gelegen, geht zurück auf das Jahr 1621, auf eine Ansiedlung in Leitrim mit englischen und schottischen Siedlern.

In diesem Jahr wurden 600 Morgen Land an Sir Fenton Parsons übertragen, der sich verpflichten musste, eine Stadt aufzubauen. Das wahre Wachstum der Stadt fand während des 18 Jahrhunderts statt, erst als Ort einer gedeihenden Eisenhütte, bis ins Jahr 1750, dann als Handelsstadt. Ballinamore hatte jeden Dienstag einen Wochenmarkt und eine Anzahl von jährlichen Messen. Während des 19 Jahrhunderts veränderte sich die Stadt sehr wenig. Sie bestand aus einer kurzen Geschäftsstraße (der Main Street) und drei Seitenstraßen oder Gassen: der Kapellen Gasse (St Brigid’s Street), der Kirchgasse (Church Street) und der Pound Gasse. Die High Street war als Cannaboe bekannt.

 

 

 

 

   

 

 

Wie viele kleine Städte machte Ballinamore einen ärmlichen Eindruck. Viel später im 20. Jahrhundert hatte sie dank einer Gesellschaftsklasse eine Auswahl von Geschäften: einen Küfer, einen Metzger, einen Drucker, eine Möbelfabrikation, eine Bäckerei, einen Grobschmied, eine Schneiderei, eine Wäscherei, einen Nagelschmied, einen Kutschenmacher und einen Steinmetz. Auch gab es Verkäufer und eine große Masse an freien Arbeitskräften.
Der Bau von dem Ballinamore und Ballyconnell Kanal zwischen den Jahren 1845 und 1860 brachte der Stadt keine wirtschaftlichen Veränderungen, da sich das Projekt als ein trauriger Fehlschlag herausstellte.

Erst die Öffnung der Cavan und Leitrim Eisenbahn, besser bekannt unter Narrow Gauge, schaffte den wirtschaftlichen Aufschwung. Mit der Arbeitskraft von mehr als 100 Mann brachte sie in ihrer ersten Zeit sehr viel Geld in die Stadt.

 

 
Sie öffnete die Messen und Märkte zum Norden und zu den Midlands hin, da der Transport, besonders für das Vieh, jetzt möglich war. Zwischen 1900 und 1930 erhielt die Stadt ihr heutiges Aussehen. Die mit Stroh gedeckten Häuser verschwanden allmählich und die meisten der besseren Häuser wurden in dieser Zeit gebaut. Cannaboe dehnte sich bis zur Eisenbahnstation aus und wurde in die High Street umbenannt. Die Schließung der Eisenbahn im Jahre 1959 verursachte den Verlust von mehr als 60 Arbeitsplätzen und war ein Schlag für die Wirtschaft der Stadt. Die Wirtschaft begann sich Mitte der sechziger Jahre wieder zu erholen. Eine staatliche Credit Union und ein jährliches Festival für die Emigranten wurden gegründet.
Eine Anzahl von kleinen Betrieben wurde aufgebaut, der Landwirtschaft ging es gut und man begann die Gegend mit den vielen Seen für den Tourismus nutzbar zu machen.

Die Tour durch Ballinamore startet am Gerichtsgebäude.

 

Das Gerichtsgebäude (Courthouse) ▪▪▪ Gegenüber der Kirche befindet sich das Gerichtsgebäude, das in den frühen 1830ern Jahren erbaut wurde. Zusätzlich zu dem Gericht gab es ein Arbeiterhaus und den Wohnbereich für den Aufseher des Arbeiterhauses. Es ist das in der Stadt bekannteste Haus aus Granitstein. Heute beherbergt es die Leitrim County Bibliothek, die eine herrliche Sammlung von Büchern, Zeitungen und Fotografien, die zu der Grafschaft thematisch passen, beinhaltet.

Längsseits liegt das Leitrim Genealogy Centre, wo sich Menschen, die eine Verbindung nach Irland haben, ihre Abstammung ausfindig machen können. Das Gerichtsgebäude beherbergt außerdem das Folk Museum, das gut bestückt ist, unter anderem mit einer großen Sammlung von Artefakten, die das Leben in der Grafschaft Leitrim in der Vergangenheit beschreiben.
Das St. Felims College ▪▪▪ Lässt man nun das Gerichtsgebäude links liegen und biegt links ab in Richtung Stadt, dann ist der zweite Stopp die frühere Ballinamore Eisenbahnstation, jetzt das St. Felims College. Die Cavan und Leitrim Eisenbahn mit einer Spurweite von drei Fuß, wurde zwischen 1885 und 1887 von der Cavan and Leitrim Light Railway Co. gebaut. Sie führte von Ballinamore, ihrem Hauptsitz, nach Dromod, wo sie mit der Midland Great Weston Railway, die von Sligo nach Mullingar führte, verbunden wurde und von Ballinamore nach Belturbet, wo sie mit der Great Northern verkettet wurde.

Eine weitere Linie, bekannt als die „Tram“ führte an der öffentlichen Straße entlang nach Drumshanbo und von dort zu den Arigna Kohlenminen.
Die Cavan und Leitrim Eisenbahn überlebte bis 1925 als unabhängige Eisenbahngesellschaft, dann wurde sie mit der Great Southern Railway Co. (GSR) verschmolzen. Und im Jahre 1945 fusionierte sie mit der Cόras Iompair Êireann (CIE). Sie überlebte mit Fracht und Kohletransporten. Ihre Jahre waren bis 1939 gezählt, aber der zweite Weltkrieg und somit die Nachfrage nach Kohle, gab ihr während des Krieges ein neues Leben bis in die frühen fünfziger Jahre. Im Jahre 1959 gab CIE ihre Schließung als Teil einer Rationalisierungsmaßnahme der irischen Eisenbahnen bekannt. Sie machte jedes Jahr ₤ 40.000 Verluste, die Erneuerung der Maschinen würde weitere ₤ 220.000 kosten. Nichts erinnert heute mehr an den Hauptsitz der Cavan und Leitrim Eisenbahn in Ballinamore, wenn man von den schmucken Ziegelsteingebäuden entlang der Swanlinbar Road einmal absieht. Sie waren früher einmal das Hauptbüro, das Warenlager und Teil eines Schuppens. Heute befinden sich hier die Klassenräume des St. Felims College. Nach der Schließung der Cavan und Leitrim Eisenbahn wurden die Gebäude in eine Privatschule für Jungen umgewandelt. Sie wurde später in St. Felims umbenannt, nach dem heiligen Schutzherrn der Diözese von Kilmore. Die Schule wurde 1962 eröffnet. Ein Teil des Rangierbahnhofs wurde durch das Leitrim County Council in einen öffentlichen Platz umgestaltet.

 

Tráthnóna ▪▪▪ Weiter entlang der Straße in Richtung Killeshandra befindet sich „Tráthnóna“
(das heißt Abendzeit). Es ist ein Komplex von Häusern, die für ältere Menschen von der Ballinamore Conference of the St Vincent de Paul Society gebaut wurden. Die Idee, die hinter dem Projekt steckt, ist die, dass die älteren Menschen, die in ländlicher Isolation leben, nun die Möglichkeit haben, in Wohnungen mit geringer Miete in der Stadt zu wohnen, wo sie in direkter Nachbarschaft ihre Kirche, ihren Arzt und ihre Geschäfte haben. Der Komplex wurde offiziell 1971 von Mr. Erskine Childers, dem Gesundheitsminister und späteren Präsidenten von Irland, eröffnet.

Weiter in Richtung Stadt (Moving down the Town) ▪▪▪ Diese Straße war als Cannaboe bekannt. Sie besteht auf der linken Seite aus einer Reihe von kleinen, mit Stroh gedeckten Häusern, die ein oder zwei Räume besitzen.

Auf der anderen Seite des Gerichtsgebäudes befindet sich eine Grünfläche. In den Jahren 1910 und 1920 erhielt die Straße ihr heutiges Aussehen und bekam den Namen High Street.
St Patrick’s Kirche (St. Patrick’s Church) ▪▪▪ Auf die High Street zurückkommend, sieht man zur Linken die St Patrick’s katholische Kirche, die von Philip N. Shaffrey entworfen wurde und die im Jahre 1963 mit £68.623von P. J. McLaughlin aus Longford gebaut wurde. Sie wurde auf dem ursprünglichen Gelände der Methodistischen Kirche von Ballinamore gebaut. Eine Grabstein ist in die Rückwand der St Patrick’s Kirche eingelassen, dieser wird auch als St Brigid’s Head bezeichnet. Für Jahrhunderte lag er auf dem alten Friedhof von Oughteragh.

Er war während der Reformation ein Teil des Mauerwerks der mittelalterlichen Kirche der Gemeinde von Oughteragh (Ballinamore). „St Brigid’s Head“ war Teil der Pilgerfahrt, die nach wie vor zum Fest der Heiligen an jedem ersten Februar auf dem Gelände abgehalten wird.

 

Als die neue Kirche gebaut wurde, wurde der Stein entfernt und in die Wand der neuen Kirche integriert, er soll so ein Glied zwischen dem Alten und Neuen sein, Jahrhunderte zurückgehend.Nach der St Patrick’s katholischen Kirche sieht man zur Linken die North Western Health Board Clinic. Das Gebäude befindet sich auf dem früheren Gelände der Schweinewiese.
Man biegt jetzt links in die St Brigid’s Street ab, die früher Chapel Lane (Kapellengasse) hieß, jetzt aber nach dem Schutzheiligen der Kirche benannt ist.

 

Alte St Patrick’s Kirche (Old St. Patrick’s Church) ▪▪▪ Wenn man weiter entlang der St Brigid’s Street läuft, dann befindet sich auf der rechten Seite die alte St Patrick’s Kirche. Sie wurde zwischen 1815 und 1820 gebaut. Es war die erste katholische Kirche in der Stadt und sie ersetzte das Messehaus der Bauernschaft von Killadoagh, das sich außerhalb der Stadt befand.

 

 

 

 

Die Kirche war ein schmales, rechteckiges Gebäude mit einem Lehmboden, keinen Zimmerdecken und keinen Einrichtungsgegenständen. In den frühen 1850ern Jahren wurde sie erweitert und in eine Kirche in Kreuzform umgewandelt. Der Kirche wurden ein Kirchschiff, eine Sakristei und ein Glockenstuhl der Kirche hinzugefügt und sie wurde 1856 von Fr Peter Curan wieder eingeweiht. Ein neuer Hochaltar wurde eingebaut, der noch heute in der St Patrick’s Kirche zu sehen ist. In der Sakristei ist heute die lateinische Schule untergebracht, die von einem in der Nähe gelegenen Gebäude hierhin umgezogen wurde. Heute ist sie im Besitz der Conway Familie. Die alte Kirche wurde 1960 von Mr. P. J. Reynolds gekauft und in einen Eisenwarenladen umgewandelt. Vor kurzem wurde die Kirche Reparaturen unterzogen, die ganz vorsichtig die Besonderheiten der alten Kirche mit ihren drei Galerien wiederherstellten.

 

St Brigid’s genossenschaftliche Molkerei (St. Brigid’s co-operative Creamery) ▪▪▪ Weiter entlang der St Brigid’s Street in Richtung von Carrigallen war früher auf der rechten Seite die St Brigid’s genossenschaftliche Molkerei, die 1926 von einem unabhängigen lokalen Komitee gegründet wurde. Sie bediente bis 1950 die örtliche Milchindustrie, dann wurde sie von der Killeshandra Co-Operative Society (Lakeland Dairies) übernommen. Sie wurde 1990 aufgrund von Rationalisierungsmaßnahmen geschlossen. Die Molkerei wurde auf dem Gelände der Messewiese gebaut. Ursprünglich war die Messewiese auf der gegenüberliegenden Seite der Straße bis sie von der Lokalbahn (Narrow Gauge Railway) durchschnitten wurde und so wurde sie auf die andere Straßenseite verlegt. Da es hier aber hügelig und nass war, wurde sie nicht gebraucht und so zog die Messe in die Straße um, wo sie bis zum Ende, im Jahr 1960 blieb.

 

Das Schrankenwärterhaus am Bahnübergang (Railway Gate House on level crossing) ▪▪▪ Wenn man sich jetzt rechts herum wendet, geht man entlang des Kanals in Richtung der früheren Strecke der Cavan und Leitrim Eisenbahn. Die Schritte führen einen zu dem ursprünglichen Kanalbecken, wo ein Gedenkstein an den Beginn der Instandsetzungsarbeiten des Ballinamore-Ballyconnell-Kanals (Shannon-Erne-Waterway) erinnert.          .

 

Das Markthaus (Market House) ▪▪▪
Zur Rechten, am Beginn der Main St., wo sich jetzt der Tarpey’s Supermarkt befindet, stand das Markthaus (Market House), das 1847 von der hiesigen Landlady, Penelope Jones aus Maidstone, Kent in England, als ein Geschenk für die Stadt gebaut wurde. Es war eines der herrlichsten in der Grafschaft. Es hatte eine schöne Steinfront mit hohen Pfeilern und Eisengeländern, einen weitläufigen, gepflasterten Hof, eine Brückenwaage, eine Schlachtbank mit einer Wiegevorrichtung und ein sehr großes Lagerhaus.

Eine Wohnung für den Aufpasser und eine Stadtuhr gab es hier auch. Es lag nahe am Kanal, der zu dieser Zeit gebaut wurde. Das Markthaus (Market House) beherbergte den gewöhnlichen Markt an den Dienstagen und den Butter- und den Schweinemarkt. In den 1950ern Jahren ging der Markt zurück und das Markthaus (Market House) wurde verkauft. 1960 wurde es abgerissen, um für eine Eisenhütte Platz zu machen. Heute befindet sich auf dem Gelände ein Supermarkt.
Zwei Türen von dem Tarpey’s Supermarkt entfernt liegt die frühere Ulster Bank, heute im Besitz der Gannon Familie. Zwischen dem Markthaus (Market House) und dem Kanal kreuzt die Cavan und Leitrim Eisenbahn die Straße. Vier riesige Schranken schließen die öffentliche Straße, während sie der Zug passiert.
Das Gemeindezentrum (Community Centre) ▪▪▪ Nachdem man das Markthaus (Market House) hinter sich gelassen hat, sich dann links herum wendet und die Brücke in Richtung Carrick-on-Shannon passiert, befindet sich zur Linken das Gemeindezentrum, das 1925 als ein katholischer Saal gebaut wurde und den früheren Saal von 1914 auf dem gleichen Gelände ersetzte.

 

 

 

John Joe McGirl Denkmal (John Joe McGirl Memorial) ▪▪▪ Gegenüber von dem Gemeindezentrum liegt das John Joe McGirl Denkmal, das von Robert Ballagh entworfen wurde. John Joe, 1921 in Drumany, Aughnasheelin geboren, war ein berühmtes Mitglied von der Irisch- Republikanischen Bewegung (Irish Republican movement) und er war in den 1980ern Vizepräsident von der Partei Provisional Sinn Féin. Er wurde 1957 ins Repräsentantenhaus (Dáil Eireann) gewählt. Jedoch lehnte er es ab, in Übereinstimmung mit der Parteipolitik, den Sitz zu nehmen.

 

 

John Joe McGirl (1921-Dezember 1988) war ein Irisch-Republikaner und der ehemalige Stabschef der Irisch-Republikanischen Armee.
Geboren und aufgewachsen in Ballinamore, Grafschaft Leitrim, wurde McGirl in den 1940ern in die IRA eingeschlossen. 1946 wurde er mit Cathal Goulding und weiteren zehn Personen festgenommen und zu 12 Monaten Gefängnis verurteilt.
Mc Girl nahm an dem IRA Grenzfeldzug (IRA Border Campaign) teil. Im Januar 1957 wurde er vor das Ballinamore Gericht gestellt, verurteilt und ins Mountjoy Gefängnis (Mountjoy Prison) inhaftiert.
Obgleich er ein Gefangener war, wurde er im März 1957 für den Wahlkreis Sligo-Leitrim für die Sinn Féin Partei zum Teachta Dála, zum Mitglied des Repräsentantenhaus (Dáil Eireann), mit dem Spitzenwahlergebnis von 7.007 Stimmen (15,71 Prozent) gewählt.

Da er unter einer abstentionist Liste lief, verweigerte er es, die Autorität des Repräsentantenhaus (Dáil Eireann) anzuerkennen und nahm deshalb seinen Sitz nicht wahr, obwohl es ihm möglich gewesen wäre. Bei der Wahl 1961 konnte er seinen Sitz nicht halten, sein Anteil an den Stimmen halbierte sich und er erhielt nur 2.487 Stimmen (7,28 Prozent).
Im November 1957 hielt er die Rede bei dem Begräbnis von einigen der Edentubber Märtyrer.
1962 war er dem Ausschuss behilflich, der die St. Felims Hochschule (St. Felims College) in Ballinamore gründete.
1974 wurde er in Nordirland interniert.
McGirl bestritt die allgemeinen Wahlen im Februar 1982 und 1987. Bei der Wahl 1982 erhielt er 2.772 Stimmen (6,07 Prozent) und bei der Wahl 1987 bekam er 2.627 Stimmen (5,75 Prozent).
McGirl diente als Vizepräsident von Sinn Féin. Bei dem Sinn Féin Parteitag (Ard Fheis) von 1986 unterstützte McGirl die Bewegungen von Gerry Adam und Martin McGuinness, die Verfahrensweise des Abstentionism fallen zu lassen und erzürnte damit heftig seine Zeitgenossen Ruairí Ó Brádaigh und Dáithí Ó Conaill.
Er wurde zum Sinn Féin Ratsmitglied des Leitrim Grafschaftsrates (Leitrim County Council) gewählt und diente als Vorsitzender dieses Gremiums. Er war zu der Zeit seines Todes Mitglied des Rates. Nach seinem Tod wurde für ihn in seiner Geburtsstadt Ballinamore ein Denkmal errichtet. Es befindet sich auf der Brücke, die den Shannon-Erne-Waterway kreuzt.
Sein Sohn Liam wurde 1999 zum Mitglied des Leitrim Grafschaftsrates (Leitrim County Council) gewählt, trat aber vor dem Ende seiner Amtszeit zurück. Ein Neffe, Francis McGirl, wurde mit dem Mord an Lord Mountbatten belastet, der durch die IRA getötet wurde, als sein Boot an der Küste von Sligo 1979 bombadiert wurde, er wurde aber freigesprochen.

http://en.wikipedia.org/wiki/John_Joe_McGirl

 

Eisenhütte (Iron Works) ▪▪▪ Gleich hinter dem John Joe McGirl Denkmal und auf dem Gelände der heutigen National School für Mädchen war im frühen 18. Jahrhundert eine gedeihende Eisenhütte. Das Erz kam aus den nahen Iron Mountain (Sliabh an Iarainn) und zur Verhüttung wurde Holzkohle aus den ausgedehnten Wäldern, die sich bis heute in dieser Gegend befinden, verwendet. Als der Wald erschöpft war, wurde die Eisenhütte geschlossen. Castlefore, Drumshanbo und Swanlinbar hatten zur gleichen Zeit Eisengießereien.

Das Kloster der Barmherzigkeit (Convent of Mercy) ▪▪▪ Die barmherzigen Schwestern kamen am 21. November 1871 nach Ballinamore. Sie nahmen die ausgediente Königlich-Irischen Polizeistation (Royal Irish Constabulary station) in Besitz. Als erstes eröffneten sie eine Privatschule (Private School) und später übernahmen sie die Leitung an der Grundschule (primary school) für Mädchen und Kleinkinder. Sie betrieben auch eine Spitzenmanufaktur, in der junge Mädchen für die Spitzenfertigung ausgebildet wurden. Das heutige Kloster wurde 1916 von der Kelly Baugesellschaft aus Longford gebaut. Im Jahre 1954 wurde Mean Scoil Fatima für Mädchen gegründet, hierbei handelt es sich um eine Schule, die sich der Grundschule anschließt (post-primary school).

 

 

Die Berufsbildende Schulen (Vocational School) ▪▪▪ Weiter oben in Aghadark befindet sich die 1953 gebaute Berufsbildende Schule (Vocational School). Die erste Berufsbildende Schule (Vocational School) wurde am 7. September 1941 in Ballinamore auf dem Grund und Boden von Mr. Francis Mc Avinia in der Church St. eröffnet.

 

 

 

 

Der Yachthafen (Marina) ▪▪▪ Zur Linken, gerade hinter der National School für Mädchen, befindet sich eine Rampe, die zum Yachthafen führt. Der Yachthafen ist ein Gemeinschaftsprojekt, als Antwort auf die Wiedereröffnung des Shannon-Erne-Waterway. Der Hafen kann 30 Boote aufnehmen und er verfügt über moderne Einrichtungen an Land, die auch ein Kanucenter und Werkstätten beinhalten.
Hier befindet sich der Stützpunkt des Bootsvermieters Locaboat, der Penichetten für die Fahrt auf dem Shannon und Erne vermietet.
 

Entlang des Waterway (Along the Waterway) ▪▪▪ An diesem Punkt kehrt man um und geht zurück in Richtung Stadt. Auf der Seite des John Joe McGirls Denkmal befindet sich ein Tor zu einem Fußweg, der entlang des kürzlich rekonstruierten Waterway führt. Hier passiert man die Schleuse Nummer 6, eine der sechzehn Schleusen des Waterway. Diese Schleusen wurden in einer feinfühligen Art und Weise wiederhergestellt und die ursprünglichen Steine kaschieren den massiven Stahlbeton. Die Schleusen werden automatisch mittels einer Smartcard bedient. Überquert man die Fußgängerbrücke am Wehr, dann befindet sich zur Linken einer der verschiedenen Ankerplätze am Waterway. Hier sind ein Parkplatz, ein Servicehäuschen, Toiletten und eine Infotafel. Eine Gedenktafel, die sich in der Nähe des Parkplatzes befindet, stellt die offizielle Öffnung des Waterway dar.

 

 

 

 

 

 

Der Ballinamore-Ballyconnell Kanal (Ballinamore-Ballyconnell Canal) ▪▪▪ Der Kanal heißt heute Shannon-Erne-Waterway. Die Möglichkeit, den Erne mittels eines Kanals mit dem Shannon zu verbinden, wurde das erste Mal 1793 angeregt. Das Projekt erhielt schließlich 1847 die Genehmigung, teils für die Entwässerung, teils wegen der Schifffahrt und teils, um zu den Zeiten der Hungersnot für Arbeit sorgen zu können. Vom Lough Scur aus, der Wasserscheide des Flusses, wurde der Erne bis Caroul kanalisiert, vom St John’s Lough bis zum Garadice Lough folgt er dem Yellow River, der in dem Sliabh an Iarainn Mountain entspringt. Aus diesem Grund sind alle Schleusen in diesem Kanal im Gegensatz zu denen auf dem stillen Wasserkanal zwischen dem Lough Scur und dem Shannon bei Leitrim, mit einer Überstromleitung (Bypass) und einer Fischtreppe ausgestattet.
Die schönen Schleusen des Kanals, sechzehn im Ganzen, sind aus Stein, und genauso wie die wunderschönen Brücken des Kanals, die zwischen 1849 und 1856 errichtet wurden, wurden sie alle bei den jüngsten Restaurierungsarbeiten sehr gut erhalten. Im Jahre 1860 war die offizielle Übergabe an die zwei unabhängigen Behörden von Ballinamore und Ballyconnell Navigation und an das Ballyconnell Drainage Board. Der Bau des Kanals dauerte 14 Jahre und kostete ₤247.222.

Als Projekt für die Schifffahrt war er ein kompletter Reinfall. Er wurde nie richtig fertig, da er ein konstantes Ausbaggern benötigte, verursacht durch die ständige Verschlammung und einstürzende Ufer. Als Projekt für die Entwässerung war er etwas mehr erfolgreicher. Er entwässerte einige 60.000 Morgen Moor und niedrig gelegenes Land, das von gelegentlichen Überschwemmungen betroffen war, 1.500 Morgen allein im Gebiet von Ballinamore. Der Kanal verfügte nicht über den Schiffverkehr, der seine Wartung rechtfertigte, denn nur zwischen acht und zwölf Boote haben ihn in dieser Zeit jemals benutzt und so wurden nur ₤18 an Gebühren eingenommen. Er wurde allmählich dem Verfall überlassen, das wiederum eine Überschwemmung der Bereiche verursachte, die vorher von ihm entwässert wurden.
Im Jahre 1984 wurde der Kanal nach einer vierjährigen Restaurierung wiedereröffnet. Die Restaurierungsarbeiten kosteten ungefähr 30 Millionen Pfund, die von der EU-Gemeinschaftsinitiative INTERREG übernommen wurden, einer Initiative für die Entwicklung von Randregionen.

 

Gegenrichtung (Directional) ▪▪▪ Verlässt man den Anleger und wendet man sich dann rechts herum in Richtung Stadt, läuft man wieder entlang der ehemaligen Strecke der Narrow Gauge Railway Line. Nun wendet man sich nach links in die Main Street.

 

Die Kirche von Irland (Church of Ireland) ▪▪▪
Geht man nun entlang der Main St. und biegt dann links in die Church St. ab (vorher unter Church Lane bekannt),

 dann sieht man die Kirche von Irland (Church of Ireland). Sie ist das älteste Gebäude in der Stadt und wurde 1780 errichtet. In ihrer Nähe befindet sich die Oughteragh (Church of Ireland) Gemeinde Schule.

 

 

 

Das AIB Gebäude (Allied Irish Bank Building) ▪▪▪ Kommt man nun zurück über die Church St. zur Main St., dann liegt zur Linken die Allied Irish Bank (AIB). Sie wurde auf dem Gelände gebaut, wo sich vorher das Eisenbahn Hotel (Railway Hotel) von der Magauran Familie befand. Eine Gedenktafel am Giebel der Bank beschreibt die Stelle, an der die Zweigstelle der Gaelic Athletic Association am 31. Januar 1889 gegründet wurde. Der GAA Club wurde nach William O’Brien, dem irischen Patrioten, benannt, der zu dieser Zeit in Clonmel, wegen seines Anteils an dem Feldzug gegen die Wuchermieten und die Vertreibung durch die Grundherren, im Gefängnis saß. Dort weigerte er sich die Gefängniskleidung zu tragen.

Der GAA Club, nun bekannt unter Sean O’Heslins, einem einheimischen Grundschullehrer, hat der Jugend der Stadt seitdem gedient. Nun kommt man zurück zum Gericht, von wo die Route gestartet war.
Zitat aus: Ballinamore, The Friendly Town, Town Walking Guide, Leitrim County Council; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga.

 

Kurz nach der Schleuse 6 kam schon die Schleuse Nummer 5, Ardrum Lock. Kurz vorher war uns eine Penichette entgegen gekommen und wir hatten gehofft, dass die Schleuse Nummer 5 für uns offen wäre, dem war leider nicht so. Also musste Holger auch hier wieder anlegen, damit ich von Bord gehen konnte, um die Schleuse für uns fertig zu machen. Aber „Frau“ war ja mittlerweile geübt uns so konnten wir recht schnell schleusen. Um 19:20 Uhr hatten wir auch die Schleuse Nummer 5 hinter uns.

 

 

 

 

 

Um 19:25 Uhr hatten wir das zweite Mann-Überbord-Manöver. Nein, dieses Mal war nichts von der Daisy in den Kanal gefallen. Holger hatte einen Lederbasketball entdeckt, der im Shannon-Erne-Kanal schwamm. Diesen wollten wir ja nun nicht dort schwimmen lassen. Holger fuhr also ganz langsam und ganz dicht an dem Basketball vorbei und ich konnte ihn dann hinten zu fassen bekommen. Ich weiß bis heute nicht, wie es mir gelungen war, diesen glitschigen Ball greifen zu können, aber ich hatte ihn tatsächlich in der Hand.
Wir erreichten die Schleuse Nummer 4, Aghoo Lock. Wie sollte es auch anders sein, auch diese Schleuse musste ich erst umschleusen. An dieser Schleuse wurde immer noch gebaut. Die Bauarbeiten hatten schon im letzten Jahr angefangen, da durfte man nicht alleine schleusen, diesmal war das aber wenigstens erlaubt. Um 19:45 Uhr hatten wir auch diese Schleuse gemeistert. Immerhin noch in der offiziellen Schleusenzeit. Glück gehabt. So langsam ging die Sonne unter, aber trotzdem fuhr Holger weiter, denn er wollte unbedingt noch Haughton’s Shore erreichen.

 

 

 

 

 

 

Fast eine Stunde später durchfuhren wir den Garadice Lough bei Sonnenuntergang. Ich bekam ja so langsam Muffensausen und fragte Holger ständig, ob er noch genug sehen könnte. Dies bejahte er natürlich. Aber beruhigt war ich trotzdem nicht.

 

 

 

Um 20:45 Uhr erreichten wir Haughton’s Shore und so voll hatten wir diesen Anleger noch nie erlebt. Ein größeres Boot lag schon mit dem Heck am Kai, ansonsten hätten es keinen Platz mehr gefunden. Ja, wo sollten wir denn bloß anlegen. An der linken Seite lag eine irische Barke, die unser Dilemma schon bemerkt hatte. Die Besatzung, die aus einem Mann und einer Frau bestand, machten gerade ihre Tampen lose, damit sie die Barke ein Stückchen vorziehen konnten, um so für unser Boot Platz zu machen. Und tatsächlich, die Daisy passte genau hinter die Barke. Zum Glück waren wir mit einem recht kleinem Boot unterwegs. Der Mann von der Barke half uns beim Anlegen. Erst zeigte der Bug der Daisy in Richtung Barke, aber da hatten wir große Probleme, die Tampen richtig zu befestigen, auch wären wir schlecht von Bord gekommen, denn wir hätten über die Seite gehen müssen und der Anleger war an dieser Stelle sehr tief und dadurch, dass der Anleger hier so tief lag, nutzten uns unsere Fender auch wenig, denn die hingen wiederum zu hoch. Wir überlegten nicht lange und drehten Daisy einfach um, so dass das Heck nun zur Barke zeigte. Der Mann von der Barke half uns die ganze Zeit, was wir natürlich sehr nett fanden. Endlich lag unser Boot richtig, es war gut vertäut und wir konnten sogar über das Heck die Daisy verlassen. Kurz gesagt, die Daisy lag perfekt.
In Haughton´s Shore sahen wir dann auch das ABC Boot von imiadam wieder, der schon vor uns fest gemacht hatte. Während Holger das Abendbrot machte, es gab gebratene Nudeln mit dem Rest der roten Sauce, brachte ich den Müll weg und unterhielt mich noch eine Weile mit Heinz Werner (imiadam), seiner Frau Margit, seiner jüngeren Tochter Sabrina und den beiden Kinder der älteren Tochter. Ich kehrte dann zum Boot zurück und wir aßen Abendbrot und sahen dabei den Film „Der Anschlag“. Ich schlief dabei ein und als ich kurz wach wurde ging ich zu Bett. Der Tag hatte mich doch sehr geschafft. Holger sah sich den Film noch zu Ende an und folgte mir um Mitternacht in die Koje.
Nach uns muss dann noch ein weiteres großes Boot gekommen sein, denn am nächsten Morgen lagen zwei Boote mit dem Heck am Anleger. So war dann auch wirklich das letzte Plätzchen belegt.

 

 

 

Haughton’s Shore mit Platzproblemen!

So voll hatten wir Haughton’s Shore noch nie erlebt.