13.04.2006

Der lange Tag oder Holger im Fahrrausch

Nachdem wir um 06:30 aufgestanden waren, zogen wir uns nach einem kurzem Blick nach draußen schnell an. Auf das Frühstück verzichteten wir heute Morgen mal, denn wir wollten so schnell wie möglich über den Lough Ree fahren, falls es heute gehen sollte, denn die Fahnen wehten auch heute Morgen noch heftig im Wind. Um 07:00 Uhr legten wir an unserem Anleger am Killinure Point ab.
Holger sicherte mir die ganze Zeit zu, dass ich mich melden sollte, falls es für mich nicht gehen würde, dann würden wir nicht mehr Richtung Lanesborough fahren, sondern Richtung Athlone, das bedeutete nur einen kurzen Weg über den See. Der Bug der Daisy stieß in den Lough Ree vor und als wir rechts von uns Hare Island liegen hatten, waren die Wellen immerhin so heftig, dass ich Holger bat, doch die Richtung von Athlone einzuschlagen. Er tat mir natürlich den Gefallen.

   

Als wir rechts von uns Carberry Island liegen hatten, beruhigte sich der See ein wenig, aber doch so viel, dass man vielleicht doch die Überfahrt hätte wagen können.  Wir überlegten hin und her und so schlug Holger vor, zwar in Richtung Lanesborough zu fahren, er wollte aber erst einmal links an Little Yellow Island und Big Yellow Island vorbeifahren, um sich an dieser Stelle die Wellenbewegung des Sees ansehen zu können. Und wir hatten Glück, die Wellen hielten sich in Grenzen, wenn Holger recht landnah fahren konnte. So trafen wir die Entscheidung, es doch zu wagen.

Holger konnte mir während der Überfahrt immer genau vorhersagen, wann die Fahrt etwas ruppiger wurde, denn es waren immer die Stellen, die nicht so dicht am Land lagen. Meist handelte es sich aber nur um eine halbe Stunde und so hielt sich meine Angst, mein See-Koller, stark in Grenzen, denn ich wusste ja immer, dass es bald besser werden würde.

Wir passierten die rote Tonne mit der Nummer 4 und endlich konnte ich mal ein Foto von der Kirche am Festland machen, denn dadurch, dass der neue Fotoapparat über ein 12-faches optisches Zoom verfügt, konnte ich mir die weiter entfernten Stellen sehr nahe heranholen, so dass sich tatsächlich mal ein Foto lohnte.
Auch als wir an Inchcleraun vorbeikamen, es ist die Insel bei der roten Tonne mit der Nummer 7, konnte ich dank des Zooms, ein Blick auf die dortigen Ruinen werfen. Zum Vorteil war auch, dass wir im April unterwegs waren, denn da hatten die Bäume noch kein neues Laub und so konnte man auch das sehen, was normalerweise vom Laub verborgen ist.

 

Bald darauf passierten wir die rote Tonne mit der Nummer 8, die bei Muckinish verankert ist und damit hatten wir sicherlich 2/3 des Sees hinter uns gebracht. Gleich hinter Muckinish wurde der See wieder sehr unruhig, denn jetzt befand sich die Fahrrinne weiter vom Land entfernt, so dass der Wind an dieser Stelle dem See zu einem recht heftigen Wellengang verhalf.

Aber da musste ich jetzt durch und da ich ja auch wusste, dass es nicht lange dauern würde, bis wir wieder im Windschatten der nächsten Insel fahren würden, kam erst gar nicht die Angst bei mir durch. Um mich abzulenken, versuchte ich auch mal die Wellen zu fotografieren.

Zwar gelang mir eine Aufnahme, auf der auch die weißen Schaumkronen zu sehen sind, jedoch kann man hier nicht gerade erkennen, wie hoch und wild sie eigentlich waren, aber das ist ja auf Fotos immer der Fall.
Nach einem 20-minütigen Geschaukel erreichten wir Clawinch, in deren Windschatten der See wieder sehr ruhig wurde. Fast hätte man glauben können, dass heute kein Lüftchen weht. Doch gleich hinter Clawinch holten uns die Wellen wieder ein. Diesmal dauerte das Schaukeln aber nur 10 Minuten, dann kamen wir bei Inchenagh, Little Island, Bushy Island und Goat’s Island wieder in den Windschatten. Gegenüber von Goat’s Island befindet sich die Viehfähre, die hier verankert lag.

Diese konnte ich auch dank meines 12-fachen Zooms sehr gut fotografieren. Ich hatte das schon öfters versucht, aber jedes Mal war sie nur ganz klein auf dem Foto zu erkennen gewesen, diesmal konnte ich sie jedoch sehr gut auf das Foto bannen. Unsere Fahrt führte uns an Inch Macdermot vorbei. Hier genossen ein paar Ziegen das frische Grün und etliche Möwen leisteten ihnen Gesellschaft.

Danach wurde die Fahrt wieder sehr rau. Der Wind traf den Lough Ree ohne von einer Insel daran gehindert zu werden und die Wellen wurden wieder sehr hoch.
Erst kurz vor Lanesborough wurde es wieder besser. Im Nachhinein war es eine weise Entscheidung gewesen, dass wir doch über den Lough Ree gefahren waren und das auch noch zu dieser frühen Zeit, denn jetzt frischte der Wind ganz gewaltig wieder auf und so hätten wir den See sicherlich nicht mehr überqueren können. 

Wir wissen also jetzt: falls es sehr windig sein sollte, sollte man entweder früh morgens oder so spät wie möglich den Lough Ree überqueren. Man lernt immer mal wieder etwas Neues.
Die ersten Ausläufer von Lanesborough kamen in Sicht, aber es dauerte noch eine Weile, bis wir die Brücke von Lanesborough passierten.
Lanesborough selbst erreichten wir um 09:20 Uhr und gleich fiel uns das Hochwasser des Shannon ins Auge. Normalerweise waren die ersten Anlegemöglichkeiten gleich hinter der Brücke nicht so gut zum Anlegen geeignet, da der Kai hier recht hoch ist.
 Jedenfalls normalerweise, denn diesmal hätten man eher hier anlegen sollen, denn der andere Anleger erschien einem jetzt als sehr niedrig, so dass er sogar an einigen Stellen überflutet war und er lag dadurch so niedrig, dass an ein Festmachen hier nicht zu denken gewesen wäre. Die ganzen Fender wären hier auch nutzlos gewesen, da sie für diesen niedrigen Anleger einfach zu hoch angebracht waren, so dass der Bootsrumpf dann direkt mit dem Kai in Berührung gekommen wäre. So hoch hatten wir den Shannon noch nie erlebt.

 

Irgendwie sind wir heute ganz alleine unterwegs, denn es ist mittlerweile 09:50 Uhr und wir hatten immer noch kein anderes, fahrendes Boot gesehen. Entweder schliefen sie alle noch in ihren Kojen oder es waren tatsächlich zu dieser Jahreszeit noch nicht so viele Boote unterwegs. Uns sollte es egal sein, so konnten wir die Fahrt über den Shannon umso mehr genießen. Der Himmel zeigte sich in einem fantastischen Blau und an vielen Stellen blühte an Land der Ginster. Dazu kamen dann noch das Blau des Shannons und das Grün der Pflanzen und schon hatte man die perfekte Bildkomposition. Da musste man einfach an den Spruch denken: Wenn Engel reisen!


Nach einer Weile sahen wir zur linken die Einfahrt zum Camlin River, aber diesmal nahmen wir uns nicht die Zeit, dieses sehr schöne Flüsschen zu befahren. Vielleicht würde es ja auf dem Rückweg klappen.
Wir näherten uns der ersten Schleuse auf unserer Fahrt und es wird, weiß Gott nicht, die letzte sein. Als erstes nahmen wir von Tarmonbarry Lock das Wehr wahr, denn man konnte es schon vorher hören, dann erst kam es in Sicht und dann konnte man auch schon den ersten Blick auf die Schleuse werfen. Leider zeigte die Ampel ein rotes Licht und so mussten wir vor der Schleuse an dem Anleger festmachen. Nachdem der Schleusenwärter uns bemerkt hatte, machte er die Schleuse für uns fertig. Hier waren wir scheinbar auch das erste Boot, das an diesem Tag geschleust wurde. Das erklärte auch, warum die Schleuse zu beiden Seiten geschlossen war. Nachdem sich für uns die Schleusentore geöffnet hatten, fuhr Holger in die Schleuse ein, während ich am Bug stand, um dem Schleusenwärter den Tampen zuzuwerfen. Nachdem ich meinen Tampen vom Schleusenwärter zurückerhalten hatte, warf Holger ihm den Hecktampen zu.
Nun schlossen sich schon die Schleusentore und das Schleusen begann. Ich betrachtete die Mauern der Schleuse und bemerkte, dass sich selbst hier Pflanzen angesiedelt hatten. Unter anderem entdeckte ich ein blühendes Gänseblümchen. Während wir hoch geschleust wurden, konnten wir einen Blick auf die andere Seite der Schleuse werfen und da sahen wir endlich ein anderes Boot. Ein größeres ESL Boot legte gerade auf der anderen Seite der Schleuse ab, wohl um nach uns zu schleusen. Der Schleusenwärter kam zu mir und ich bezahlte die Gebühr von
€ 1,50 (€ 2.00 mit Trinkgeld).

Da der Shannon sehr viel Wasser führte, fragte ich vorsichtshalber den Schleusenwärter, ob wir trotz des Hochwassers unter der nächste Brücke hindurchpassen würden. Normalerweise konnten wir sie ohne Probleme passieren, aber da wir nie viel Platz dabei hatten, wollte ich mich diesmal lieber absichern. Die Antwort des Schleusenwärters war jedoch sehr schwammig. „Es sollte eigentlich gehen, aber wir sollten lieber ganz, ganz langsam durchfahren.“ Tja, so lag die Entscheidung doch wieder bei uns, denn das konnte man wirklich keine klare Aussage nennen.
Nachdem sich für uns die Schleusentore wieder geöffnet hatten, fuhren wir erst einmal hinaus, um uns dann zu beraten, was wir nun wegen der Brücke machen würden.

Das Wehr von Tarmonbarry Lock

Daisy auf Warteposition vor der Schleuse

 

Blick auf Tarmonbarry Lock

Holger mit dem Hecktampen. Alles ist bereit zum Schleusen

Langsam füllt sich die Schleuse

Die Schleuse von der anderen Seite aufgenommen. Sie ist jetzt bereit, das ESL Boot zu schleusen
Tja, was sollten wir nun wegen der Brücke unternehmen? Sollten wir vielleicht doch den Schleusenwärter fragen, für uns die Brücke zu öffnen oder sollten wir es doch versuchen? Wir entschlossen uns dazu, unseren vorderen Flaggenstock so auszurichten, dass er mit dem höchsten Punkt des Bootes übereinstimmte. Natürlich mit einer gewissen Toleranz nach oben. Dann begab ich mich zum Bug und Holger nahm ganz langsam Kurs auf die Brücke. Wir näherten uns ihr ganz vorsichtig und da der Flaggenstock nicht oben anstieß, fuhr Holger dann doch ganz langsam durch. So wenig Platz hatten wir noch nie und ich hatte bestimmt während der Durchfahrt die Luft angehalten.

Oder nennt man das viel Platz?
Zum Glück hatte es ja gepasst und so konnten wir um 10:55 Uhr unseren Weg in Richtung Roosky fortsetzen. Vielleicht würden wir ja die Schleuse von Roosky noch vor der Mittagspause des Schleusenwärters schaffen, das würde unserem Zeitplan doch sehr entgegen kommen.

Das Wetter verschlechterte sich wieder sehr. Wir hatten sehr starken Seitenwind von links wehend und aus dieser Richtung zogen auch sehr dunkle, fast schwarze Wolken auf.

Wir fuhren weiter entlang des Shannon und um 11:10 Uhr entdeckten wir die Heiga, Norberts Boot, in der Einfahrt zum Camlin River.

Wir entschlossen uns kurzerhand, ihm einen Besuch abzustatten und nahmen Kurs auf die Heiga. Da wir an Bord niemanden sahen, hupte Holger kurz, um auf uns aufmerksam zu machen. Daraufhin sah ich Mayo in der Bugkabine, wohl der Salon, sie guckte kurz aus dem Fenster, sah uns, hob dann kurz die Hand, um uns wohl zu grüßen und ging dann zum Heck. Da wir dachten, dass sie wohl Norbert bescheid sagen würde, warteten wir noch eine Weile. Zu unserem Erstaunen ließ sich aber weder Norbert noch Mayo an Bord sehen. Etwas verdutzt über das Verhalten, wendete Holger die Daisy im sehr schmalen Camlin River und dann setzten wir unseren Weg in Richtung Roosky fort. Scheinbar waren wir an diesem Tag nicht erwünscht oder wie sollte man das Verhalten sonst deuten???

Das Wetter wurde besser, denn langsam brach der blaue Himmel durch, der Wind wehte jedoch heftig weiter. Das Schilf, an dem wir im Shannon auf dem Weg nach Roosky vorbeifuhren, wirkte im Schein der Sonne wie eine Sanddüne. Ein wirklich toller Anblick. Wir durchfuhren bei starkem Wind den Lough Forbes, aber der ist zum Glück klein, so dass uns der Wind hier nichts anhaben konnte.
Wieder ziehen dunkle Wolken auf und kurz vor Roosky fing es leicht an zu regnen, irgendwie musste die schwarze, dicke Wolke über uns etwas Wasser loswerden. Wir konnten nur hoffen, dass es nicht auch noch in der Schleuse regnen würde. Wieder stellten wir fest, dass uns seit dem ESL Boot bei der Tarmonbarry Lock kein anderes fahrendes Schiff begegnet war. So ganz alleine auf dem Shannon war wirklich mal ein Erlebnis.
Um 12:10 Uhr erreichten wir die Schleuse von Roosky und auch hier zeigte die Ampel uns das rote Licht, so machten wir dann wegen des, von links sehr stark wehenden Windes an dem Anleger bei dem Wehr fest, denn von dem anderen Anleger wären wir sicherlich nicht mehr weggekommen, der Wind hätte uns immer wieder an den Anleger gedrückt. In der Schleuse vor uns wurde gerade ein Boot von CarrickCraft geschleust, so hatten wir genügend Zeit, uns einmal diesen Anleger genauer anzusehen, denn hier hatten wir vorher noch nie festgemacht, da er erstens direkt am Wehr lag und zweitens über keinen Landzugang verfügte.

 

Das Wehr bei der Schleuse von Roosky
 

Blick auf die Schleuse von Roosky vom Anleger aus
Nachdem das CarrickCraft Boot aus der Schleuse gefahren war, machten wir unsere Tampen los und fuhren in die Schleuse ein. Wir hatten Glück, dass wir Roosky noch vor der Mittagspause erreicht hatten. Tony Hudson, der Schleusenwärter von der Roosky Schleuse, nahm mir den Bugtampen ab und gab ihn mir dann zurück, nachdem er ihn um einen Poller gelegt hatte, dann ging er zu Holger, um das Gleiche mit dem Hecktampen zu machen. Dann schloss er die Schleusentore und das Schleusen begann. Während des Schleusens unterhielten wir uns mit Tony, so wie wir es eigentlich jedes Mal taten, wenn wir Roosky passierten.
Die Schleuse von Roosky hatte diesmal keinen großen Hub und so ging das Schleusen recht zügig vonstatten. Oben angekommen, kam Tony zu mir und ich bezahlte die Gebühr von € 1,50 (€ 2.00 mit Trinkgeld).  Zusätzlich erhielt er noch ein anderes Trinkgeld in Form eines Guinness, über das er sich sehr freute. Auch in dieser Schleuse hatten sich an recht seltsamen Plätzen Pflanzen ein Plätzchen gesucht. Ich entdeckte diesmal mehrere Löwenzahn-Pflanzen, die auf einem Balken des Schleusentores wuchsen. Nachdem Tony die Schleusentore geöffnet hatte, wünschte er uns noch einen schönen Urlaub und dann fuhr Holger aus der Schleuse.

Auch in Roosky konnte man nicht von der Normalität reden, denn normalerweise wären hier fast alle Anleger am Ostufer belegt gewesen, so dass man jetzt schon hätte suchen müssen, um noch einen freien Anleger zu finden. Diesmal war es anders. Man hatte schier die freie Auswahl, denn kein einziges Boot lag an den ganzen Anlegern entlang der Ostseite bis zur Brücke, selbst der Anleger an der Schleuse war menschenleer. Ich nutzte den seltenen Anblick, um für Peter für seine Eireskipper-Seite Fotos von den Anlegern zu machen.
An der Westseite sahen wir ein größeres ESL Boot, dass gerade von dem Anleger bei der Brücke ablegte und das uns dann entgegenkam. Wir waren also nicht alleine. Es gab doch noch andere Bootsbesatzungen, die zu dieser Jahreszeit in Irland Urlaub machten. Wahrscheinlich hatte die Besatzung des ESL Bootes in Roosky eingekauft, denn hier gibt es einen Supermarkt auf der Westseite direkt bei der Brücke.

 

Wir machten die Daisy an der Ostseite vor der Brücke fest, um in Roosky die nötigsten Lebensmittel einzukaufen. Es regnete ein wenig. Den Supermarkt kannten wir schon von unseren anderen Bootstouren in Irland. In dem Supermarkt bekamen wir bis auf Holgers Lieblingswasser, Birnenwasser von Kerry,  alles und Holger und ich kehrten nach dem Einkauf schwer bepackt zum Boot zurück. Na ja, genau genommen, war nur Holger schwer bepackt, denn er ließ mich eigentlich nur die Kamera tragen, alles andere hatte er in den Rucksack und in eine Tüte gepackt.

 

 

Auf unserem Rückweg zum Boot hörte es endlich auf zu regnen und die Sonne kam wieder durch. Sunshine and Raining, das typische Wetter in Irland. Um 13:15 Uhr legten wir in Roosky ab und fuhren dann weiter in Richtung Carrick-on-Shannon. Die Brücke von Roosky stellte für unser Boot trotz des Hochwassers kein Problem dar. Wir passierten sie mit massigem Platz über uns. Diese Brücke muss auch nur für sehr hohe Boote geöffnet werden und für Boote, die aus Richtung Carrick-on-Shannon kommen, gibt es hier einen extra Anleger mit Telefon, damit man die Möglichkeit hat, dem Schleusenwärter Bescheid zu geben, die Brücke zu öffnen. Wir selbst hatten es noch nie beobachten können, wie die Brücke geöffnet wurde.

Wir kamen in den Lough Bofin und den Lough Boderg und obwohl beide Seen im Verhältnis zum Lough Ree gesehen, recht klein sind, war der Wellengang hier doch recht gewaltig. Wir hatten nur Glück, dass der Wind von Vorne kam, denn so fing unser Boot nicht an zu rollen, was wirklich sehr unangenehm sein kann. Stattdessen schlug die Gischt ständig an unser Fenster und das Boot taucht sehr oft recht heftig ein.

Nachdem wir beide Seen und die Eisenbahnbrücke hinter uns gelassen hatten, befanden wir uns schlagartig wieder in ruhigeren Gewässern.

Kurz nach der Mittagspause der Schleusenwärter erreichten wir Albert Lock und auch diesmal hatten wir wieder eine rote Ampel. Es wurde gerade die Gegenseite geschleust, scheinbar der erste Schleusenvorgang nach der Mittagspause, denn es befanden sich recht viele Boote in der Schleuse, was man so sehen konnte. Wir selbst machten am Anleger fest, der sich links vor der Schleuse befindet und gingen von Bord, um den anderen Booten beim Schleusen zuzusehen. Das Wetter war hier jetzt wieder richtig schön und so konnten wir unseren, wenn auch kurzen Landgang richtig genießen.

Für mich gehört Albert Lock sicherlich zu den schönsten Schleusen am Shannon, das liegt besonders an dem schmucken Schleusenwärterhaus und der immer gut gepflegten Anlage.

Nachdem alle Boote der Gegenseite die Schleuse verlassen hatten, es hatten sich in der Mittagszeit immerhin drei Boote angesammelt, eine Wavequeen, die Tulip, ein großes Boot von ESL und eines von Shannon Castle Line, durften wir als alleiniges Boot in die Schleuse einfahren. Holger fragte mich noch, ob er nicht lieber am Bug stehen sollte, da ich in dieser Schleuse schon einmal enorme Probleme hatte, aber da wir nicht ganz nach Vorne mussten, blieb ich wie immer am Bug und Holger führte dann wie immer die Heckleine.

 

Die Albert Schleuse ist nicht so einfach zu nehmen, da gerade rechts vorne das Wasser mit einem enormen Druck in die Schleuse hinein gelassen wird, so dass man hier ganz schnell die Kontrolle über das Boot verlieren kann. Dann hat man nur noch die Möglichkeit, das Boot gehen zu lassen und auf die vielen Fender zu hoffen. Auf keinen Fall sollte man krampfhaft den Tampen festhalten, denn das kann sehr schnell zu blutigen Händen führen oder man hat das Gefühl, dass einem der Arm ausgerissen wird, so war es mir bei unserer ersten Schleusung in der Albert Lock ergangen. Aber aus Fehlern lernt man ja bekanntlich.

Um 14.40 Uhr hatten wir die Albert Lock ohne Problem passiert und vor uns lag nun der Jamestown Kanal, der nicht danach aussah, dass uns hier viele Boote entgegenkommen sollten.

 
 

Kurz vor der zweiten Brücke kam uns jedoch ein neueres ESL Boot entgegen und dann kam noch ein irisches Privatboot. Holger musste ausweichen und dabei kamen dem Dach unserer Daisy die runterhängenden Äste am Ufer zu nahe. Diese waren so stark, dass sie uns den Bootshaken aus der Halterung rissen und dann hörte man nur noch ein Platsch und der Bootshaken schwamm gemütlich im Jamestown Kanal. Entsetzte Gesichter bei uns und auch bei dem irischen Privatboot. Nachdem uns auch das irische Privatboot trotz der entsetzten Gesichter passiert hatte, wendete Holger ganz vorsichtig das Boot im Jamestown Kanal. Da gehört schon jede Menge Erfahrung dazu, will man das Boot nicht mit den felsigen Wänden kollidieren lassen. Holger manövrierte die Daisy so dicht an den Bootshaken heran, dass ich ihn hinten greifen konnte, auch wenn ich mich dabei ganz schön aus dem Boot hatte lehnen müssen. Nun musste Holger das Boot wieder wenden, nur war diese Wende im Kanal etwas schwieriger als die erste, denn plötzlich kam Wind auf und Holger wurde dann auch noch hektisch, weil dann auch noch ein großes ESL Boot unter der Brücke erschien. Aber er schaffte es ohne Probleme, uns wieder in die richtige Fahrtrichtung zu bringen und das ESL Boot konnte uns dann auch gut passieren. Vorsichtshalber bekam der Bootshaken Zimmerarrest, denn so ein Manöver langte einmal am Tag.
Nachdem wir im Jamestown Kanal die Brücke passiert hatten, an deren Anleger wir schon einmal zum Mittagessen angelegt hatten, endete der Jamestown Kanal wieder im Shannon. Da wir uns noch Jamestown ansehen wollten, hielten wir uns diesmal rechts und fuhren den Shannon noch ein kleines Stückchen entlang bis wir gegen 15.10 Uhr in Jamestown anlegten.

Holger schrieb:
Inga ging wieder auf Jagd nach Motiven. Die Brücke mit der Aufschrift „End of Navigation“ hatte sie für Chris ohne ein darunter fest hängendes Boot eingefangen. Danach ging sie alleine in den Ort. Nach erfolgreicher Fotojagd kehrte Inga um 16.00 Uhr zur Daisy zurück. Jetzt wurde auch dem liebsten Hobby, nach dem Fotografieren nachgegangen, das Füttern der ortsansässigen Enten. Das Toastbrot musste mal wieder dran glauben!

 

 

Um 16:10 Uhr legten wir in Jamestown ab. Ich war von meiner Fotosafari etwas geschafft, aber da Holger ja fuhr und er dabei sehr glücklich aussah, konnte ich ein wenig die Beine hochlegen. Jamestown fand ich jedenfalls sehr interessant und zu meinem Glück hatte sich das Wetter gehalten. Es war sogar richtig schön gewesen!

 

 

Um 16:45 Uhr, kurz vor der Hochspannungsleitung bei Carrick-on-Shannon, kam uns ein CarrickCraft im Lough Corry entgegen, der plötzlich vor Holger, nachdem sich Holger schon wunderte, warum er immer mehr auf unser Boot zukam, von Holger aus gesehen nach rechts abbog und das war eine falsche Entscheidung! Denn beim Vorbeifahren merkten wir, dass er sich festgefahren hatte. Er war in eine sehr flache Zone des Lough Corry gefahren, welche durch das Hochwasser nicht als solche zu erkennen war, hätte er jedoch auf die Karte geachtet, dann hätte er gesehen, dass er hier hätte nicht einfahren dürfen. Wir beobachteten die Mannschaft des Bootes eine Weile, denn zur Not hätten wir die Mannschaft auf unser Boot übernommen, dadurch wäre dann ja auch das Boot leichter geworden. Der Skipper loste jedoch seine Besatzung, die wohl aus seiner Frau und seinen zwei Kindern bestand, zum Heck des Schiffes und dadurch kam das Boot vorne wieder frei. Beim Zurückfahren färbte sich das Wasser ringsherum durch die aufgewühlte Erde braun. Da hatte er ja noch einmal Glück gehabt und wir auch, denn so brauchten wir nicht helfen und konnten dadurch unseren Weg fortsetzen.
Wir fuhren am neuen Anleger von Carrick-on-Shannon vorbei, der sich von uns aus gesehen, vor der Brücke befindet. Hier werden etliche Boote eine Anlegemöglichkeit finden. Außerdem kann man von hier aus auch Carrick-on-Shannon schnell erreichen.

 

 

In Carrick-on-Shannon legten wir um 17.10 Uhr an. Dunkle Wolken zogen schon wieder auf und trotz des sehr starken Windes, lieferte Holger ein Bilderbuch-Anlegemanöver ab. Besser hätte es wirklich nicht sein können. Wir gingen hier kurz von Bord, um noch Kleinigkeiten einzukaufen, die wir in Roosky nicht bekommen hatten. Das waren folgende Dinge: 2 x Einweggrill, 1 x Blistex und die alte Lough Ree Karte bei CarrickCraft für € 15. Leider hatten wir wieder nicht Holgers Birnenwasser von Kerry Spring bekommen. Das schien ein wirklicher Problemfall zu werden.

Auch stellten wir fest, dass der Londis, der in der Nähe des Hafens lag, geschlossen worden war. Ob er irgendwo anders wieder geöffnet worden war, konnten wir leider nicht in Erfahrung bringen. Um 17:40 Uhr kehrten wir zum Boot zurück und legten dann um 17:50 Uhr erst einmal mit dem Ziel Leitrim ab. In Leitrim werde ich dann nochmals nach Holgers Birnenwasser sehen.

Um 19.00 Uhr erreichten wir Leitrim. Hier hatten wir mal wieder das übliche Leitrim Problem, denn bis auf einen Platz direkt bei der Brücke, waren alle anderen Anlegemöglichkeiten belegt und der neue Anleger war leider noch nicht fertig gestellt. Hier hätten wir sicherlich einen Platz bekommen, denn der neue Anleger würde einigen Booten eine Anlegemöglichkeit bieten. Aber nächstes Jahr ist dann das Leitrim Problem, einen freien Anleger zu finden, wohl für immer aus der Welt geschafft. Endlich!

Da wir vorhatten, morgen etwas länger zu schlafen, denn das hatten wir uns nun nach dieser Marathonfahrt verdient, wollten wir uns nicht durch den Verkehr auf der Brücke wecken lassen, so kam der einzig freie Platz an der Brücke für uns also nicht in Frage.

An der Brücke war uns zwar ein ABC Boot aufgefallen und wie sich später herausstellte, war das das Boot von Heinz Werner (imiadam) und seiner Familie, die aus seiner Frau Margit, seiner jüngeren Tochter Sabrina und den beiden Enkeln, den Kindern seiner älteren Tochter bestand, die wiederum das Geschäft der Eltern zu Hause hüten musste.
Hätten wir das vorher gewusst, dann hätten wir sicherlich auch den Platz an der Brücke genommen, aber so ganz ohne Shannon-Wimpel an Deck, konnten wir das ja nicht erahnen.

So entschlossen wir uns ganz kurzfristig, doch noch in den SEW einzufahren, denn bis 20:00 Uhr durfte man ja noch schleusen.

 

 

Um 19:20 Uhr hatten wir dann schon die erste Schleuse (Nummer 16 Killarcan) passiert! Zum ersten Mal ließ sich hier kein Schleusenwärter blicken, wahrscheinlich hatten sie nicht mit einem Boot gerechnet, dass noch um 19:00 Uhr schleusen wollte. Tja, da hatten sie die Rechnung ohne uns gemacht.

 

 

 

 

Der Wind frischte ganz schön auf und war bös kalt, ich fror beim Schleusen gewaltig, aber Holger hatte so viel Voraussicht, dass er die Heizung an Bord angemacht hatte. So konnte ich mich zwischen den Schleusen schnell wieder aufwärmen.
Wir kamen um 19:35 Uhr an der Schleuse Nummer 15, Tirmactiernan, an und passierten diese 10 Minuten später. Leider musste ich die Schleuse erst für unsere Richtung fertig machen, bevor Holger einfahren konnte. Das kostete natürlich unnötig Zeit.

 

 

 

 

 

 

Um 20:00 Uhr erreichten wir die Schleuse Nummer 14, Drumduff, hier machten wir dann für die Nacht fest, denn 13 Stunden Fahrtzeit langten wirklich. Mein Gott, wir waren tatsächlich 13 Stunden! unterwegs, das darf man echt keinem erzählen, die halten uns sicherlich alle für wahnsinnig.

 

Holger machte uns gleich etwas zu essen. Spaghetti mit Holgers selbst gemachter Tomatensauce, die wirklich richtig lecker war. Ich lud in der Zwischenzeit die Bilder von der Kamera auf den Laptop. Nachdem ich damit fertig war, machte ich den Film „Der Flug des Phoenix“ an, den wir trotz alledem noch fertig sahen. Um 23:45 Uhr gingen wir dann zu Bett und nachdem ich noch immerhin zwei Seiten gelesen hatte, schlief auch ich ein.

Traurig. Ich hatte vor der letzten Schleuse einen mittelgroßen Hund tot am Rand im Wasser treiben sehen. Der Anblick will mir jetzt nicht mehr aus dem Kopf gehen. Wer diesen armen Kerl wohl vermisst?