23.04.06

Wie weit werden wir wohl heute kommen?

 

Heute hatten wir mal so richtig ausgeschlafen. Nach unserer gestrigen Tour von Naan Island über Knockninny bis nach Keshcarrigan und bei dem dabei herrschenden, scheußlichen Wetter, das aus Dauerregen und starken Windböen bestanden hatte, war das auch mal bitter nötig gewesen. Durch den Dauerregen bei den Schleusungen und natürlich auch durch den starken Wind war ich nachher zwar dank meiner guten Regenbekleidung nicht nass geworden, ich war aber ziemlich durchgefroren und in Keshcarrigan hatte ja dann auch noch die Waschmaschine auf mich gewartet. Also einfach einmal ausschlafen, auch wenn einen morgens um 07:00 Uhr der blaue Himmel versuchte, aus dem schönen, warmen Bett zu locken. So waren wir heute Morgen erst um 09:20 Uhr aufgestanden.
Nach unserer Rückkehr nach Deutschland erhielt ich auch Fotos, die Tina von uns gemacht hatte. Eins zeigt unsere beiden Boote, wie sie nebeneinander bei absoluter Windstille in Keshcarrigan lagen. Dieses Foto hatte sie wohl schon sehr früh gemacht, denn wir waren da sicherlich noch nicht aufgewesen, da unsere Vorhänge noch komplett zugezogen waren.

 

Nachdem wir gefrühstückt und uns im Bad fertig gemacht hatten, brachte Holger noch schnell das Boot auf Vordermann, während ich noch schnell unseren Müll zu dem Abfallplatz, der sich in der Nähe des Servicehäuschen befindet, brachte. Auf dem Rückweg zum Boot sah ich Tina auf ihrem Boot von ABC stehen und fragte sie, ob denn die Waschmaschine schon laufen würde.
„Die Zweite“, antwortete sie mir, „aber für den Trockner hätte sie nicht mehr genug Einheiten auf ihrer Smartkarte übrig. Sie hätte da noch sechs restliche Einheiten drauf und so hätte sie sich zwischen dem Trockner und den Schleusen entscheiden müssen und da ist ihre Wahl dann doch lieber auf die Schleusendurchfahrten gefallen, außerdem könnte sie ihn sowieso nicht benutzen, da er zwar ein Guthaben von über zwei Stunden anzeigen, sich aber nicht starten lassen würde. Willi wäre aber wohl ins Dorf gegangen, um dort eine neue Smartkarte zu kaufen, immerhin wäre Keshcarrigan ja als Verkaufsstelle von Smartkarten aufgeführt.“

Ich prophezeite ihr aber schon, dass Willi wohl unverrichteter Dinge zurückkommen würde, denn vor einer Woche hatte ich in Keshcarrigan ja auch versucht, eine neue Smartkarte zu erwerben und damals wusste man in dem Laden überhaupt nicht, was eine Smartkarte wäre und für welche Schleusen ich sie brauchen würde. So bot ich Tina meine eine Smartkarte mit restlichen vier Einheiten an, die sie dann ja zum Schleusen nehmen könnte, aber sie lehnte dankend ab.
Willi kam aus Keshcarrigan zurück und wie ich es schon Tina gesagt hatte, er hatte ebenfalls keinen Erfolg gehabt. Willi erzählte uns, dass der Ladenbesitzer wohl erst vor einer Woche den Laden übernommen hätte, zwar von den Smartkarten wüsste, aber noch keine Zeit gehabt hätte, sich näher mit den Smartkarten zu befassen. Bevor ich Tina abermals meine restlichen vier Einheiten anbieten konnte, erzählte Willi schon, dass er den Schleusenwärter angerufen und ihm seine Misere erläutert hätte und der Schleusenwärter in zwanzig Minuten vorbeikommen und Smartkarten mitbringen würde. So unterhielten wir drei uns noch eine Weile, um die Wartezeit zu überbrücken.

 

 

Holger hatte mittlerweile das Boot von außen gereinigt und nun war er gerade dabei, unser Trinkwasser aufzufüllen. Unseren extra Wasserbehälter für die Küche füllte er natürlich auch wieder voll. Nachdem Holger mit unserer Trinkwasserauffüllung fertig war, übernahm Willi den Schlauch, um auch beim ABC Boot das Trinkwasser aufzufüllen. Praktischerweise lagen die Boote ja nebeneinander. Dann fuhr auch schon das typisch blaue Auto von Waterway Ireland auf den Parkplatz beim Anleger. Noch bevor der Schleusenwärter aussteigen konnte, machte sich Willi schon auf dem Weg zu ihm. Tina und ich folgten ihm dann in einem kleinen Abstand. Das musste der Schleusenwärter wohl so komisch gefunden haben, dass er zu Willi mit einem Augenzwinkern eine Bemerkung nach dem Motto „Frauen hätten zum Mann zehn Schritte Abstand zu halten“ machte.

 

Tina wollte sich von dem Schleusenwärter gleich die 40 Einheiten Smartkarte geben lassen. Diese hatte er aber leider nicht dabei und so kaufte sie zweimal 20 Einheiten, diese aber leider nicht zu dem günstigen Preis einer 40 Einheiten Karte, sondern zu je € 12,70.
Eine von den beiden 20er Karten bot mir dann gleich Tina an, denn sie brauchte ja auch nicht mehr so viele Einheiten. Die 40er Karte hätten wir ja beide nur gekauft, da sie recht günstig gewesen wäre. So kaufte ich gar nicht erst eine neue Karte bei dem Mann von Waterway Ireland. Natürlich gab ich Tina auch € 12,70 dafür, ansonsten hätte sie ja wirklich ein sehr schlechtes Geschäft gemacht. Wir unterhielten uns noch eine Weile mit dem Mann von Waterway Ireland. Und welches Thema sprach er an? Natürlich die liebe Frau Merkel, unsere Kanzlerin. Er wunderte sich doch etwas über unsere zurückhaltenden Meinungen. Wir versuchten es ihm dann von unserer Sicht aus zu erklären. Unsere Kanzlerin würde zwar viel für die Außenpolitik machen, für die eigenen Leute würde dann aber nicht mehr arg so viel an Aufmerksamkeit übrig bleiben, stattdessen würde überall dran gekürzt werden. Nach dem Thema Merkel unterhielten wir uns dann noch kurz über den irischen Premier. Dann erkundigte er sich noch bei uns, ob alles in Ordnung wäre. Tina zeigte ihm daraufhin den Trockner, an dem wir uns beide mittlerweile probiert hatten, ihn jedoch beide nicht anbekommen hatten. Der Mann von Waterway Ireland schaute sich daraufhin kurz den Trockner an, ging dann nach draußen, kehrte aber nach kurzer Zeit wieder zu uns zurück, um dann einfach den Trockner anzumachen. Tja, sollte das wirklich nach dem Motto „Frauen und Technik“ gewesen sein? Auf unsere Frage, was er denn nun gemacht hätte, hob er seine Hände und antwortete mit einem Grinsen: „Magische Hände“. Wir nahmen es so hin, da Tina so in den einmaligen Genuss von einer Trocknerzeit von über zwei Stunden kam. Damit hatte sie dann sicherlich ihre gesamte Wäsche an dem Tag trocknen können.
Wir kehrten zu den Booten zurück. Holger und ich machten uns schon einmal für die Abfahrt bereit, dass bedeutete, dass wir uns beide unsere Schwimmwesten anzogen. Während Holger den Kapitän Blaubär noch auf seinen Stammplatz setzte, gesellte ich mich noch kurz wieder zu Tina und Willi. Wir hatten den Kapitän Blaubär gestern wegen des schlechten Wetters lieber in den Salon geholt, er wäre ja ansonsten klatschnass geworden. Tina machte währenddessen auch noch ein paar Fotos von uns allen, auch eines, wie Willi und ich lächelnd Holger bei der Befestigung von dem Kapitän Blaubär zusahen.

 

 

 

 

 

 

Nachdem der Kapitän wieder fest auf seinem Platz saß gesellte sich Holger noch einen kleinen Moment zu uns.

 

Mittlerweile zeigte der eben noch so blaue Himmel die ersten Wolken. Tina hatte mittlerweile eine CD von Willis Friseur in Belturbet (er geht wohl nur in Belturbet zum Friseur) eingelegt. Die Musik war ganz nach meinem Geschmack. Wir hörten sie uns eine Weile zusammen an.
Da sich am Himmel nun immer mehr Wolken zeigten, entschlossen wir uns doch dazu, möglichst bald abzulegen, denn immerhin hatten wir noch mindestens acht Schleusen vor uns und noch einmal so eine nasse Schleusenstrecke wie gestern wollte ich eigentlich nicht noch einmal haben. Holger rief noch schnell mit seinem PDA den Wetterbericht ab und zu unserem Schrecken wurde eine Windstärke von 5 bis 7 vorhergesagt, also Sturm. Wir nahmen uns die Karte vor, um zu sehen, welcher Anleger sich bei diesem Wind für eine Übernachtung eignen würde. Unser eigentliches Ziel wäre heute Kilglass gewesen, aber nachdem Tina ihre Daten überprüft hatte, sie notierte sich von jedem Anleger, den sie ansteuerten, die genaue Liegeposition, stellten wir fest, dass uns der Wind hier voll treffen würde. So entschlossen wir uns doch recht schnell um und nahmen Dromod in die engere Wahl, falls wir es heute bis dahin schaffen sollten.
Da wir heute ja nun noch eine größere Strecke vor uns hatten, verabschiedeten wir uns dann bald von den beiden und kehrten auf die Daisy zurück. Holger startete den Motor und Willi machte die Tampen am Steg los. Dann starteten wir um 11:20 Uhr in den heutigen Tag. Während Holger langsam in den Lough Scur einfuhr, ordnete ich sowohl am Bug als auch am Heck schon einmal die Tampen, da die nächste Schleuse ja nicht weit entfernt war.

 

 

 

 

 

Schon bald nach unserer Abfahrt von Keshcarrigan erreichten wir das Markierungssystem des Shannonbereichs, das wieder aus schwarzen und roten Markern besteht. Auf einer roten Tonne hatte sich eine Möwe niedergelassen, die ich sogar fotografieren konnte, ohne dass sie wegflog. Man musste ja nun auch mal Glück haben. Jetzt verließen wir den breiten Abschnitt des Lough Scur und sahen alte Überreste von Bäumen aus dem Wasser ragen. In diesem Lichtschein sahen sie jedoch richtig toll aus.

 

 

Wir näherten uns Rock Cutting. Dies ist ein Teil des Shannon-Erne-Waterways, der den Lough Scur mit dem Drumaleague Lough verbindet und der aus dem Felsen herausgehauen wurde. Dieses Kanalstück ist nicht gerade sehr breit und dadurch, das links und rechts von einem die Felsen hochragen, kommt einem der Kanal noch schmaler vor. Auf jeden Fall hoffte man immer, dass einem kein Boot entgegenkommen würde. Bisher hatten wir auch immer Glück gehabt. Nun kamen wir zu der Einfahrt in den Rock Cutting. Holger drosselte die Geschwindigkeit, damit wir ohne Probleme die Brücke durchfahren konnten. Auf den nachfolgenden Bildern kann man die Enge erahnen.

 

 

Nun fuhren wir in den Rock Cutting ein und da die Sonne direkt auf die Felswand schien, vielen mir das erste Mal die verschiedenen Farbtöne des Felsen auf. Man entdeckte doch immer etwas Neues.

 

Schon näherten wir uns der nächsten Brücke, die auch gleichzeitig die Ausfahrt aus Rock Cutting ist. Gerade noch dachte ich, dass wir wieder Glück gehabt hatten, dass uns kein anderes Boot entgegen gekommen war, als Holger auf einmal das Boot abrupt abbremste. Schon sah ich hektisch nach vorne, sah aber kein anderes Boot. Bevor ich Holger aber fragen konnte, weshalb er nun so abrupt das Boot abgebremst hatte, sah ich auf der anderen Seite der Brücke eine Angelschnur, die quer über den Kanal führte. Holger fuhr die Daisy jetzt so langsam wie möglich und hinter der Brücke konnten wir einen hektischen Angler sehen, der so schnell wie möglich seine Schnur einholte. Die hätten wir mit der Daisy voll erwischt und sicherlich wäre die Schnur dann mitsamt dem Angelhaken auch abgerissen. Der Angler schaffte es jedoch, seine Schnur einzuholen, bevor wir ihn erreichten und er bedankte sich ganz herzlich bei uns. Nun befanden wir uns im Drumaleague Lough. Auch hier ragten wieder tote Bäume ihre Äste aus dem Wasser.

Der Drumaleague Lough ist lange nicht so groß wie der Lough Scur und so hatten wir ihn auch schnell hinter uns gelassen. Nun kam die erste von den letzten acht Schleusen des Shannon-Erne-Waterways in Sicht. Wir wollten es kaum glauben, aber die Ampel zeigte uns tatsächlich ein grünes Licht, so dass Holger gleich in die Schleuse einfahren konnte. So fuhren wir in die Schleuse Nummer 9, Kilclare Upper Lock, ein und Holger ließ mich dann direkt in der Schleuse von Bord. Die nächsten drei Schleusen würde ich auch nicht mehr an Bord gehen, da die Schleusen sehr dicht hintereinander liegen und mit einem sehr guten Fußweg verbunden sind.

 

Von der Schleuse Nummer 9, Kilclare Upper Lock, konnte man schon die Ampel der nächsten Schleuse sehen und die zeigte doch tatsächlich auch ein grünes Licht. Sollten wir bei dieser Kanaldurchfahrt wirklich mehr Glück haben? Bei der Schleusung bemerkten wir das Hochwasser, das immer noch herrschte. Mittlerweile war es sicherlich nicht mehr so schlimm, wie noch vor wenigen Wochen, aber der Schleusenvorgang dauerte diesmal doch recht lange, da trotz geschlossener Schleusentore von hinten ganz gewaltig das Wasser weiter in die Schleuse floss. Ich habe mal versucht, das in einem Foto festzuhalten, damit man sich das besser vorstellen kann.
Nachdem ich für Holger die Schleusentore endlich öffnen konnte, fuhr er aus der Schleuse aus und machte sich auf dem Wasserweg zur nächsten Schleuse, während ich ihm zu Fuß auf dem Weg zwischen den Schleusen folgte.

 

Natürlich erreichte er die Schleuse Nummer 10, Kilclare Middle als erster von uns beiden, aber ich folgte ihm nicht allzu spät hinterher.
 

 

Auch diesmal konnte man schon von der einen Schleuse aus die Ampel der nächsten Schleuse sehen. Diese zeigte diesmal allerdings ein rotes Licht. So machte ich hier nur schnell für Holger die Schleusentore zu und öffnete dann die Schütze, damit das Wasser heraus fließen konnte. Dann ging ich zur dritten Kilclare Schleuse. Schleuse Nummer 11, Kilclare Upper. Dort schloss ich die Schleusentore und die Schütze, damit das Wasser wieder in die Schleuse einlaufen konnte. Danach ging ich ganz schnell wieder zur Schleuse Nummer 10 zurück. Hier war mittlerweile das Wasser herausgelaufen und Holger wartete in der Daisy darauf, dass ich ihm die Schleusentore öffnete, damit er endlich ausfahren konnte. Leider schleusten wir diesmal nach unten, so dass sich Holger, nicht so wie auf dem Hinweg, die Schleusentore nicht alleine öffnen konnte. So musste er leider auf mich warten. Nachdem ich Holger hier die Schleusentore geöffnet hatte, machte er sich ganz langsam auf zur nächsten Schleuse, denn dort musste ich Holger ja auch erst wieder die Schleusentore öffnen. Ich lief also wieder zur Schleuse Nummer 11 zurück. Diese war nun voller Wasser und so konnte ich auch hier die Tore für Holger öffnen, so dass er dann gleich mit der Daisy einfahren konnte. Was für ein Stress für mich. Zum Glück regnete es nicht, denn, obwohl sich immer mehr Wolken am Himmel zeigten, war bisher noch kein Tröpfchen vom Himmel gefallen. Zum Dank für mein Hin- und Herlaufen hatte Holger mir doch tatsächlich in der Zwischenzeit einen frischen Pfefferminztee gekocht, als er in der Schleuse Nummer 10 auf mich gewartet hatte. Diesen genoss ich dann so richtig, während ich bei der Schleuse Nummer 11 das Kontrollpult bediente.

 

Während ich Holger schleuste, näherte sich von der anderen Seite ein kleines Boot von ESL, das am hinteren Teil des Anlegers vor der Schleuse festmachte, da es ja auf uns warten musste. Mittlerweile war aus der Schleuse das Wasser herausgelaufen, auch wieder langsamer als gewöhnlich, da auch hier wieder das Wasser von der anderen Seite nachströmte. Als ich für Holger die Schleusentore öffnete, bemerkte ich, dass die beiden Männer des ESL Bootes ihr Boot nach vorne ziehen wollten, um uns für die Übergabe Platz zu machen. Ich rief ihnen zu, dass sie so liegen bleiben könnten, da Holger mich ja wie immer am Bug übernehmen würde und dafür bräuchten wir nur einen minimalen Platz. Um 12:30 Uhr war ich wieder zurück an Bord der Daisy. Viel Zeit zum Verschnaufen hatte ich jedoch nicht, da in diesem Teil des Shannon-Erne-Waterways die Schleusen Schlag auf Schlag kamen. Schon bald lag die Schleuse Nummer 12, Lisconor, vor uns. Wieder zeigte die Ampel ein grünes Licht und so konnten wir gleich in die Schleuse einfahren. Ich ging von Bord und zum Kontrollpult hinüber.

 

Schon beim Schließen der Schleusentore fiel mir auf, dass wir hier noch mehr mit dem Hochwasser zu kämpfen haben würden, denn die Schleusentore verschwanden unter der Wasseroberfläche. Das konnte ja was werden. Ich öffnete die Schütze auf der anderen Seite, um das Wasser herauszulassen, aber irgendwie geschah nicht wirklich etwas. Man sah zwar das Wasser heraus fließen, im Gegenzug floss aber auf der anderen Seite sehr viel Wasser nach. Nur ganz langsam senkte sich der Wasserspiegel in der Schleuse. Uns kam es wie eine Ewigkeit vor. Wir hatten zwischenzeitlich schon den Verdacht, dass wir es gar nicht mehr schaffen würden, aus dieser Schleuse herauszukommen. Sowohl Holger und als auch ich machten gleichzeitig Bilder von den hinteren Schleusentoren. So konnten wir ganz gut dokumentieren, wie das Wasser über sie rüberschwappte und wie ein Wasserfall in die Schleuse fiel.

 


Bild 1


Bild 3


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Bild 2


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Obwohl es uns wirklich wie eine Ewigkeit vorgekommen war, ließen wir die Schleuse Nummer 12 um 12:45 Uhr hinter uns. So konnte man sich in der Zeit täuschen.
Nach nur einer kleinen Kanalfahrt kam auch schon die Schleuse Nummer 13, Newbrook, in Sicht. Auch hier hatten wir wieder das Glück, dass wir gleich einfahren konnten. Dieses Glück hatten wir uns ja eigentlich auch schon für die Hinfahrt gewünscht, aber leider hatten wir da nur vereinzelt ein grünes Lichtzeichen gesehen.
Ich ging wie immer in der Schleuse von Bord, um dann den Schleusenvorgang vom Kontrollpult aus zu starten.

 

Um 12:55 Uhr verließen wir die Schleuse Nummer 13. Nun lagen noch drei weitere Schleusen vor uns, bevor wir den Shannon-Erne-Waterway verlassen konnten. Auch die Schleuse Nummer 14, Drumduff, kam schon bald in Sicht. Hier hatten wir wieder eine grüne Ampel und nachdem Holger in die Schleuse eingefahren war, wiederholte sich mein Ablauf, wie schon bei den Schleusen davor. Von Bord gehen, am Kontrollpult die Schleusentore schließen und die Schütze öffnen und nachdem das Wasser herausgelaufen war, die Schleusentore öffnen, dann zum Anleger gehen und über das Bug wieder zurück an Bord gehen. Holger filmte diesmal den ganzen Schleusenvorgang.

Die Schleuse Nummer 14 hatten wir um 13:10 Uhr hinter uns gebracht. Wir fuhren wieder ganz langsam den Kanal lang. Das Wasser war spiegelglatt und so ging ich zum Bug, um die Kanalfahrt ein wenig zu filmen. Leider kann ich keine Filme in ein Textdokument kopieren, aber ich habe mal ein paar Bilder aus dem Film mittels eines Screenshots extrahiert. So kann man sich wenigstens ein wenig vorstellen, wie schön und beruhigend der Film geworden ist.

 

 

Kurz vor der Brücke Nummer 3 sah ich etwas auf der linken Uferseite im Wasser treiben. Meine Befürchtungen bewahrheiteten sich ziemlich schnell. Mit einem kurzen Blick konnte ich feststellen, dass es sich um den toten Hund handelte, den ich schon auf der Hinfahrt bei der Schleuse Nummer 14 im Wasser treibend gesehen hatte.
Er trieb leider immer noch im Wasser und ich war echt froh, dass ich nur einen kurzen Blick auf ihn geworfen hatte. Ich nahm mir vor, dass ich ihn bei der letzten Schleuse beim Schleusenwärter melden werde. Vielleicht können die Schleusenwärter ja jemanden Bescheid sagen, der dann dieses arme Tier aus dem Wasser holen kann.
Kurz nach der Brücke Nummer 3 kam schon die Schleuse Nummer 15, Tirmactiernan. Auch in diese konnten wir gleich einfahren. Holger ließ mich in der Schleuse von Bord und ich ging dann zum Kontrollpult, um die Daisy mitsamt Holger zu schleusen.

         

                   

 

Um 13:20 Uhr verließen wir die Schleuse Nummer 15 und nun lag nur noch eine Schleuse vor uns, die auch sehr schnell in Sicht kam. Auf dem kurzen Weg zur Schleuse konnten wir auch wieder „Holgers Berg“, den Sheemore, in aller Schönheit sehen. Dieser Berg hatte es Holger wirklich angetan. Und wie es schon ein Teil des Namens sagte, Holger möchte von mir immer, dass ich „more“ Fotos von dem Berg mache.

Sheemore und Sheebeg
Sheemore und Sheebeg sind verzauberte Orte. Ihre Namen sind in der Geschichte, der Folklore und den Märchen sagenumwoben. Der Name Sheemore bedeutet die große Behausung von den Sidhe – dem Feenfolk, während Sheebeg die kleine Behausung von den Sidhe ist.
Eine alte Fabel erzählt von dem Konflikt zwischen den Feenköniginnen von Sheemore und Sheebeg, noch bevor Menschen den Boden Irland betreten haben. Der Konflikt wuchs und die zwei Stämme führten Krieg und eine große Schlacht folgte. Die „kleinen Leute“ von Sheebeg waren siegreich und der Frieden wurde zwischen ihnen für alle Zeit ausgerufen.

Turlough O’Carolan, der berühmte Harfenspieler, hörte diese Geschichte von seinem Freund Georg Reynolds von Letterfine House in Keshcarrigan und schrieb seine erste Komposition, die auf dieser Geschichte basierte.  Der große Steinhaufen auf dem Sheemore ist ein prähistorisches Grab, datiert 3000 vor Christus, während das nebenstehende Kreuz 1950 zum Gedenken an das Heilige Jahr errichtet wurde. Auf dem Gipfel sind die Reste von zwei anderen Steinhaufen.
Sheebeg, näher an Keshcarrigan gelegen, hat ebenfalls einen Steinhaufen auf seinem Gipfel, welcher vermutlich ein weiteres Grabmal ist. Die Folklore besagt, dass das das Grab von Irlands legendären Helden Fionn MacCumhaill (Finn McCool) sein soll, Anführer einer Elitegruppe von Kriegern, bekannt als die Fianna.
Ein landschaftlich schöner Weg, O’Carolan Walk, bringt einen von dem Städtchen zum Sheebeg.

Zitat aus: Leitrim, A Guide to it’s Beauty, Activities & History; supported by ADM/CPA; aus dem Englischen frei übersetzt von Inga

Nun erreichten wir auch die letzte Schleuse des Shannon-Erne-Waterways. Zur Abwechslung zeigte uns die Ampel der Schleuse Nummer 16, Killarcan, ein rotes Licht. So legten wir am Anleger vor der Schleuse an und machten die Daisy fest. Dann ging ich zum Kontrollpult, um die Schleuse für unsere Richtung fertig zu machen. Während sie sich mit Wasser füllte, ging ich zum Schleusenwärterhäuschen. Hier hielten sich gerade zwei Schleusenwärter auf. Der eine von ihnen erkannte mich gleich wieder. Er hatte uns schon im letzten Jahr gesehen und er begrüßte mich wirklich sehr herzlich. Ich erzählte den beiden von dem toten Hund an der Brücke Nummer 3 und von dem schrecklichen Anblick, gerade wenn Kinder den toten Hund im Wasser treibend sehen würden.
Sie versprachen mir, sich darum zu kümmern, obwohl der ältere von den beiden meinte, dass sich die Brücke Nummer 3 doch am anderen Ende des Shannon-Erne-Waterways befinden würde. Der jüngere Schleusenwärter korrigierte ihn aber dann ganz schnell und meinte, dass die Brücken andersherum gezählt werden würden als die Schleusen und dass sich die Brücke Nummer 3 ganz in der Nähe befinden würde. Danach unterhielten wir uns noch eine ganze Weile und ich antwortete ihnen auf etliche Fragen, die sie mir stellten. Ich erzählte ihnen unter anderem davon, dass es mittlerweile unsere fünfte Tour mit dem Boot wäre, dass nur Holger arbeiten würde, da ich Rheuma hätte und dass ich ohne mein Morphium wohl nicht mehr in Irland Urlaub machen könnte und und und. Man merkte, dass es die beiden Schleusenwärter genossen, sich mit mir zu unterhalten und so dauerte mein Aufenthalt vor dem Schleusenwärterhäuschen doch etwas länger als geplant. Irgendwann bemerkte ich im Augenwinkel Holger, der sich nun auch auf den Weg zur Schleuse machen wollte. Ich verabschiedete mich dann noch schnell von den beiden, bevor ich mich wieder auf den Weg zum Kontrollpult machte, um für Holger die Schleusentore aufzumachen.

 

 

 

Um 13:45 Uhr hatten wir dann auch die letzte der 16 Shannon-Erne-Waterway Schleusen geschafft. Auf dem Weg zu dem Anleger von Leitrim fiel uns die Großbaustelle am rechten Ufer auf. Hier wird demnächst wohl ein großer Häuserkomplex mit eigenem Anleger fertig werden.
Seit ein paar Jahren entstehen ja im ganzen Shannongebiet solche Häuserkomplexe mit Privathafen und das auch recht schnell. Wir können von Jahr zu Jahr immer wieder die Veränderungen feststellen. Um 13:55 Uhr legten wir zwischen einem großem ESL Boot und einem irischen Privatboot an dem Anleger von Leitrim an. Dies war mal wieder der letzte Platz gewesen.

 

 

Der Anleger von Leitrim ist ja immer gut besucht und meist musste man hier wirklich Glück haben, um noch einen Liegeplatz zu bekommen. Aber auch hier wurde gerade Abhilfe geschaffen.
Es entsteht nämlich nicht nur der Gebäudekomplex mit eigener Marina, sondern auch ein neuer schwimmender Anleger gleich neben dem alten Anleger am Servicehäuschen. Dieser wird dann um einige mehr Liegeplätze verfügen und hoffentlich ist dann das Nadelöhr von Leitrim endlich Geschichte. Wir lagen hier ja auch schon im Päckchen oder mussten weiterfahren, da der Anleger schon wieder wegen Überfüllung geschlossen war. Holger und ich machten uns landfein, denn wir wollten noch schnell in dem Geschäft Mace bei der Tankstelle Kleinigkeiten einkaufen. Der Markt hat gerade im Lebensmittelbereich eine super Auswahl und wir steuern ihn eigentlich jedes Mal an.

 

Leitrim
Leitrim ist ein Dorf in der Gemeinde Kiltoghart, in der Barony und Grafschaft von Leitrim und er Provinz von Connaught. Es liegt drei Meilen von Carrick-on-Shannon entfernt, an dem östlichen Ufer des Flusses Shannon. Das Dorf besteht aus 50 Häusern und es hat 274 Einwohner.

 

 

Es ist festgeschrieben, dass St. Mac Liegus, der Sohn von Cernac, der Bischof von Lietdrumai bzw. Liathdromen gewesen war. Beides sind alte Namen dieses Ortes. In alten Zeiten existierte hier ein Castle. Von diesem Castle aus soll Dervorghal, die Frau von Tiernan O’Rourk, dem Prinzen von Breffny, mit Dermot MacMurrough, dem König von Leinster, durchgebrannt sein. Tiernan O’Rourk überredete O’Connor, den König von Connaught, dazu, das Unrecht zu sühnen. So vertrieb O’Connor Dermot von seinem Thron.
Dermot wiederum wendete sich an Henry II. von England und dieser Zwischenfall verursachte so die Eroberung von Irland. Einige behaupten auch, dass Dervorghal vom Castle von Dromahaire mit Dermot durchgebrannt war. Es gibt einige Reste von alten Gebäuden, die ein Teil des Castles gewesen sein könnten. Messen werden hier an folgenden Tagen abgehalten: 22. Januar, 21 Februar, 25. März, 5. Mai, 16. Juni, 23. Juli, 1. September, 13. Oktober und 1. Dezember.
Leitrim war früher ein Ort von großer Bedeutung und so gab der Ort der Grafschaft den Namen.

Zitat aus: http://www.libraryireland.com/topog/l.php ; frei aus dem Englischen übersetzt von Inga

 

Zur Info: Dermot MacMurrough
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dermot MacMurrough, auch Diarmait Mac Murchada, Dermod von Leinster oder Dermod na nGall, (* 1110; † 1171) war Kleinkönig von Leinster in Irland.
Er versuchte vergeblich, Hochkönig von Irland zu werden, wurde aber 1166 von Rury O'Connor, High King of Ireland, dessen Tochter er entführt hatte, geschlagen und musste nach England fliehen. Mit Unterstützung König Heinrichs II. und des Earl of Pembroke (Richard Fitz Gilbert, genannt "Strongbow"), der sein Schwiegersohn wurde, konnte er 1167 zurückkehren und wurde von den Normannen 1169 wieder in sein Königtum eingesetzt.
Er starb 1171. Da er keinen männlichen Erben hatte, wurde Strongbow sein Nachfolger als König von Leinster. Damit begann die Fremdherrschaft Irlands.

Zitat aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Dermot_MacMurrough

 

Zur Info: Geschichte Irlands
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Die Anglo-Normannen

Die anglo-normannische Invasion Irlands war das Ergebnis des Streites zweier irischer Kleinkönige, Dermot MacMurrough und Tiernan O'Rourke um O'Rourkes Frau. Der militärisch unterlegene MacMurrough floh nach England und weiter nach Frankreich, um Henry II., den Herrscher über England und Teile Frankreichs, zur Eroberung Irlands zu bewegen.
Mit einem Unterstützungsschreiben von Henry II. konnte MacMurrough in Wales Normannen und Flamen zum Kriegszug bewegen. Der Führer der Anglo-Normannen, Richard Fitz Gilbert, Strongbow genannt (1130-1176), errang dank überlegener Militärtechnik (Walisische Langbögen, Reiterei, Kettenrüstungen) sowie irischer und wikingerischer Uneinigkeit einen relativ leichten ersten Sieg, der weitere Anglo-Normannen nach Irland lockte. Nach entscheidenden Siegen im Jahr 1169 erklärte sich Henry II. 1171 zum König von Irland und verteilte Ländereien als Lehen an anglo-normannische Barone. Diese befanden sich überwiegend im Osten der Insel.
Die Barone sicherten ihren Besitz durch auch heute noch weithin sichtbare Burgen, und begannen, weitere Teile Irlands in Besitz zu nehmen.
Die geringe Anzahl der Eroberer, auch aufgrund anglo-normannischer Interessen anderswo (Schottland, Frankreich), machten eine normannisch-irische Zusammenarbeit erforderlich. Die Anglo-Normannen beschränkten sich daher auf die Absetzung der irischen Fürsten, und versuchten, eine Akzeptanz durch die irische Bevölkerung (d.h. Iren und Wikinger) in den besetzten Gebieten zu erreichen. Die folgenden Jahrzehnte sahen die Konsolidierung anglo-normannischer Vorherrschaft, mit der die erste zentrale Verwaltung Irlands (insbesondere unter König Johann Ohneland (John Lackland), 1199-1216) und die Gründung vieler Städte einherging.

Viele der bedeutenden Kathedralen Irlands stammen ebenfalls aus dieser Zeit.
Nur im Südwesten und Nordwesten behielten irische Fürsten die Kontrolle über einige entlegene Fürstentümer. Mit Ende des 13. Jahrhunderts konnten diese zusammen mit den Wikingern die anglo-normannische Schwäche, bedingt durch mangelnde Unterstützung aus England, ausnutzen. Es entstand erstmals eine einheitliche irische Bewegung, die auch einige militärische Erfolge verbuchen konnte (1261 bei Callan, 1270 bei Carick-on-Shannon).
Die frühen Ansätze eines englischen Parlamentarismus strahlten auch auf Irland aus. Dort wurde 1297 das erste irische Parlament eingerichtet. Im Verlauf des 14. Jahrhunderts kam es in Irland mehrfach zu Erhebungen gegen die englische Oberhoheit, die vor allem in Connacht aufflammten. Während des Hundertjährigen Kriegs konzentrierte sich das Königreich England auf den französischen Kriegsschauplatz und vernachlässigte dabei die Durchsetzung seiner Herrschaft in Irland. Die darauf folgenden Rosenkriege schwächten die Bedeutung der irischen Insel in der englischen Politik noch stärker. Erst als die dynastischen Konflikte durch das Haus Tudor beigelegt wurden, widmete sich die englische Krone verstärkt dem irischen Teil seiner Machtsphäre. Das unter dem englischen König Heinrich VII. im Jahre 1494 geschaffene Poyning's Law machte die Beschlüsse des irischen Parlaments von der Zustimmung des englischen Königs abhängig. Zu dieser Zeit übte England die direkte Herrschaft faktisch nur über den Pale aus, einen Landstreifen im Osten Irlands.

Zitat aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_Irlands#Die_Anglo-Normannen

 

Nach unserem Einkauf kehrten wir gleich zum Boot zurück. Am Servicehäuschen beim Anleger sahen wir beim Vorbeigehen das typische Auto der Schleusenwärter stehen. Ob die Leute von Waterway Ireland auch andere Autos fahren, weiß ich nicht, wir hatten sie bisher nur mit solch einem blauen Auto gesehen. Nachdem wir wieder an Bord der Daisy waren, bemerkten wir ein irisches Privatboot, dessen Skipper gerade einen freien Platz am Anleger suchte, aber dieser war ja schon wieder voll belegt. Holger signalisierte ihm, dass wir gleich losfahren würden und er dann in unsere Lücke fahren könnte.

Die Frau an Bord des irischen Privatbootes bedankte sich für den Hinweis und so fuhr der Skipper das Boot erst einmal auf eine Warteposition, so dass er uns beim Ablegen nicht störte. Ich machte die Leinen los, während Holger schon einmal den Motor startete. Nachdem wir um 14:20 Uhr von unserem Liegeplatz abgelegt hatten, war auch schon das irische Privatboot in unsere noch warme Lücke eingefahren und hatte festgemacht. So schnell geht das in Leitrim.
 

Nachdem wir gerade die neue Marina auf der anderen Seite der Brücke von Leitrim passiert hatten, sahen wir am Ufer mal zur Abwechslung keine Kühe sondern Pferde stehen. Irland soll zwar das Land der Pferde sein, aber irgendwie sehen wir meistens nur Kühe und Schafe am Ufer stehen und nur im allerseltensten Fall mal ein Pferd oder einen Esel.

 

Jetzt lag die Hartley Bridge vor uns, die wir dann auch bald passierten. Mit dem Wetter hatten wir bis jetzt richtig Glück gehabt und auch der Wind hielt sich in Grenzen. Von dem angekündigten Sturm bemerkten wir noch nichts. Gleich hinter der Hartley Bridge hatte ein ESL Boot sich einen etwas außergewöhnlichen Liegeplatz ausgesucht. Der Skipper hatte das Boot einfach an dem zweiten schwarzen Marker nach der Brücke festgemacht. Ein wirklich auffallender Liegeplatz, gerade auch, weil das Boot einfach so treiben konnte und so auch in die Fahrrinne geraten konnte. Kopfschüttelnd fuhr Holger daran vorbei.

 

Nun lag eine Wasserkreuzung vor uns. Wir hatten diese 2001 bei unserem ersten Bootsurlaub in Irland die „Drei-Tage-Kreuzung“ genannt, da wir diese an jeweils drei aufeinanderfolgenden Tagen immer passiert hatten. Diesen Namen hat diese Kreuzung bis heute behalten. Wenn wir uns hier rechts halten würden, würden wir in den Lough Key und nach Boyle kommen. Wir entschieden uns aber, geradeaus in Richtung Carrick-on-Shannon weiterzufahren, da wir ja heute noch Dromod erreichen wollten.
Am linken Ufer sah ich plötzlich ein Stückchen eines Anlegers oder Angelsteges, der im Wasser zu schweben schien. Ein toller Anblick, den ich auch gut auf einem Foto festhalten konnte.

Uns fiel plötzlich ein Boot von CarrickCraft auf, das gerade ansetzte, einen schwarzen Marker bei der „Drei-Tage-Kreuzung“ auf der falschen Seite mit schneller Fahrt zu passieren. Mit gezückter Kamera verfolgten wir den Vorgang. Man wollte ja nichts verpassen. Es ging aber alles gut. Wie konnte man aber nur so leichtsinnig sein. Gerade bei diesem Hochwasser konnte man die flachen Bereiche in Ufernähe gar nicht mehr erkennen und wie leicht konnte man dann auf einen solchen Bereich auffahren. Gar nicht vorstellen möchte ich mir, was dann mit dem jungen Mann passiert wäre, der da so locker leicht mit den Händen in den Hosentaschen auf dem Oberdeck gestanden hatte. Der wäre sicherlich bei einer Kollision böse gestürzt oder ins Wasser gefallen.

 

 

 

obwohl der Shannon auf der anderen Seite der Tonne sehr breit war und schon der normale Menschenverstand hätte gemeint, dass der breitere Bereich der Durchfahrtsbereich wäre. Schon bei der Hinfahrt hatten wir lieber zweimal auf die Karte gesehen und auch diesmal irritierte diese schmale Durchfahrt Holger wieder ein wenig.

Kurz nach der „Drei-Tage-Kreuzung“ kamen wir dann auch wieder an der roten Tonne vorbei, die uns schon auf der Hinfahrt komplett verwirrt hatte. Hier hatte man nur einen sehr schmalen Durchfahrtsbereich gleich neben dem Ufer,

 

Wir passierten diese Engstelle ohne Probleme und fuhren weiter in Richtung Carrick-on-Shannon. Nun passierten wir auf unserer linken Seite erst eine Barge, die in einem kleinen Stichkanal am linken Ufer festgemacht hatte, um hier wohl eine Pause zu machen, denn der Skipper saß am Heck und beobachtete die vorbeifahrenden Boote und danach kamen wir an der Pumping Station vorbei.

Dann kamen auch schon die ersten Häuser von Carrick-on-Shannon in Sicht. Das erste Mal fiel uns auf der linken Seite kurz vor Carrick-on-Shannon ein kleiner Hafen auf. Dabei handelt es sich wohl um einen Privathafen. Wir waren an diesem Bereich nun schon etliche Male vorbeigefahren und hatten dennoch diesen Hafen noch nie entdeckt. Vermutlich lag er sonst hinter grünen Bäumen verborgen. Es war also auch mal ganz gut, zu einer anderen Jahreszeit unterwegs zu sein.
Man hatte doch eine andere Sichtweise und entdeckte so auch Dinge, die man sonst nie bemerken würde.

Um 15:15 Uhr passierten wir Carrick-on-Shannon. Bei Carrick-on-Shannon kam uns das Ausflugsboot des Ortes entgegen. Ich hatte es bisher nur wenige Male beim Fahren gesehen, meist hatte es vertäut an seinem Liegeplatz am Ufer gelegen.
Nach einer kurzen Weiterfahrt auf dem Shannon passierten wir die Stelle, an der auf unserer Hinfahrt das CarrickCraft Boot scheinbar eine Abkürzung nehmen wollte und dabei aufgelaufen war. Der Skipper konnte das Boot ja zum Glück selbst wieder befreien. Kurz bevor wir in den Jamestown Kanal einfuhren, bemerkten wir einen Schwan, der sich im Schilfbereich versteckte. Man musste wirklich schon genau hinsehen, um ihn zu entdecken.

 

Nun fuhren wir in den Jamestown Kanal ein. Zwei Boote sahen wir während unserer Fahrt durch den Jamestown Kanal. Das erste Boot gleich zum Anfang war ein irisches Privatboot, dessen Besatzung es bei dem Anleger an der ersten Brücke festgemacht hatte, um hier Mittag zu machen. Sie hatten sich wirklich einen schönen Platz ausgesucht. Wir hatten hier 2001 auch während der Mittagszeit gelegen, nur befanden sich damals noch ein paar Kühe auf der Weide, auch wenn man sie auf dem rechten Foto nicht sieht und die Bank gab es damals auch noch nicht. Auch lagen wir 2001 nicht alleine am Anleger, mit uns lag noch eine Barge hier, die als Besatzung einen Mann mit seinem Hund hatte. Aber zurück zu unserer diesjährigen Tour.

Der Kanal zeigte sich wieder in seiner ganzen Schönheit. Auch hier blühte der Ginster am Ufer. Wir kamen an einem Marker vorbei, der wirklich „kunstvoll“ befestigt worden war. Das zweite Boot kam uns kurz vor der Schleuse entgegen, zu unserem Glück, denn das Boot hatte für uns die Schleuse in unsere Richtung geöffnet, so dass wir hier gleich einfahren konnten. Die junge Schleusenwärterin ließ sich beim Lesen ihrer Zeitschrift nicht stören und so legten wir selbst die Tampen um die Poller. Wir hatten ja nun nach den ganzen Schleusen des Shannon-Erne-Waterways sehr große Übung darin.

 

Nach einer ganzen Weile blickte die Schleusenwärterin kurz von ihrer Zeitschrift auf und machte immerhin die Schleusentore hinter uns zu, öffnete die Schütze, um das Wasser heraus zu lassen und stand dann auch tatsächlich auf, um die Schleusengebühr von uns abzuholen. Dann kehrte sie wieder in ihr Häuschen zurück und widmete sich wieder ihrer Zeitschrift. Nach einer kurzen Weile befanden wir uns mit der Daisy unten, aber die Schleusentore öffneten sich nicht. Ich nutzte die Zeit und sah mir die Schleuse etwas näher an. Auch hier entdeckte ich wieder Pflanzen, die ihren Platz in der Schleusenmauer gefunden hatten.
 

Wir warteten jetzt schon eine ganze Weile, aber die Schleusentore öffneten sich immer noch nicht. Ich wagte einen Blick nach oben, aber ich konnte die Schleusenwärterin nicht sehen. Holger sah sie dann in ihrem Häuschen sitzen und ihre Zeitung lesen.

Endlich schien sie nun auch zu merken, dass wir schon eine ganze Zeit lang auf das Öffnen der Schleusentore warteten. Sie öffnete sie endlich, ließ dabei aber irgendwie die Pumpen weiterlaufen, so dass Wasser vom Jamestown Kanal immer noch in die Schleuse reingedrückt wurde, so sah es jedenfalls aus. Holger machte sie darauf aufmerksam, aber sie sah nur kurz zu der Stelle und das war’s. Wir jedenfalls waren endlich mit dem Schleusen fertig und fuhren um 16:30 Uhr aus der Albert Schleuse aus.
Da es nun noch nicht so arg spät war, entschieden wir uns, nicht nach Dromod zu fahren, sondern uns einen Liegeplatz in Roosky zu suchen, falls wir hier die Schleuse nicht mehr schaffen sollten. Nach der Ausfahrt aus der Albert Schleuse lag nun ein Gebiet vor uns, das von vielen kleinen und größeren Seen bestimmt wird. Vier davon werden wir alleine auf der relativ kurzen Strecke nach Roosky durchfahren. Den ersten, der Lough Nanoge, erkennen viele sicherlich nicht als einen See, denn er ist sehr klein und man durchfährt ihn doch recht schnell. Wir durchfuhren ihn bei fast keinem Wind und so lag er fast spiegelglatt vor uns.

Dies war kein Vergleich zu unserer Hinfahrt, denn da hatten wir gerade zwischen Roosky und dem Jamestown Kanal arg mit dem Wind und Wellen zu kämpfen gehabt, die uns da zum Glück von Vorne getroffen hatten. Diesmal genossen wir die Fahrt über die einzelnen Seen. Der Lough Nanoge wird von dem nächsten See, dem Lough Tap, durch die Lough Tap Eisenbahnbrücke getrennt, die wir nun auch schon sahen und auch bald darauf passierten. Jetzt befanden wir uns im Lough Tap, der nahtlos in den Lough Boderg überging.
 Nur durch eine Überlandleitung konnte man erkennen, dass man sich nun in einem anderen See befand. Der Lough Boderg ist einer der größeren Seen dieses Seengebietes und wie eben schon erwähnt, kann er recht windanfällig sein. Diesmal lag er aber nahezu spiegelglatt vor uns. Der Spiegel wurde nur unterbrochen, wenn eines von diesen kleinen schnellen Booten an uns vorbeipeste, die sich einen Spaß daraus machten, so schnell an den Mietbooten vorbeizufahren, dass sie diese zum Schaukeln brachten. Das ist ein äußerst „nettes“ Hobby dieser Bootsführer.

Am Ufer des Lough Boderg entdeckte ich eine alte Steinmauer. Was das wohl mal gewesen sein mochte?

Nun kamen wir an die Stelle, wo der Lough Boderg in den Lough Bofin übergeht. Diese Stelle kann man gut erkennen, da sie durch ein Schild, das die Geschwindigkeit auf 5 km/h begrenzt, gekennzeichnet ist. Auch die Fahrt auf dem Lough Bofin war diesmal ein wirklicher Genuss. Jetzt kam Roosky in Sicht. Ein Blick auf die Uhr sagte uns, dass wir uns wohl einen Liegeplatz in Roosky suchen sollten, denn Holgers heutiges Traumziel, den Camlin River, würden wir heute sicherlich nicht mehr erreichen. Zwar lag nur noch eine Schleuse, die Schleuse von Roosky, zwischen uns und dem Camlin River, aber mittlerweile war es schon 17:30 Uhr geworden und da heute Sonntag war, endete die Schleusenzeit um 18:00 Uhr. Und da wir uns ja bekanntermaßen in Irland befanden und die Leute hier, inklusive die Schleusenwärter, es nicht so ganz genau mit der Uhrzeit nahmen, wollten wir nicht in letzter Minute in die Schleuse einfahren, um danach vielleicht aus ihr wieder rückwärts herausfahren zu müssen, weil der Schleusenwärter gerade Feierabend machte.

So legten wir um 17:45 Uhr am zweiten Anleger vor der Schleuse an.
Da es für unsere Verhältnisse noch recht früh und das Wetter dazu sehr schön war, entschlossen wir uns, noch einen Spaziergang nach Roosky zu machen. So machten wir das Boot für unseren Landgang fertig. Wir schlossen alle Fenster und sicherten sie, das Backbord Fenster zusätzlich mit dem Bootshaken, da es sich nicht richtig verschließen ließ. Jetzt mussten wir nur noch die Tür zuschließen und schon ging es los. Unser erster Weg führte uns zur Schleuse, wo der Schleusenwärter Tony Hudson gerade dabei war, alles für seinen Feierabend fertig zu machen. Holger hatte noch den morgigen Wetterbericht abgerufen und der sagte ein gar nicht so schönes Wetter vorher. Es sollte Sturm mit einer Windstärke zwischen 4 und 6 geben, also nicht so richtiges Wetter, um morgen über den Lough Ree zu fahren. Holger wollte nun Tony befragen, was er dazu sagen würde. Tony meinte nur, dass das Wetter morgen genauso gut werden würde wie heute. Seine Worte in Gottes Ohr! Tony machte nun Feierabend und so verließen wir die Schleuse in Richtung Roosky. Der Shannon zwischen der Schleuse und der Brücke von Roosky lag spiegelglatt neben uns und er war wirklich ein bezaubernder Anblick.

 

Roosky selbst hatten wir uns schon einmal mit dem Fahrrad genauer angesehen. Aus Mangel an Fahrrädern waren wir nun heute zu Fuß unterwegs, aber zu Fuß sieht man doch meist mehr, zum Beispiel kamen wir an einem Turm vorbei, der uns vorher noch nie aufgefallen war und die Schilder am Ortseingang für die Geschwindigkeitsbegrenzung waren auch recht interessant umgestaltet worden, gerade das rechte von den beiden.

Unser Rundgang durch Roosky

 

 

Der Turm in der Nähe des Ortseinganges.

Das Ortseingangsschild von Roosky aus Richtung Kilglass kommend.

 

 

 

Der Brunnen auf dem Platz neben der Kirche.

 

Die Kirche von Roosky.

 

Auf dem Rückweg zur Daisy fielen uns an dem Anleger bei der Brücke von Roosky zwei Wavedukes ins Auge, die Heck an Heck dort festgemacht hatten. Einer davon war die Crocus, der andere die Violet, mit der wir am liebsten ja jetzt auch unterwegs gewesen wären, was leider nicht geklappt hatte. Warum auch immer.

Zurück bei der Daisy, bemerkte ich, dass ich gerade von der Schleuse aus gute Fotos von dem Sonnenuntergang machen konnte. Ich ging schon mal vor, während Holger noch eine Kleinigkeit zurück an Bord brachte.

Bei dem Wehr der Schleuse sah ich an dem Anleger, der keinen Landzugang hat, ein kleines Boot von CarrickCraft liegen. Der Anleger auf der anderen Seite war von einem ESL Boot und einem kleinen irischen Fischerboot, auf dem auch zwei Angler standen, belegt. Ich wundert mich zwar etwas über den Nachtliegeplatz des CarrickCraft Bootes, dachte mir jedoch nichts dabei und ging weiter zum Wehr, um dort meine Fotos zu machen. Mittlerweile hatte Holger mich eingeholt und wir erkundeten zusammen die andere Seite des Wehrs.

 


Die Schleuse von Roosky bei absoluter Windstille.


Ein verlorengegangener Rettungsring im Wasser beim Wehr.


Das Wehr an der Schleuse von Roosky.

 

Holger war auch der Liegeplatz des CarrickCraft Bootes aufgefallen. Wer machte schon über Nacht an einem Anleger ohne Landzugang fest. Auch war es durch das danebenliegende Wehr hier richtig laut.
Während wir uns auf dem Rückweg vom Wehr befanden, sahen wir die Besatzung des CarrickCraft Bootes. Nach einer Weile kamen wir mit der Besatzung ins Gespräch. Es waren Deutsche, die nicht darauf geachtet hatten, dass am Sonntag die Schleuse schon um 18:00 Uhr dicht machte. Einen der Männer hatte man schon vor dem Festmachen am Anleger an der Schleuse abgesetzt, indem sie das Boot mit dem Bug voran an die Schleuse gesetzt hatten, so dass er rüberwechseln konnte, um den Schleusenwärter suchen zu können. Wir klärten sie auf, dass Tony schon um 17:52 Uhr Feierabend gemacht hätte und dass sie heute nicht mehr schleusen könnten. Somit befanden sie sich in einer ziemlich misslichen Lage. An dem anderen Anleger vor der Schleuse legte in dem Moment das kleine Fischerboot ab und so schlugen wir der deutschen Besatzung vor, dass man das ESL Boot, das eine große irische Flagge führte, weiter nach vorne ziehen könnte, damit sie mit ihrem CarrickCraft dahinter anlegen könnten. Dankend wurde dieser Vorschlag angenommen. Die deutsche Besatzung sollte mit dem Ablegen ihres Bootes noch einen Moment warten, da wir ja erst das ESL Boot los machen mussten, damit wir es verschieben konnten. Zum Glück warteten sie mit dem Ablegen, denn das Verschieben des ESL Bootes stellte sich als schwieriger als erwartet heraus, da die Tampen nach dem Verschieben zu kurz zum Festmachen waren. So ging Holger an Bord des verlassenen Bootes und tauschte alle Tampen untereinander einmal durch, bis wir das Boot sicher festmachen konnten. Jetzt lag das ESL Boot weiter vorne am Anleger und das CarrickCraft konnte nun ablegen und herüber fahren, um hier jetzt auch anzulegen. Auch das Anlegemanöver war schwieriger, denn die Poller des Anlegers lagen nicht da, wo wir sie gebraucht hätten und erst als wir das Boot einmal um 180° gedreht hatten, so dass das Heck jetzt zur Schleuse zeigte, gelang es uns, das Boot richtig festzumachen, damit auch die Besatzung einfach an Land gehen konnte. Nachdem nun beide Boote sicher und fest am Anleger lagen, unterhielten wir uns noch eine ganze Weile, machten noch ein paar Tourvorschläge, nicht nur fürs Boot sondern auch fürs Auto, da die deutsche Besatzung nach einem 8tägigen Bootsurlaub noch eine 8tägige Autotour vor sich hatte. Ein großer schwarzer Hund gesellte sich zu uns und wir mussten alle kräftig schmunzeln, als er, nachdem er sich ein Bad im Shannon gegönnt hatte, sich neben Holger stellte, um sich einmal kräftig das nasse Fell zu schütteln. Holgers Hose bekam dadurch den einen und anderen Tropfen ab. Wir erläuterten den anderen noch schnell den Weg nach Roosky, dann trennten wir uns und wir kehrten zur Daisy zurück. Holger machte uns noch schnell etwas zum Abendbrot. Heute gab es gekochte Nudeln mit einer Bolognesesoße ohne Hack, zu der man auch einfach nur Tomatensoße sagen konnte und geriebenen Cheddarkäse. Dieses Gericht aßen wir immer wieder gerne in Irland. Dabei sahen wir uns die DVD „Mission Impossible II“ an, die ich aber nur zu einem Viertel ansah, den ich war so geschafft von diesem Tag und von den ganzen Schleusen, dass ich schon um kurz nach 21:00 Uhr todmüde ins Bett fiel. Holger sah sich die DVD noch zu Ende an und kam dann auch ins Bett.